TSV-1860-Präsident Mang stichelt gegen Ismaik: "Schlimm, was Sechzig da angetan worden ist"
"Jetzt Mitglied werden!", rief ein in grün-goldenen Farben gekleideter Löwe im Stile eines Marktschreiers. Sogar die Fahnenschwenker waren gekommen, um – Obacht, Wortwitz-Flagge zu zeigen. Ein Spalier aus gut 300 Fans klatschte und skandierte diejenigen (Jung-)Löwen hinauf auf den Rasen, die nach dem Giesinger Erdbeben geblieben waren: "Sechzig! Sechzig – einmal Löwe, immer Löwe!"
Die zentrale Nachricht lautet: Der TSV 1860 hat inmitten seiner existenzbedrohenden Krise den Trainingsauftakt begangen. Kurios: Weder Geschäftsführer Manfred Paula, noch auch nur irgendein Trainer oder Spieler waren für zahlreiche anwesende Medien von den Sechzgern für Interviews freigegeben worden. Der Aufgalopp des Löwen mit weiß-blauem Maulkorb.
Das Schweigegelübde der Sechzger ist allerdings daher nachvollziehbar, da über Paulas Kopf mit der drohenden Insolvenz ein Damoklesschwert schwebt und weder Funktionäre, noch Spieler vor einigen Wochen dafür vorgesehen waren, am heutigen Tage aufzulaufen.
Mang schwärmt vom Support der 1860-Fans
Immerhin ließ sich Präsident Gernot Mang ein Statement entlocken: "Es ist der Wahnsinn, was hier los ist: So viele Löwenfans sind gekommen, um diese junge Mannschaft anzufeuern, die Fahnenschwenker sind da", sagte Oberlöwe Mang der AZ. Gemessen an der Vorsaison, als über 1.000 Fans die Rückkehrer Kevin Volland und Florian Niederlechner feierten, fiel der Support gering aus.
Bedenkt man die aktuelle Löwen-Lage nach dem Lizenzentzug, müssen die Blauen dennoch Danke sagen, was der 57-Jährige garniert mit einem Seitenhieb in Richtung von Investor Hasan Ismaik auch tat: "Wir sind sehr dankbar für die überragende Unterstützung. Der Verein lebt! Ich finde es immer noch schlimm, was Sechzig da angetan worden ist."
Was das Personal angeht, hat nahezu eine Komplett-Rotation stattgefunden. Anstelle von Chefcoach Markus Kauczinski leitete U21-Meistermacher Alper Kayabunar, der nach AZ-Informationen allerdings noch nicht sicher neuer Coach wird, den ersten Aufgalopp . Die Assistenten heißen nicht mehr Markus Brzenska, Nico Masetzky und René Vollath, sondern Vincent Saller (Co-Trainer) und Tobias Stefer (Athletiktrainer) sowie ein gewisser Vitus Eicher (Torwarttrainer), der als Ex-Löwen-Zweitliga-Keeper das bekannteste Giesinger Gesicht des TSV-Trosses darstellte.

TSV 1860 geht mit No-Name-Kader an den Start
Beim Blick auf das "Spielermaterial" dürfte selbst der – natürlich anwesende – Allesfahrer Roman Wöll ins Schwitzen gekommen sein, darum seien die 25 Feldspieler plus drei Torhüter an dieser Stelle in Kategorien eingeteilt. Ein Welt-Star-Sohn, der für die hartgesottensten Löwen-Kenner das einzig unbekannte Gesicht des Tages war: Matthew Collins, 21-jähriger Mittelfeldspieler mit englischer und schweizer Staatsbürgerschaft, absolvierte wie erwartet ein Probetraining, ohne bisher einen Vertrag erhalten zu haben. Papa Phil Collins wurde nicht gesichtet. Im Gegensatz zu vier bekannteren Junglöwen: Lasse Faßmann (20), Samuel Althaus (20), Loris Husic (18) und Emre Erdogan (19), die 2025/26 öfter Profi-Luft schnuppern durften.

Bleiben 23 Spieler aus U19 und U21 der Vorsaison, die künftig auf die "Profis" in der Regionalliga Bayern und die Zweitvertretung in der Bayernliga Süd aufgeteilt werden sollen. Kurios: 1860 berücksichtigte in seiner veröffentlichten Kaderliste auch die Rubrik "zum Auftakt abwesend" mit Paul Bachmann (20), Damjan Dordan (23) und Xaver Kiefersauer (20), die eigentlich bereits Profiverträge bekommen hatten, aber noch gehen könnten und in Absprache mit ihren Beratern aus versicherungsrechtlichen Gründen ferngeblieben sind (siehe links)? Der TSV scheint mit ihnen ebenso zu planen wie mit Lance Fiedler, Emre Dursun, Noah Klose und Fabio Wagner.
Ismaik persönlich in München angekommen
Ob Sechzig mit wehenden Fahnen untergeht, einen erbitterten Rechtsstreit über sich ergehen lassen muss oder mit diesen engagiert trainierenden Jungspunden einen hoffnungsvollen Neustart erlebt? Am Montag ist Hasan Ismaik nach München gereist, eine außerordentliche Gesellschafterversammlung soll eine Lösung bringen.
Mit Zeugwart Norbert "Steges" Stegmann (77) war neben unerschütterlichen Fans auch DIE Konstante der krisengeschüttelten Giesinger dabei. Einmal Löwe, immer Löwe eben.

