Interview

TSV-1860-Legende legt sich vor Pokalduell gegen Holstein Kiel fest: "Glaube an Heimsieg für Sechzig"

Der TSV 1860 trifft am Samstag in der ersten Runde des DFB-Pokals auf Holstein Kiel. Pokalheld Gábor Király spricht im AZ-Interview über seine gehaltenen Elfmeter 2009 und verrät erstmals, wie es zu seinem Abschied 2015 kam.
Kilian Kreitmair
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Hat beim TSV 1860 Kultstatus: Gábor Király.
Hat beim TSV 1860 Kultstatus: Gábor Király. © IMAGO

AZ: Herr Király, lassen Sie uns eine Zeitreise in den September 2009 machen. Sie spielen mit dem TSV 1860 in der zweiten Runde des DFB-Pokals gegen ihren ehemaligen Verein Hertha BSC. Beim Stand von 2:2 geht es ins Elfmeterschießen. Waren Sie nervös? 
GÁBOR KIRÁLY: (lacht) Ich denke, dass das Ergebnis gezeigt hat, dass ich nicht nervös war. Wir sind am Ende durch die zwei gehaltenen Elfmeter weitergekommen. Aber ich hatte den Vorteil, dass ich davor bei Hertha gespielt hatte und den Verein kannte. Ich hatte einige Informationen.

Király verrät Herangehensweise bei Elfmetern

Hatten Sie im Elfmeterschießen eine spezielle Herangehensweise? 
Ich hatte immer einen Plan, aber es kommt natürlich auch auf den Spielablauf an. Dein Gegenspieler kann mental gut drauf sein oder auch nicht. Das lasse ich in meinen Entscheidungen bei Elfmetern immer miteinspielen.

Was war das für ein Gefühl, gegen den Favoriten aus Berlin zu gewinnen? 
Natürlich war es für mich speziell, gegen Hertha zu spielen, wo ich meine ersten Profijahre in Deutschland absolviert habe. Ich habe dem Verein sehr viel zu verdanken. Wir haben Champions League und UEFA-Cup gespielt. Aber in diesem Moment habe ich für Sechzig gespielt und habe mich auch dort immer wie zu Hause gefühlt. Für mich war immer klar: Wenn ich das Trikot eines Traditionsvereins wie den TSV 1860 anziehe, gebe ich 100 Prozent für den Klub.

Wenn ich das Trikot eines Traditionsvereins wie den TSV 1860 anziehe, gebe ich 100 Prozent für den Klub.

Gábor Király

Rolle des Underdogs ist im Pokal leichter 

War der DFB-Pokal ein Wettbewerb, den Sie mochten? 
Sicherlich sind die Pokalspiele immer interessant, weil die kleinen Vereine die große Möglichkeit haben, gegen große Vereine zu spielen. Und dadurch, dass die Favoriten zum Teil mit der B- oder C-Mannschaft auflaufen, kann es Überraschungen geben. Entsprechend ist die Pokalserie immer interessant.

Sie kennen die Rolle des Favoriten und die des Underdogs. Welche Rolle ist schwerer?
Gegen kleinere Mannschaften ist es schwerer zu spielen. Man kennt diese Mannschaften nicht so gut, wie die meisten Profiteams. Aber trotzdem sind sie stark genug, um den Topfavoriten zu schlagen. Ich habe mich deshalb, egal ob Champions-League-Spiel oder Freundschaftsspiel, immer gleich vorbereitet. Am Ende musste ich sowieso die Bälle halten. Da war es mir egal, wer schießt.

Hielt 2009 gegen Hertha BSC zwei Elfmeter: Gábor Király.
Hielt 2009 gegen Hertha BSC zwei Elfmeter: Gábor Király. © IMAGO

Király verfolgt den TSV 1860 weiterhin

Der TSV 1860 spielt am Samstag im DFB-Pokal gegen Holstein Kiel. Inwiefern verfolgen Sie den Verein noch?
Ich verfolge alle meine ehemaligen Vereine noch. Ich habe sogar auf meinem Handy eingestellt, dass ich eine Nachricht bekomme, wenn Sechzig ein Tor schießt. Außerdem habe ich mir die Löwen-Spiele in meinen Kalender eingetragen. Und wenn ich in München bin, schaue ich manchmal am Vereinsgelände vorbei.

