Taschentücher raus!

Die zwei 1860-Urgesteine Michael Hofmann und Torben Hoffmann sagen am Sonntag Servus. Hier erinnern sie sich an gute wie an schlechte Löwen-Zeiten. Die Hof(f)männer im großen AZ-Doppelinterview.
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Torben Hoffmann (li.) und Michael Hofmann, hier auf der Wiesn, verstehen sich auch privat gut.
Rauchensteiner/Augenklick Torben Hoffmann (li.) und Michael Hofmann, hier auf der Wiesn, verstehen sich auch privat gut.

Die zwei 1860-Urgesteine Michael Hofmann und Torben Hoffmann sagen am Sonntag Servus. Hier erinnern sie sich an gute wie an schlechte Löwen-Zeiten. Die Hof(f)männer im großen AZ-Doppelinterview.

Von Marco Plein

AZ: Die Herren, am Sonntag geht beim Heimspiel gegen Union Berlin eine kleine Ära bei 1860 zu Ende. Kein Michael Hofmann mehr – nach 14 Jahren im Klub. Kein Torben Hoffmann mehr – nach neun Jahren. Wie ist das Befinden?

TORBEN HOFFMANN: Der Gedanke macht mich sehr traurig. Es wird ein sehr emotionaler Moment. Ich kenne mich ja selbst gut genug, ich werde mich sehr zusammenreißen müssen, damit ich nicht anfange zu flennen. Meine Frau und unsere beiden Kinder sind da, mein Vater kommt etxra aus Kiel. Da werden einige Taschentücher gebraucht werden. Nach neun Jahren kann man die intensive Verbindung zum Verein und zu den Fans nicht einfach beiseite tun.

Vor rund zwei Wochen haben Sie erfahren, dass es bei 1860 keine Zukunft für Sie gibt.

TORBEN HOFFMANN: Ich muss die Pille erst mal schlucken und brauche auch noch Zeit, die Entscheidung des Vereins zu verarbeiten. Dafür ist die Identifikation mit allem, was mit 1860 zu tun hat, bei mir einfach viel zu groß. Ich hatte gehofft, dass es noch ein Jahr weitergehen würde. Ich mache ja jetzt im Juni meine B-Trainerlizenz in Oberhaching und habe gehofft, dass es für mich bei 1860 womöglich auch in einer anderen Funktion weitergehen würde.

Dafür haben sich sogar Fans eingesetzt.

TORBEN HOFFMANN: Ja, es hat Unterschriftenaktionen gegeben, sogar bei Facebook lief was. Alles in allem war das Feedback sehr positiv, auch von den Mannschaftskollegen. Das freut mich natürlich.

Herr Hofmann, Sie sind der dienstälteste Löwe. Wie schwer fällt der Abschied?

MICHAEL HOFMANN: Wie es am Sonntagnachmittag bei mir emotional ausschaut, da bin ich selbst gespannt. Ich kann mich gegen meine Gefühle sowieso nicht wehren, nicht nach so einer langen Zeit. Ich habe nicht viele andere Profistationen erlebt. 1860 ist das Ein und Alles für mich, und wenn es damit von heute auf morgen vorbei ist, dann wird es erst mal nicht so leicht, das zu verdauen.

Rechnen Sie damit, im letzten Spiel noch mal zum Einsatz zu kommen?

TORBEN HOFFMANN: Es wäre natürlich toll, sich als Spieler zu verabschieden.

MICHAEL HOFMANN: Natürlich wäre das ein Traum. Aber es ist kein Wunschkonzert.

Wie geht es nach der Saison bei Ihnen weiter?

TORBEN HOFFMANN: Ich fühle mich körperlich in einer Verfassung, in der ich noch auf gutem Niveau Fußball spielen kann. Das ist ähnlich wie bei Michael, wir haben beide die körperliche Konstitution, um die Schuhe noch nicht an den Nagel zu hängen. Also befasse ich mich auch nicht mit dem Gedanken, aufzuhören. Ich schaue in Ruhe, was möglich ist. Es gibt eine interessante Offerte, aber nicht aus der Deutschland, dazu lose Anfragen aus der 2. und 3. Liga. Wir fühlen uns hier sehr wohl in München, wir haben zwei kleine Töchter. Das ist natürlich ein Faktor, der in meinem Alter eine große Rolle spielt.

