Totengräber Wildmoser?

„Die Arena war kein Alleingang von mir“, sagt der ehemalige Löwen-Boss Karl-Heinz Wildmoser. Fragen zu den Verträgen bleiben.
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Wehrt sich dagegen, der Sündenbock zu sein: Ex-1860-Präsident Karl-Heinz Wildmoser, hierbei seinem letzten Tag als 1860-Präsident.
Griss Wehrt sich dagegen, der Sündenbock zu sein: Ex-1860-Präsident Karl-Heinz Wildmoser, hierbei seinem letzten Tag als 1860-Präsident.

„Die Arena war kein Alleingang von mir“, sagt der ehemalige Löwen-Boss Karl-Heinz Wildmoser. Fragen zu den Verträgen bleiben.

AZ: Herr Wildmoser, für viele Löwen-Fans ist die Sache klar: 1860 drückt die Last von 5,3 Millionen Euro jährlicher Miete an der Allianz Arena, die Sie gemeinsam mit dem FC Bayern gebaut haben. Also sind Sie der Sündenbock!

KARL-HEINZ WILDMOSER: So ein Schmarrn! Meinen Sie, ein anderes Stadion kostet nix? Wir haben zu Bundesliga-Zeiten im Olympiastadion vier Millionen Mark pro Jahr gezahlt – für Miete und Werberechte. Das ist vergleichbar mit den heutigen Preisen.

Viele Löwen-Fans wollen dennoch raus aus der Arena...

Ich kann von diesen realitätsfremden Wünschen einiger Fans nur dringend abraten. Ich will dem Verein nicht reinreden, aber die Leute von Pro1860 – das ist der Niedergang. Die haben schon zu meiner Zeit versucht, immer wieder schlechte Stimmung in der Kurve zu verbreiten.

Vielleicht haben die Fans Angst, dass die Schuldenlast 1860 ruiniert. Der Verein schreibt jährlich ein Minus von drei Millionen Euro. Allein für das Catering gehen zwei Millionen Euro drauf.

Diesen Vertrag habe ich nicht gemacht – das war wahrscheinlich der Auer Karl. Als Wirt wäre ich ja schön dumm, für ein Essen zu bezahlen, das man gar nicht braucht. Das ist der eigentliche Wahnsinn.

Trotzdem waren Sie es, der es vorzog, mit den Bayern ein Stadion zu bauen – anstatt über eine eine eigene Löwen-Heimat nachzudenken.

Ich kann das Gerede vom Grünwalder Stadion nicht mehr hören. Dort ist Profi-Fußball doch gar nicht möglich, dieses Stadion ist nicht mal für die Zweite Liga zugelassen. Die Spielgenehmigung für das eine Jahr nach dem Abstieg hat es nur auf Widerruf gegeben. Keiner der Vereinsfunktionäre spricht das aus.

Dennoch gelten Sie als Totengräber der Löwen – auch weil Sie keine Klausel für den Abstiegsfall in die Arena-Verträge reinschreiben ließen.

Die Verträge wurden von Fritz Scherer, meinem Sohn – und Alfred Lehner, unserem damaligen Aufsichtsratchef, aufgesetzt. Ich wollte, dass er als Kaufmann dabei ist. Hinterher hat unser Aufsichtsrat die Verträge abgesegnet. Die Arena war kein Alleingang von mir.

Nochmal: Machen Sie sich keine Vorwürfe, so ein imposantes Stadion für 1860 hingestellt zu haben?

Beim besten Willen nicht, nein. Selbst der Auer, der nach mir kam, sagt doch, er sei sich keiner Schuld bewusst. Ich sag Ihnen mal was: 1860 wäre mit mir heute noch in der Ersten Liga. Wir wären niemals abgestiegen. Den Gerald Vanenburg damals zu holen, das war einfach grob fahrlässig. Was dann kam, konnte ich doch nicht mehr beeinflussen.

1860 soll die Rufe von der Basis, aus der Arena auszusteigen, also überhören?

1860 hat nur in diesem Stadion eine Chance, zu leben. Ich würde den Arena-Vertrag auch heute genauso wieder unterschreiben.

Und wie kommt 1860 aus der Schuldenfalle?

Man hat nur eine Chance: Tag und Nacht Klinkeputzen bei den Firmen. Ich weiß, dass mit vielen potentiellen Sponsoren bislang nicht gesprochen wurde, die gerne in den Aufsichtsrat gehen würden. Und schauen Sie sich doch mal die Geschäftsstelle an: Das ist ein Personal-Aufwand (circa 40 Mitarbeiter, d. Red.) wie bei einem Champions-League-Verein. Ich habe mit fünf Leuten angefangen. Und ohne eigenen Computer. Der hat einer Mitarbeiterin gehört.

Interview: Oliver Griss

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