TSV 1860 München: Medien kritisieren Verein - Die Pressestimmen zum Medien-Krieg

"Der deutsche Fußball sollte sich geschlossen gegen das Gebaren bei 1860 stellen". Die Löwen ernten viel Kritik für den jüngsten Ärger. Die Pressestimmen zum Medien-Krieg.
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Schon vor dem Spiel gegen den FC St. Pauli wurde Kristina Ellwanger die Akkreditierung verweigert. In der Pressekonferenz vor dem Spiel verließ die Bildreporterin, deren Fragen ignoriert wurden, demonstrativ die Veranstaltung.
bild 12 Schon vor dem Spiel gegen den FC St. Pauli wurde Kristina Ellwanger die Akkreditierung verweigert. In der Pressekonferenz vor dem Spiel verließ die Bildreporterin, deren Fragen ignoriert wurden, demonstrativ die Veranstaltung.
Der Bayerische Journalisten Verband (BJV) wetterte gegen den Ausschluss der Reporterin. „Wir appellieren an die Solidarität der Presse, eine Berichterstattung insgesamt zu boykottieren, sollte der Verein weiter an seiner Haltung festhalten und Medienvertreter einzelner Medien nicht zum Spiel zulassen“, heißt es in einer offiziellen Stellungsnahme.
bjv.de 12 Der Bayerische Journalisten Verband (BJV) wetterte gegen den Ausschluss der Reporterin. „Wir appellieren an die Solidarität der Presse, eine Berichterstattung insgesamt zu boykottieren, sollte der Verein weiter an seiner Haltung festhalten und Medienvertreter einzelner Medien nicht zum Spiel zulassen“, heißt es in einer offiziellen Stellungsnahme.
Auch der Verein Münchner Sportjournalisten (VMS) äußerte deutliche Kritik: "Das Vorgehen stellt einen klaren Verstoß gegen die Medienrichtlinien der DFL Deutsche Fußball Liga GmbH dar. Die Verantwortlichen des TSV München von 1860 müssen endlich akzeptieren, dass kritischer Journalismus nichts mit Haus und Hof Berichterstattung zu tun hat und Pressefreiheit ein Grundgesetz ist."
vms-sportjournalisten.de/ 12 Auch der Verein Münchner Sportjournalisten (VMS) äußerte deutliche Kritik: "Das Vorgehen stellt einen klaren Verstoß gegen die Medienrichtlinien der DFL Deutsche Fußball Liga GmbH dar. Die Verantwortlichen des TSV München von 1860 müssen endlich akzeptieren, dass kritischer Journalismus nichts mit Haus und Hof Berichterstattung zu tun hat und Pressefreiheit ein Grundgesetz ist."
Den Ausschluss thematisierte die Süddeutsche in ihrem Spielbericht: "Es gab also mal wieder nicht nur die eine Wahrheit über dieses Spiel. Nicht umsonst heißt ein alter Fußballerspruch: 30 300 Zuschauer (so viele waren es am Samstag in der Arena), 30 300 Meinungen. Es hätten 30 301 Meinungen sein können, aber eine Reporterin, die normalerweise für die Bild-Zeitung über die Spiele der Löwen berichtet, war nicht anwesend - der TSV 1860 verweigerte ihr die Akkreditierung wegen ihrer Schilderung des Umgangs des Klubs mit Mittelfeldspieler Matmour.
sueddeutsche.de 12 Den Ausschluss thematisierte die Süddeutsche in ihrem Spielbericht: "Es gab also mal wieder nicht nur die eine Wahrheit über dieses Spiel. Nicht umsonst heißt ein alter Fußballerspruch: 30 300 Zuschauer (so viele waren es am Samstag in der Arena), 30 300 Meinungen. Es hätten 30 301 Meinungen sein können, aber eine Reporterin, die normalerweise für die Bild-Zeitung über die Spiele der Löwen berichtet, war nicht anwesend - der TSV 1860 verweigerte ihr die Akkreditierung wegen ihrer Schilderung des Umgangs des Klubs mit Mittelfeldspieler Matmour.
Beim FC St. Pauli war man nach dem Spiel sehr erbost über die Löwen. Beim Aufeinandertreffen wären Funktionäre fast von der Ehrentribüne geschickt worden, weil sie zu laut jubelten. Sportdirektor Rettig sah sich gar veranlasst eine Stellungnahme auf der Vereinsseite abzugeben und die Löwen samt Investor Hasan Ismaik scharf zu kritisieren: "Wenn auf dem Altar des vielen Geldes Meinungsfreiheit und respektvoller Umgang mit Mitarbeitern, Medien und anderen Clubs auf der Strecke bleiben, dann gute Nacht Fußballdeutschland. Hier würde ich mir auch ein konsequenteres Eingreifen der Verbände wünschen. Jedes Spruchband wird sanktioniert und hier ist man auf beiden Augen blind."
stpauli.de 12 Beim FC St. Pauli war man nach dem Spiel sehr erbost über die Löwen. Beim Aufeinandertreffen wären Funktionäre fast von der Ehrentribüne geschickt worden, weil sie zu laut jubelten. Sportdirektor Rettig sah sich gar veranlasst eine Stellungnahme auf der Vereinsseite abzugeben und die Löwen samt Investor Hasan Ismaik scharf zu kritisieren: "Wenn auf dem Altar des vielen Geldes Meinungsfreiheit und respektvoller Umgang mit Mitarbeitern, Medien und anderen Clubs auf der Strecke bleiben, dann gute Nacht Fußballdeutschland. Hier würde ich mir auch ein konsequenteres Eingreifen der Verbände wünschen. Jedes Spruchband wird sanktioniert und hier ist man auf beiden Augen blind."
Die "11freunde" feuerte scharf: "Der deutsche Fußball sollte sich spätestens jetzt klar und geschlossen gegen das Gebaren bei 1860 auflehnen"
11freunde.de 12 Die "11freunde" feuerte scharf: "Der deutsche Fußball sollte sich spätestens jetzt klar und geschlossen gegen das Gebaren bei 1860 auflehnen"
Wegen der Kritikunfähigkeit des Vereins fahren die Kollegen vom kicker sogar die Berichterstattung zurück. Auf Interviews mit 1860-Verantwortlichen wird man künftig verzichten. "Mit einem Verfolgungswahn von Ismaik und Geschäftsführer Anthony Power alleine ist das nicht zu erklären. Da steckt Politik dahinter. Es ist keine Politik der Souveränität und sicher kein Zeichen von wahrer Stärke", so Chefredakteur Jörg Jakob.
kicker.de 12 Wegen der Kritikunfähigkeit des Vereins fahren die Kollegen vom kicker sogar die Berichterstattung zurück. Auf Interviews mit 1860-Verantwortlichen wird man künftig verzichten. "Mit einem Verfolgungswahn von Ismaik und Geschäftsführer Anthony Power alleine ist das nicht zu erklären. Da steckt Politik dahinter. Es ist keine Politik der Souveränität und sicher kein Zeichen von wahrer Stärke", so Chefredakteur Jörg Jakob.
Aber nicht alle verzichten. Den Spaß am 1860-Chaos lässt sich das Satire-Magazin 'FUMS' nicht nehmen: "In eigener Sache: Wir berichten auch weiter über 1860 (hahaha)"
facebook.com/fums.magazin/ 12 Aber nicht alle verzichten. Den Spaß am 1860-Chaos lässt sich das Satire-Magazin 'FUMS' nicht nehmen: "In eigener Sache: Wir berichten auch weiter über 1860 (hahaha)"
Bei der tz suchen sie unterdessen schon nach dem nächsten Sündenbock: "Presse, Rasen, Schiri - und wer ist beim nächsten Mal schuld?"
tz.de 12 Bei der tz suchen sie unterdessen schon nach dem nächsten Sündenbock: "Presse, Rasen, Schiri - und wer ist beim nächsten Mal schuld?"
Von der vielen Aufregung fühlte sich selbst die DFL veranlasst eine Stellungnahme abzugeben. Zwar werde es keine Sanktionen geben, dennoch rügte sie, dass ein "professionelles Miteinander" von Klubs und Medien "nicht infrage gestellt werden" solle.
bundesliga.de 12 Von der vielen Aufregung fühlte sich selbst die DFL veranlasst eine Stellungnahme abzugeben. Zwar werde es keine Sanktionen geben, dennoch rügte sie, dass ein "professionelles Miteinander" von Klubs und Medien "nicht infrage gestellt werden" solle.
Beinhart waren die Worte von Trainer-Legende Werner Lorant bei Sport1: "Das ist eine Schande, wie bei 1860 mit Menschen umgegangen wird." Die Medien-Maßnahmen kann der Trainer, der von 1992 bis 2001 in München an der Seitenlinie stand, überhaupt nicht nachvollziehen: "Als Verein brauche ich die Medien, gerade in einer Stadt wie München. Aussperren ist ein Unding. Schlimm."
sport1.de 12 Beinhart waren die Worte von Trainer-Legende Werner Lorant bei Sport1: "Das ist eine Schande, wie bei 1860 mit Menschen umgegangen wird." Die Medien-Maßnahmen kann der Trainer, der von 1992 bis 2001 in München an der Seitenlinie stand, überhaupt nicht nachvollziehen: "Als Verein brauche ich die Medien, gerade in einer Stadt wie München. Aussperren ist ein Unding. Schlimm."
Kommentator Frank Buschmann ging sogar noch weiter: "Bei 1860 München sollten sie den Laden dicht machen. Das ist nur noch erbärmlich. Leid tun mir die Spieler und die Fans!"
twitter.com/FrankBuschmann 12 Kommentator Frank Buschmann ging sogar noch weiter: "Bei 1860 München sollten sie den Laden dicht machen. Das ist nur noch erbärmlich. Leid tun mir die Spieler und die Fans!"

