Staatsanwalt ermittelt

Kokain-Missbrauch: Der Ex-Löwe hat sich abgesetzt, die Polizei will ihn vernehmen, und 1860 sucht Ersatz. Die wichtigsten Fakten im Fall Göktan.
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„Uns helfen nur noch Siege“: Löwen-Spieler Berkant Göktan
Rauchensteiner/Augenklick „Uns helfen nur noch Siege“: Löwen-Spieler Berkant Göktan

Kokain-Missbrauch: Der Ex-Löwe hat sich abgesetzt, die Polizei will ihn vernehmen, und 1860 sucht Ersatz. Die wichtigsten Fakten im Fall Göktan.

MÜNCHEN Hochbetrieb im Löwen-Stüberl, großer Andrang beim Training, dazu eine kurzfristig einberufene Pressekonferenz: Auch am Tag nach der fristlosen Kündigung Berkant Göktans wegen Kokain-Konsums ging es hoch her bei 1860. Die AZ beantwortet die wichtigsten Fragen.

Warum nahm Göktan das Angebot, den Vertrag ruhen zu lassen, nicht an?

Das 1860-Angebot war an Bedingungen geknüpft, die für Göktan angeblich nicht akzeptabel waren. Er sollte wöchentlich zum Drogentest, hätte auf große Teile seines Gehalts verzichten müssen. Angeblich wollte Göktan aber auch das gesamte Gehalt (30000 Euro monatlich) weiter beziehen.

Warum veranlasste der Verein überhaupt eine Urinprobe?

Göktan war „auffällig“, wie es Manager Stefan Reuter nennt: „Wir haben ihn genau beobachtet. Seine Optik, seine Unpünktlichkeit, seine Unzuverlässigkeit – alles Signale, dass etwas nicht in Ordnung ist.“ Göktan verpasste Termine in der Reha. Reuter: „Er hat zuletzt auch nicht gut ausgeschaut.“ Am vergangenen Mittwoch wurde Göktan die Urinprobe abgenommen, am Donnerstag lag das Ergebnis vor.

Wie reagiert der DFB?

Derzeit wird geprüft, ob es eine persönliche Strafe gegen Göktan geben wird. Kokain wirkt aufputschend, gilt als Doping. Zweitliga-Spiele der Löwen sind von den Ermittlungen nicht betroffen.

Was macht der Staatsanwalt?

„Das Ermittlungsverfahren gegen Göktan ist eingeleitet“, sagte Christian Schmidt-Sommerfeld, Leiter der Münchner Staatsanwaltschaft, „er hat gegen das Betäubungsmittelgesetz verstoßen.“ Strafbar ist nicht die Einnahme von Kokain, sondern der Besitz. Die Polizei ist von der Staatsanwaltschaft beauftragt, Göktan zeitnah zu vernehmen, aber auch 1860-Verantwortliche.

Wie lange ist Göktan für den Spielbetrieb gesperrt?

Laut den Statuten der DFL kann Göktan trotz fristloser Kündigung in der Winter-Transferperiode wechseln – aber nur im „begründeten Ausnahmefall“. International kann Göktan bis zu vier Monate gesperrt werden.

Wo hält sich Göktan nun auf?

Er ist abgetaucht. „Er ist nicht mehr in der Stadt“, sagt Anwalt Lechner: „Am Dienstag hat er München verlassen.“

Hat Göktan noch eine Chance im Profifußball?

Nicht bei 1860. Reuter: „Das Thema Göktan ist für uns erledigt.“ Lechner hofft: „Wenn Berkant in den nächsten Monaten so lebt, dass er fit und mental stark wird, hat er wieder eine Chance.“

Wie krank ist er wirklich?

Göktan sei nicht „drogenkrank“, sagt Lechner: „Er wirkt nicht so, als hätte er eine Drogentherapie nötig. Er macht eine Psychotherapie.“

Wer hilft ihm?

Freundin Verena, dazu sein Anwalt. Lechner: „Ich habe das Gefühl, dass er auf mich hört.“

Klagt der Verein auf Schadenersatz?

Möglich wäre es: wegen Rufschädigung. Chelsea etwa klagt gegen seinen Ex-Spieler Adrian Mutu (AC Florenz), der 2004 mit Kokain erwischt worden war. Es geht um rund 12 Millionen Euro. Göktan-Anwalt Lechner: „Ich saß mit Reuter am Montag in meiner Kanzlei, Forderungen sind keine erhoben worden.“

Holt 1860 nun Ersatz?

Göktan ist sportlich nicht zu ersetzen. „Uns fehlt jetzt natürlich ein sehr guter Spieler“, sagt Reuter, „wir werden nächste Woche schauen, was möglich ist.“ Am Geld soll’s diesmal nicht scheitern. Rund 300000 Euro – Geld, das Göktan bis zum Ende der Saison noch zugestanden hätte – stünden jetzt zur Verfügung.

Wie hat die Mannschaft reagiert?

Jeder einzelne Spieler wurde am trainingsfreien Dienstag telefonisch informiert. Gestern sagte Torben Hoffmann: „Die Sache ist sehr enttäuschend. Man muss sich Gedanken über den Menschen Göktan machen. Schade, dass er aus den Sachen in der Vergangenheit nicht gelernt hat. Für uns bricht Qualität weg, das ist keine Frage.“

T. Klein, O. Griss

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