Was braucht Sechzig, um einen zwei Klassen höheren, Gegner zu schlagen?
Natürlich ist Kiel eine unangenehme Mannschaft, die auch viel über die Mentalität kommt. Aber eine starke Löwen-Mannschaft kann Holstein schlagen. Es ist nur ein Spiel. Ich würde mich wirklich freuen, wenn sie am Ende als Sieger den Platz verlassen würden.

Ich würde mich wirklich freuen, wenn sie am Ende als Sieger den Platz verlassen würden.

Gábor Király

Löwen-Legende mit Liebeserklärung an das Grünwalder Stadion

Ist es ein Vorteil, dass Sechzig vor heimischer Kulisse spielt?
Natürlich. Mit einer vollen Hütte und diesen Fans, die voller Leidenschaft sind, ist es etwas anderes. Deswegen glaube ich auch an einen Heimsieg für Sechzig.

Sie haben selbst mit dem TSV 1860 im Grünwalder Stadion gespielt, wenngleich es Testspiele waren. Was war das für ein Gefühl im Vergleich zur Allianz Arena?
Das Grünwalder Stadion ist einfach das Heimstadion von Sechzig. Die Allianz Arena hatte zwar als modernes Stadion auch einige Vorteile, aber eine Mannschaft muss dort spielen, wo sie sich heimisch fühlt. Die Fans wollten immer im Grünwalder Stadion spielen. Und als ich dort in den Freundschaftsspielen auf dem Platz stand, war es gleich eine ganz andere Energie. Da spürst du die Tradition. Da ist die Fankurve voll und die Stimmung ist super.

Absolvierte Testspiele für den TSV 1860 im Grünwalder Stadion: Gábor Király.
Absolvierte Testspiele für den TSV 1860 im Grünwalder Stadion: Gábor Király. © IMAGO

Király lobt Löwen-Keeper Eicher

Wie haben Sie generell die vergangenen Monate bei Sechzig erlebt?
Ich durfte dort fünf Jahre spielen und weiß, wie Sechzig funktioniert. Ich hoffe, dass sich der Verein irgendwann stabilisiert und wieder in die 2. Bundesliga aufsteigt. Sie bauen jetzt alles wieder auf und das ist ein gutes Zeichen. Irgendwann muss Sechzig mindestens in die 2. Bundesliga zurückkehren.

Vitus Eicher wurde in Ihrer Löwen-Zeit vom Ersatztorhüter zur Nummer eins aufgebaut. Wie haben Sie darauf reagiert, als Sie erfuhren, dass er wieder Stammtorhüter wird?
(lacht) Vitus ist ein super Mann! Wir hatten damals eine tolle Torwartgruppe. Er ist jetzt mit viel Erfahrung wieder nach Hause gekehrt und kann dem Verein helfen. Ich bin sicher, dass sich die Fans durch Vitus nochmal viel stärker mit dem Verein identifizieren. Er lebt diese Tradition beim TSV 1860. Sechzig braucht solche Löwen, die die letzten Jahre ihrer Karriere dort spielen.

 Die Zeit bei den Löwen bleibt mir immer positiv in Erinnerung.

Gábor Király

Király musste 2015 den TSV 1860 verlassen

Sie wollten 2015 eigentlich beim Verein bleiben, mussten aber den TSV 1860 verlassen. Wie schwer fiel Ihnen das?
Es ist richtig, dass ich den Verein wechseln musste. Sechzig hatte einen guten Deal mit Fulham, sodass ich keine Wahl hatte. Am Ende sollte es so passieren. Ich habe das akzeptiert. Aber das hat nichts an meiner Liebe zum TSV 1860 verändert. Die Zeit bei den Löwen bleibt mir immer positiv in Erinnerung. Ich konnte beim Verein so viel lernen und hatte in Fulham auch eine schöne Zeit.

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