Rumpf-Rudel der Löwen erkämpft sich Remis: Warum Kauczinski trotzdem nicht ganz zufrieden ist
Elf verletzte Löwen. Die beste Mannschaft des Kalenderjahres 2025 zu Gast. Herrje, wie soll das nur funktionieren? Es dürfte nicht nur zwei, drei Sechzger gegeben haben, die im Vorfeld des Rückrundenauftakts gegen Aufstiegsaspirant Rot-Weiss Essen oder spätestens beim 0:1-Rückstand in der Schlussphase gedacht haben: Könnte ganz, ganz eng werden. Aber dann kamen die Blauen zurück – mit Max, (Heim-)Macht und Moral!
"Es war unsere Herangehensweise, dass wir gesagt haben: Wir brechen die Widerstände! Vor der Winterpause haben wir einen Rückschlag bekommen gegen Verl. Wir haben immer wieder Rückschläge bekommen. Wir haben uns mit den ganzen Verletzten schon gedacht, dass es wie verhext ist. Aber sind immer wieder aufgestanden", sagte René Vollath nach dem 1:1 des TSV 1860 gegen Essen und beschrieb damit gut, was im Duden unter "Bereitschaft, sich einzusetzen; Disziplin, Zucht; gefestigte innere Haltung, Selbstvertrauen" bezeichnet ist: Moral.
Erstaunlich gefestigte Löwen haben sich mehr als nur eingesetzt, sie haben allen Widerständen diszipliniert und züchtig getrotzt und sich durch einen selbstbewussten Auftritt gegen RWE mit einem hochverdienten Punkt belohnt.
Extrem dezimierte Löwen erkämpfen Remis gegen Essen
Dem Rumpf-Team von Cheftrainer Markus Kauczinski hatte eine ganze Startelf voller Spieler gefehlt: Routinier Vollath hatte Stammtorhüter Thomas Dähne als verlässlicher Rückhalt vertreten, in der Abwehr ließen Torschütze Max Reinthaler und Raphael Schifferl die Ausfälle von Kapitän Jesper Verlaat und Sean Dulic vergessen machen. "Es fehlt eine komplette Mannschaft, habe ich irgendwo gesehen", sagte Abwehrchef Reinthaler: "Aber wir kriegen trotzdem eine schlagfertige Mannschaft auf den Platz. Das hat man heute auch gesehen."
Auf der Sechs etwa, wo sich Junglöwe Damjan Dordan (23) seinen ersten Drittliga-Einsatz feierte: "Damjan hat ein super Spiel gemacht auf Sechs. Der hatte noch keine Profiminute, wird reingeworfen und hat gezeigt, was er kann", lobte Kollege Kilian Jakob, der seinerseits aus Verletzungsgründen lange auf sein eigenes Startelfdebüt auf seiner angestammten Position im linken Mittelfeld warten musste und ebenfalls einen kampfstarken Auftritt hinlegte.
Kauczinski hadert mit der Chancenverwertung
Dennoch hat Coach Kauczinski das für die einfallslosen Gäste schmeichelhafte Unentschieden als "leistungsgerecht" bezeichnet. Der Grund? Seine Offensive um Aushilfs-Kapitän Patrick Hobsch, den wiedergenesenen Spielmacher Kevin Volland und David Philipp, der anstelle des verletzten Top-Torschützen Sigurd Haugen (sieben Saisontore) aufgelaufen war, hat sich zwar mit Kampfgeist und teils recht intensivem Pressing gegen RWE und deren anfangs reif erscheinende Spielanlage gewehrt.
Aber, so Kauczinski: "Ich habe immer das Gefühl gehabt, dieser letzte Pass, diese letzte Gelegenheit – wir kamen so oft durch und hatten auch am Anfang der zweiten Halbzeit nochmal Gelegenheiten. Aber wenn man sie nicht macht, muss man damit auch zufrieden sein."
Reinthaler: "Hatte das Gefühl, dass wir als Sieger vom Platz gehen können"
Bleibt noch, über den 1:1-Ausgleich und das Torschützen-Fazit zu berichten: "Wenn du am Ende so spät das Gegentor kriegst, bist du froh, wenn du noch einen Punkt mitnimmst. Aber ich hatte schon das Gefühl, dass wir auch als Sieger vom Platz gehen können", erklärte Reinthaler: "Ich habe den Ball gar nicht gesehen. Da war ein bisschen Glück, dass die Annahme in dem Moment wirklich perfekt ist und ich ihn reinschießen kann."
Und das ebenso überzeugend, wie 1860 aufgetreten war. Man könnte sich trotzdem fragen: Wenn die Verlaats, Deniz’ und Haugens alle fit gewesen wären, wär’ dann mehr drin gewesen?