Frankfurt/Main - Das Geschäftsgebaren von Investor Hasan Ismaik hat den 1860 ins Abseits manövriert: Nach der Pressesperre und dem Jubelverbot schränken einige Medien ihre Löwen-Berichterstattung massiv ein, und auch die bislang zurückhaltende Deutsche Fußball Liga (DFL) übt Kritik. Sanktionen muss der Traditionsklub aber trotz der höchst strittigen Vereinspolitik nicht fürchten.

Lesen Sie hier: Bayern-Boss Rummenigge lacht über 1860

"Angesichts der Tatsache, dass die Klubs sowohl auf ihrem Trainingsgelände als auch im eigenen Stadion Hausrecht ausüben und die DFL in diesem Fall nicht direkt berührt ist, besitzt die DFL hier keine statuarische Grundlage, weitergehend tätig zu werden", teilte die DFL zu den Vorgängen der vergangenen Woche mit. Sie rügte aber dennoch, dass ein "professionelles Miteinander" von Klubs und Medien "nicht infrage gestellt werden" solle.

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Genau das hatte die 1860-Vereinsführung aber getan. Während der Pressekonferenz vor dem Punktspiel gegen den FC St. Pauli am Samstag (2:1) war Medienvertretern das Wort verboten worden, Fragen an Trainer Vitor Pereira wurden nicht beantwortet. Bereits Anfang Februar war es zum Streit gekommen, weil der Zweitligist drei Tageszeitungen die Dauerakkreditierung entzogen hatte - offiziell wegen der "Berichterstattung in den letzten Wochen und Monaten".

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