Steiner über Ismaik: "Ein Schlag ins Gesicht"

Nach den Attacken des 1860-Investors wehrt sich Aufsichtsrats-Boss Otto Steiner in der AZ gegen die Vorwürfe: „Absolute Frechheit!“  
| Matthias Kerber
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Sorgt bei 1860 für richtig Ärger: Investor Hasan Ismaik.
Rauchensteiner Sorgt bei 1860 für richtig Ärger: Investor Hasan Ismaik.

Nach den Attacken des 1860-Investors wehrt sich Aufsichtsrats-Boss Otto Steiner in der AZ gegen die Vorwürfe: „Absolute Frechheit!“

AZ: Hallo, Herr Steiner, was sagen Sie zu den jüngsten Attacken von Investor Hasan Ismaik? Er hat Sie und die anderen 1860-Funktionäre ja als „Bande“ beschimpft, die es zu „vertreiben“ gelte.

OTTO STEINER: Ich habe das Interview bei München.TV natürlich auch gesehen und kopfschüttelnd vor dem Fernseher gesessen. Bei diesem Gespräch waren so viele Falschaussagen dabei, es wurden so viele Tatsachen verdreht, dass es jetzt ein Ausmaß erreicht hat, wo wir einfach nicht mehr schweigen können.

Was trifft Sie am meisten?

Persönlich trifft es mich, wenn Herr Ismaik von einer „Bande“ spricht, die sich auf Kosten des Vereins bereichern habe. Ich bin seit meiner Kindheit 1860-Fan, der Verein gehört zu meinem Leben und meine Kollegen aus sämtlichen Gremien und ich reißen pro Woche neben dem normalen Beruf mindestens 30 Stunden für den Klub runter – ehrenamtlich. Die einzige Gegenleistung für ein Aufsichtsratsmitglied ist ein Platz auf der Tribüne, sonst nichts. Ismaiks Behauptungen sind eine absolute Frechheit, ein Schlag ins Gesicht für alle Ehrenamtlichen. Den Vereinsverantwortlichen jetzt Schmarotzertum zu unterstellen, ist komplett falsch, unter der Gürtellinie!

Ismaik hat öffentlich zu einer Fanrevolte gegen die Vereinsverantwortlichen aufgerufen.

Er versucht jetzt Stimmung bei Mitgliedern und Fans zu machen. Es ist ein Punkt erreicht, an dem Fakten verdreht werden. Ich appelliere an die Fans, zusammenzustehen, der Willkür nicht Tür und Tor zu öffnen. Denn Herr Ismaik fordert immer wieder Dinge, die nicht DFL konform sind. Er kann nicht einfach alleine über den Geschäftsführerposten entscheiden.

Wird der Vertrag von Robert Schäfer denn gegen Ismaiks Willen verlängert?

Es wird so kommen. Im Beirat herrscht eine Pattsituation, somit kann der Vertrag nicht gekündigt werden. Er verlängert sich automatisch um ein weiteres Jahr. Schäfer macht einen fleißigen, engagierten Job und informiert beide Gesellschafter der KGaA immer sehr gut. Es war in den vergangenen zwei Jahren keine einfache Situation. Er stand als Geschäftsführer zwischen den Stühlen, zwischen zwei Gesellschaftern, die sich nicht immer einig waren. Er hat sich dennoch nie etwas zu Schulden kommen lassen.

Ismaik hat bis zuletzt ja immer wieder die Ablösung von Robert Schäfer gefordert.

Die Forderung nach personellen Konsequenzen kommt ja immer wieder nur von Herrn Ismaik. Beispiel Dieter Schneider: Der Investor forderte immer wieder schriftlich Schneiders Ablösung, erklärte uns, dass er nicht mehr investieren und nichts mehr unterschreiben würde, so lange dieses Präsidium im Amt ist. Auf der Delegiertenversammlung wiederum lässt er einen Brief verlesen, in dem er schreibt, dass er überhaupt keine Probleme mit Schneider gehabt hätte. Und jetzt heißt es auf einmal wieder, mit Schneider könne er sich keine Zusammenarbeit mehr vorstellen. Wo ist da die Linie? Ismaik will eine Führung, die nach seinen Forderungen handelt. Und selbst wenn jetzt alle Vereinsverantwortlichen ausgetauscht würden - alle, die danach kommen würden und nicht so handeln, wie er es gerne hätte, kämen immer wieder in die gleiche Konfliktposition mit dem Investor wie wir jetzt.

Er behauptet, Sie haben sogar vorgeschlagen haben, Schäfer im Jahr 2014 abzusetzen.

Das ist absolut falsch. Es war so, dass Herr Ismaik sofort einen neuen Geschäftsführer wollte und ich ihm den Vorschlag machte, Robert Schäfer noch ein Jahr eine Chance zu geben. Danach könne man alles analysieren. Das wiederum lehnte Ismaik lange ab - bis er unter der Prämisse zustimmte, dass er dann in 2014 ganz alleine über den neuen Geschäftsführer bestimmen dürfe. Da mussten wir ihm erklären, dass das nach DFL-Statuten nicht möglich ist.

Hat Ismaik die 50+1-Regel nicht verstanden?

Ich glaube, dass er bei seinem Einstieg dachte, dass er als Vorsitzender des KGaA-Aufsichtsrates das allerletzte Entscheidungsrecht hat. Aber das ist per deutschem Recht de facto nicht so, steht entsprechend sogar im Kooperationsvertrag geschrieben. Ich denke einfach, er will diese Regel nicht verstehen, weil er dann nicht das letzte Wort hat. Und ich habe ja sogar immer ein gewisses Verständnis für ihn gehabt, immerhin hat er 27 Millionen Euro in den Verein gesteckt. Aber es gibt nun einmal Richtlinien, an die wir uns halten müssen - und er auch.

Sehen Sie noch eine Möglichkeit, dass Verein und Investor wieder zusammenfinden?

Wenn er diese Kampagnen und Beleidigungen und die damit von alleine von ihm inszenierten Personaldebatten in der Öffentlichkeit beendet und wir wieder über Sachthemen sprechen können, sind wir gerne wieder gesprächsbereit. Die Tür ist dann weiter offen. Wir würden bei unseren nächsten Gesprächen dann auch gerne einen Experten der DFL dazu nehmen, der Herrn Ismaik als Unabhängiger nochmal die 50+1-Regel, deren Erfordernisse und Konsequenzen auch für ihn und sein Verhalten näher erläutert. Uns scheint er dies ja seit zwei Jahren nicht zu glauben.

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