Schwarzer, die Blauen und die Millionen

Am Sonntag kommt der 1860-Großinvestor Nicolai Schwarzer aus Berlin. Wieso die Löwen von ihm abhängig sind.
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Nicolai Schwarzer versteht 1860-Präsident Dieter Schneider nicht.
ho Nicolai Schwarzer versteht 1860-Präsident Dieter Schneider nicht.

MÜNCHEN - Am Sonntag kommt der 1860-Großinvestor Nicolai Schwarzer aus Berlin. Wieso die Löwen von ihm abhängig sind.

Allzu optimistisch wird 1860-Geschäftsführer Robert Schäfer nicht ins Wochenende gehen können. Einige Spieler sind sich noch nicht sicher, ob sie die zehnprozentige Lohnkürzung einfach hinnehmen werden; auch bei den Angestellten regt sich Widerstand gegen Schäfers Sparmaßnahme. Wie die AZ erfuhr, möchte der Betriebsrat seine Zustimmung zum Lohnverzicht von einer zeitlichen Beschränkung von einem Jahr abhängig machen.

Auch die erwarteten Zuschauerzahlen für das Duell gegen Hertha BSC am Sonntag (13.30 Uhr, Liveticker auf abendzeitung.de) geben keinen Anlass für Freudensprünge. Erwartet werden maximal 25000 Zuschauer. „Die Erwartungen und Budgetplanungen haben sich bisher bei weitem nicht erfüllt“, schreibt Präsident Rainer Beeck im Vorwort der Stadionzeitschrift. Zumal der Präsident angesichts der verworrenen Finanzsituation selber gar keinen Überblick schaffen möchte. Letzten Samstag behauptete Beeck allen Ernstes, gar nicht zu wissen, welche Personen wie viel Geld in die 1860-Vermarktungstochter LSV gesteckt hätten. Er kenne zwar die Personen und auch die investierten Einzelsummen, könnte sie aber nicht den Investoren zuordnen.

Am Sonntag wird Beeck jedenfalls dem größten Einzel-Gläubiger und somit auch größten Förderer des TSV 1860 die Hand schütteln. Denn mit der Hertha wird auch der Mann nach München kommen, dessen Geld den Löwen zuletzt immer wieder das Überleben sicherte.

Nicolai Schwarzer, jener Geschäftsmann aus Berlin, der im Januar 2009 als Großinvestor einsteigen wollte bei 1860, hat sich angekündigt.

Das Investoren-Modell, bei dem Schwarzer mittelfristig auch Anteile an der KGaA übernehmen wollte, scheiterte damals – vor allem am Widerstand aus den eigenen Reihen. Schwarzers Geld haben sie beim TSV 1860 aber trotzdem gerne genommen.

Insgesamt drei Mal überwies der Immobilienunternehmer Geld nach München: Zunächst 300000 Euro, mit denen am letzten Tag der Wintertransferperiode 2009 die Leihgeschäfte mit Antonio Rukavina und Nikola Gulan (jetzt wieder beim AC Florenz) finanziert wurden. Als die Löwen Ende 2009 die LSV gründeten, über die Investoren am Weiterverkauf der Spieler partizipieren können, war Schwarzer vom Konzept überzeugt – und mit einer siebenstelligen Summe dabei. Und als die Sechzger nun Ende Oktober haarscharf an der Insolvenz vorbeischrammten, kam wieder ein sechsstelliger Betrag aus Berlin. Und das sicher nicht nur aus Sympathie: Schwarzer ist Geschäftsmann, mit dem Geld wollte er wohl auch seine bisherige Einlage sichern.

Insgesamt dürfte die Schwarzer-Investition so an der Zwei-Millionen-Marke kratzen, teilweise gesichert durch Spieler- und Transferwerte. Klar ist: Zieht Schwarzer, dessen Investment im 1860-Umfeld nicht nur am Anfang teils sehr kritisch gesehen wurde, sein Geld heraus, wären die Löwen finanziell am Ende. Und zwar sofort. Zwar waren die Signale aus Berlin bisher stets positiv, Schwarzer scheint bemerkenswert überzeugt von 1860 und seiner Investition sein. Doch die Möglichkeit zum Rückzug hätte er. Der Berliner, der gegenüber der AZ zu einer Stellungnahme zu seinem Besuch nicht bereit war, hat sich eine entsprechende Klausel in die Verträge schreiben lassen. Der Retter aus Berlin könnte somit die Reißleine ziehen. Für die Löwen eine Schreckensvision, die es zu verhindern gilt.

Und so wird Schwarzer am Sonntag wohl ziemlich hofiert werden von den Bossen, ehe er wahrscheinlich einen Blick in die Bilanzen werfen wird. Zumal der Berliner leicht verstimmt nach München reisen könnte: Schäfer spricht zwar immer wieder davon, dass eine seiner wichtigsten Aufgaben sei, bei Partnern und Gläubigern Vertrauen zu schaffen, doch dauerte es nach Schäfers Amtsantritt nach AZ-Informationen fast eine Woche, bis er sich telefonisch beim wichtigsten Investor vorstellte.

Filippo Cataldo

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