MICHAEL HOFMANN: Ich bin zwar 37, bin aber fit für die 2. oder womöglich auch 3. Liga. Auch wenn es heißt, der Hofmann sollte langsam aufhören, ich selbst sehe das anders. Ich habe mich immer so verhalten, auch dieses Jahr, dass ich ständig kader- und spielfähig gewesen wäre. Jetzt warte ich einfach mal ab, ob sich nicht doch noch etwas auftut. Fest steht nur, dass ich mit Fußball nicht aufhören will. Wenn es nicht mehr mit einer Rolle als Torwart hinhaut, kann ich mir auch eine Tätigkeit im Nachwuchsbereich als Trainer vorstellen.

Die Löwen sorgen derzeit kaum für positive Nachrichten. Hätten Sie sich eine schönere Zeit für Ihren Abschied gewünscht?

TORBEN HOFFMANN: So etwas kann man sich ja nicht aussuchen. Natürlich ist es im Moment nicht ideal, aber es hat ja alles einen Grund. Wegen unserer Erstligahistorie wurden hier immer wieder hohe Ziele formuliert. Damit gab es automatisch große Hoffnungen und dann immer wieder große Enttäuschungen. Es gab im Laufe der Jahre leider nur wenig Konstanz, auf dem Feld und in der Vereinsführung. Diese mangelnde Kontinuität im gesamten Verein unterscheidet uns zu den Klubs, die jetzt aufsteigen. Die haben nicht so eine negative Stimmung im Umfeld.

Die Anhänger des Vereins machen derzeit einiges mit. Beschäftigen Sie sich damit?

MICHAEL HOFMANN: Unser Zuschaueraufkommen gibt es nicht mal bei den meisten Erstligaklubs in Italien. Und unsere Fans stehen trotz der Durchschnittsleistungen so treu hinter 1860, dass sie bei nur halbwegs sportlichem Erfolg immer kommen. Wenn wir aufsteigen, würden sie uns die Bude einrennen.

Sie haben hier viele Höhen und Tiefen erlebt. Was bleibt bei Ihnen besonders hängen?

MICHAEL HOFMANN: Die Champions-League-Qualifikation gegen Leeds United war mit das Größte. Wir hatten eine super Mannschaft, mit Marco Kurz als Kapitän, Daniel Bierofka und natürlich Icke Häßler. Wir sprechen heute noch oft über dieses Spiel. Auch mein Bundesliga-Debüt gegen Hertha BSC Ende der Saison 97/98: Ich bin als Amateur-Torwart reingerutscht, vorbei an den beiden Profi-Torhütern. Ich habe damals meine ersten drei Bundesligaspiele gewonnen, und wir sind aufgrund dieser neun Punkte noch in der Liga geblieben. Als mich Werner Lorant zum ersten Mal gebracht hatte, waren wir noch auf Platz 17. Der negativste Moment für mich war im Frühjahr 2004, als der Schmiergeldskandal um die Wildmosers bekannt wurde. In der Mannschaft, im ganzen Verein herrschte riesige Unruhe, die uns dann den Klassenerhalt gekostet hat. Das war grob fahrlässig. Wir versuchen heute noch, das wieder gut zumachen.

TORBEN HOFMANN: Ja, das stimmt. Der Abstieg vor sechs Jahren war das Bitterste überhaupt. Das war schlimm, so etwas habe ich nie mehr erlebt in meiner Karriere. Zum Glück nicht. Auf der anderen Seite haben wir viele Derbysiege erlebt. Davon möchte ich keinen einzigen missen. Gegen Augsburg. Oder die Duelle gegen die Bayern in der Bundesliga. Das waren wunderbare Momente, für die ich ewig dankbar bin.

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