Sechzigs Sueno-Schwur: Die Aufgaben des TSV 1860 im Trainingslager

Der TSV 1860 schlägt seine Zelte für sechs Tage im türkischen Belek auf, um sich auf den Auftakt der Rest-Rückrunde gegen Wehen und große Ziele vorzubereiten. Was Trainer Köllner dort zu tun hat.
von  Matthias Eicher
Einschwören auf die Restrückrunde. (Archivbild)
Einschwören auf die Restrückrunde. (Archivbild) © sampics / Stefan Matzke

Belek - Merhaba, Löwen: Der Tross des TSV 1860 ist gestern um 13 Uhr nach Belek aufgebrochen, um sechs Tage lang an der türkischen Riviera zu schwitzen - für ein großes Ziel.

Wellnessbereich und Friseursalon - den Löwen fehlt es an nichts

Das Grußwort "merhaba" hat seinen Ursprung in zwei Sprachen: Im Arabischen bedeutet es "willkommen" - willkommen Sechzig im 5-Sterne-Resort "Sueno Deluxe", inklusive Wellnessbereich fürs Löwen-Bad nach der schweißtreibenden Trainingseinheit, einen kleinen Friseursalon für die Mähne und einen verleitenden Nachtclub - wohl besser nur für die mitreisenden Fans.

Im Persischen heißt die Grußformel dagegen soviel wie: "Von mir geht keine Gefahr aus". Genau das wollen die Sechzger nun in der Türkei ändern. Trainer Michael Köllner, Kapitän Stefan Lex und Co. haben alle Hände voll zu tun, um sich auf einen Dreier am 15. Januar gegen den SV Wehen Wiesbaden (14 Uhr) vorzubereiten.

Mölders-Emanzipation vorantreiben

"Da wollen wir gut starten", meinte Köllner über den Auftakt in die Rest-Rückrunde. Die AZ zeigt, wie die Löwen in zehn Trainingseinheiten und dem Freitags-Test gegen Hansa Rostock (12.30 Uhr) ihre Krallen schärfen wollen.

Die Mölders-Emanzipation vorantreiben: Die beiden Speerspitzen Lex und Marcel Bär hatten gegen den BVB II (2:0) und Würzburg (3:0) geliefert und das Aus von Torjäger Sascha Mölders bestens kompensiert. Doch gelingt das den Stürmern, bisher nicht als Knipser bekannt, auch konstant über Monate?

Nach Mölders-Ära: Neuen Spielstil finden

Geht das gegen tiefstehende Gegner, die sich nicht aus ihrem Bollwerk locken lassen? Köllner muss die Torgefahr auf mehrere Schultern verteilen: Neben Bär und Lex dürfen sich Merveille Biankadi, Richy Neudecker und Tim Linsbichler angesprochen fühlen.

Neuen Spielstil finden: Mit Mölders hatte der TSV zumeist offensiv-durchschlagskräftig gespielt - zumindest, solange der aussortierte Torjäger noch funktioniert hatte. Zuletzt ließ Köllner im 3-1-4-2 vorsichtiger agieren, die Offensive auf schnelles Konterspiel ausgerichtet. "Wir gehen es defensiver an", sagte Abwehrchef Stephan Salger kürzlich im AZ-Interview. Hier gilt es für Köllner, die Balance zu finden.

Kevin Goden ist in Quarantäne statt auf dem Platz

Comebacker eingliedern - oder auch nicht: Junglöwe Niklas Lang (19) ist zur Freude von Köllner, der auch Junglöwe Leandro Morgalla (17) testet, wieder fit und dürfte sich mit Semi Belkahia um den Platz neben Salger duellieren. Bitter: Neben Abräumer Daniel Wein (Fußverletzung) fehlt auch Kevin Goden: Der Neuzugang muss einmal mehr in Corona-Quarantäne, anstatt sich nach mehreren Rückschlägen endlich integrieren zu können. Das Comeback von Wein dürfte sich damit ebenfalls um Wochen nach hinten verschieben.

Winter-Transfers tätigen? Kann 1860 Mölders' Wegfall tatsächlich teamintern kompensieren? Oder sollte Sport-Boss Günther Gorenzel doch noch einen echten Stoßstürmer holen? Klar ist: Sechzig hat trotz der Vertragsauflösung mit dem 36-Jährigen kaum Kohle übrig. Philipp Hosiner (Dresden) oder Valmir Sulejmani (Hannover) werden gehandelt, sind aber nach AZ-Infos kein aktuelles Thema. Nicht, weil die Giesinger keinen Goalgetter gebrauchen könnten: Eher, weil Gorenzel kaum Handlungsspielraum hat und sich keinen Angreifer leisten kann, der 1860 sofort weiterhelfen kann.

Den Geist von Belek beschwören: Wer Köllner kennt, der weiß: Der Nürnberger Aufstiegstrainer lässt sich gerne was einfallen, wie er sein Team im Trainingslager mit dem Aufstiegsglauben beseelt. Der 52-Jährige dürfte sich auch fürs Teambuilding am Mittwoch etwas ausgedacht haben, um die sieben Punkte Rückstand auf die Plätze zwei und drei in den kommenden Monaten zu dezimieren - und im dritten Anlauf doch noch den Wunsch aller Löwen von der Zweiten Liga zu erfüllen. Und damit wären wir wieder beim Hotel der Blauen: Der spanische Name "Sueno" der Hotelgruppe, zu deutsch "Traum", könnte ja kaum besser passen für so einen Sechzger-Schwur.