Tag der Rettung für die Löwen

Die Deutsche Fußball-Liga stimmt dem Einstieg von Investor Ismaik bei 1860 prinzipiell zu. Es geht nur noch um Formalien. Anfang nächster Woche könnte die Einigung offiziell verkündet werden.
| Filippo Cataldo, Gunnar Jans, Marco Plein
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Daumen hoch: Die Löwen stehen kurz vor der Rettung und einer Kooperation mit Investor Ismaik
Sofianos Wagner Daumen hoch: Die Löwen stehen kurz vor der Rettung und einer Kooperation mit Investor Ismaik

München - Es war 17 Uhr an diesem Freitag, dem 13., als auf dem Blackberry von Robert Schäfer eine Mail der Deutschen Fußball-Liga aufblinkte. Eine Nachricht, die ihn aufatmen ließ, innerlich aufjubeln gar, weil sie für den Geschäftsführer des TSV 1860 bedeutsamer war als jeder erfolgreiche Torschuss von Lauth & Co.

Inhalt der Mail: Der Ligaverband stellt eine prinzipielle Zustimmung des Kooperationsvertrags zwischen 1860 und dem jordanischen Investor Hasan Ismaik, der für 13 Millionen Euro 49 Prozent der Stimmenrechtsanteile übernehmen will, in Aussicht. Und so wird dieser Freitag, der 13., sicher nicht als Unglückstag in die 1860-Historie eingehen. Es ist der Tag der Rettung!

Mit großer Wahrscheinlichkeit ist diese Mitteilung des Ligaverbands der Durchbruch zur langfristigen finanziellen Rettung der Löwen – war doch die Zustimmung der DFL die größte Hürde, die 1860 noch überspringen musste. „Der Klub hat mittlerweile einen überarbeiteten Entwurf des Kooperationsvertrags vorgelegt“, bestätigte ein DFL-Sprecher der AZ und ergänzte: „Eine Lösung, die mit der Satzung des Ligaverbandes vereinbar ist, befindet sich in Sichtweite, auch wenn in einigen Punkte noch Anpassungsbedarf besteht.“ Eine abschließende Prüfung sei zwar „nur möglich, wenn über den Kooperationsvertrag hinaus gehend alle wesentliche Schriftstücke wie beispielsweise Satzungen und Geschäftsordnungen vorliegen. Wir haben 1860 gebeten, diese Unterlagen kurzfristig zur Verfügung zu stellen.“ Das aber sollte kein Problem sein. Aus dem Umfeld der Liga heißt es, dass es Anfang nächster Woche „sehr schnell“ zu offiziellen Zustimmung kommen könne.

Auch Löwen-Präsident Dieter Schneider bestätigte die frohe Kunde aus Frankfurt. „Jawohl, wir haben ein Signal bekommen, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, sagte er der AZ, „uns wurde mitgeteilt, dass die Unterschiede zwischen unseren Vorstellungen und der Satzungskonformität zur Feinjustierung des Kooperationsvertrages immer kleiner werden. Ich bin zuversichtlich, dass wir das hinkriegen.“

Die DFL hat nun bewiesen, dass sie trotz der 50+1-Regel grundsätzlich bereit ist, Investoren in den deutschen Fußball zu lassen – womöglich auch aus Angst vor Klagen gegen die 50+1-Regel, die nach Ansicht vieler Experten nicht mit EU-Recht vereinbar ist. „Ich bin sicher, dass der Verband ein streitiges Verfahren vor einem ordentlichen Gericht scheuen. Denn dort würde der DFL erfahren, dass die Regelung weder verfassungs- noch EU-rechtskonform ist“, sagte der Sportrechtler Thomas Steeger der AZ.

Die DFL hat sich bewegt, nun liegt der Ball bei Ismaik. „Wir sind sehr erfreut, dass wir jetzt erstmals positive Signale von der DFL erhalten“, sagte Ismaik der „SZ“. Nun müsse man abwarten, „um welche Details es in ihrer schriftlichen Einschätzung geht.“

Nach AZ-Informationen verlangt die DFL in ihren Änderungsvorschlägen bei allen wichtigen Entscheidungen über Geschäftsstrategien und Personalien eine Einigkeit der beiden Partner. Der Investor dürfe zwar entscheiden – aber eben nicht gegen den Willen von 1860. Ismaik dagegen soll sich dem Vernehmen nach auch im letzten Entwurf noch die Möglichkeit zur Klage vorbehalten haben, sollte 1860 im Fall der Fälle gegen seinen Willen entscheiden wollen.
Doch Ismaik hat in den letzten Wochen bewiesen, dass er wirklich bei 1860 einsteigen möchte, längst spricht er von „wir“. Schwer vorstellbar, dass er das Geschäft noch platzen lässt. „Sollte die DFL die Kooperation genehmigen, kann alles sehr schnell gehen", sagte er jetzt wieder.

Zumal Ismaik auch eine andere Möglichkeit hätte, seine Einflussmöglichkeiten zu wahren. „Es hindert ihn ja niemand daran, wenn er die Lizenz hat, sich zum Beispiel an die Klage von Martin Kind (Hannovers Präsident, der gerade eine Klage gegen die 50+1-Regel vorbereitet, die Red.) dranzuhängen“, sagte Sportrechtler Steeger.

 

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