Nach langem Schweigen: Ismaik meldet sich zu Wort und überrascht

Der "Befreiungskampf von den Lasten der Vergangenheit" ist in vollem Gange bei den Löwen. Nach einem Spendenaufruf des e.V. hat am Sonntag auch die Westkurve der Sechzger ein Crowdfunding auf die Beine gestellt und schon über 135.000 Euro eingesammelt (Stand: Dienstag, 16 Uhr). Alle Achtung! Dies hat inzwischen auch Noch-Investor Hasan Ismaik registriert – aber ob er die Konsequenzen schon verstanden hat?
"In diesen Tagen hört man viele Begriffe wie ‘Freiheit’, ‘Unabhängigkeit’ und ‘Football for the people’. Es sind Parolen mit schönen Bedeutungen, denn jeder Fan möchte, dass sein Verein seiner Geschichte treu bleibt, nah an seinen Anhängern ist und seine Identität bewahrt", schreibt der Mehrheitsgesellschafter der Profifußballabteilung des TSV 1860 (KGaA), die sich aktuell in Vorinsolvenz befindet, am Dienstag nach langem Schweigen in den Sozialen Medien: "Aber reichen Parolen allein aus, um einen professionellen Verein aufzubauen, der konkurrenzfähig ist?"
Kein Weg zurück für die e.V.-Seite
Der umstrittene jordanische Geldgeber scheint mit seiner Botschaft, die eine Reihe nachvollziehbarer Aussagen über (eigentlich selbstverständliche) Zustände in professionellen Wirtschaftsunternehmen enthält, etwaige Unterstützer hinter sich versammeln und Kritiker missionieren zu wollen. Sein eigenes, sprunghaft-unprofessionelles Wirken seit 15 Jahren verschweigt er gekonnt.
"Wenn der Weg, der in den vergangenen Jahren eingeschlagen wurde, der richtige war… warum ist der Verein dann in die Insolvenz geraten?", fragt Ismaik etwa. Die längst angelaufene Befreiungsmission von Präsident Gernot Mang und Co. dürften Ismaiks "Fragen zum Nachdenken", wie sie in Traditionalisten-Kreisen und Sozialen Medien längst durch den Kakao gezogen werden, in keinster Weise verändern: Nach AZ-Informationen gibt es für die e.V.-Seite kein Zurück – trotz der drohenden juristischen Schlammschlacht.
1860 braucht finanzstarke Sponsoren
Irritierend ist daher, dass sich Ismaik nach mehreren durchaus berechtigten Fragen, die sich unter anderem um chronische Geldnöte und die vielen Krisen der Löwen drehen, selbst offenbar immer noch als fester Bestandteil von Sechzigs Zukunftsplanungen wähnt. So klingt es jedenfalls, wenn er schreibt: "Die eigentliche Frage lautet: Wie bauen wir einen Verein auf, der seine Identität bewahrt und zugleich über eine starke Wirtschaft, professionelle Führung und Wettbewerbsfähigkeit verfügt? Das ist die eigentliche Herausforderung. Nicht jedes Mal die Suche nach einem neuen Gegner."
Was die Kernaussage über die Vereinbarkeit von Identität und wirtschaftlichem Erfolg angeht, hat Ismaik allerdings einen Punkt: Für eine gelingende Zukunft der Sechzger - zumindest, was den (höherklassigen) Profifußball anbelangt - , bedarf es nicht nur Spendensammlungen, die selbst die Fixkosten des noch nicht einmal gesicherten Regionalliga-Neustarts bislang noch nicht ansatzweise abdecken, sondern nach wie vor finanzstarker Sponsoren. Nach AZ-Infos sind mindestens dreieinhalb bis vier Millionen Euro nötig, um die aktuellen Strukturen inklusive NLZ zu erhalten - und sich berechtigte Aufstiegshoffnungen machen zu dürfen.
Die 1860-Bosse um Mang müssen sich künftig daran messen lassen, einen schnellen Ausweg aus dem Amateurfußball zu finden, die durch den massiven sportlichen wie wirtschaftlichen Schaden in weite Ferne gerückten Ausbaupläne des Grünwalder Stadions weiter zu verfolgen - und vor allem Ismaik wirklich loszuwerden.