Schneider: "Endlich wieder ein Familienleben"

Löwen-Präsident Schneider wehrt sich dagegen, ein Blockierer gewesen zu sein – und verrät, wie viel Geld er in den Klub gesteckt hat. Das AZ-Interview
| Interview: Filippo Cataldo, Dominik Hechler
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Dieter Schneider mit den AZ-Reportern Filippo Cataldo (links) und Dominik Hechler (rechts).
Daniel von Loeper Dieter Schneider mit den AZ-Reportern Filippo Cataldo (links) und Dominik Hechler (rechts).

Löwen-Präsident Schneider wehrt sich dagegen, ein Blockierer gewesen zu sein – und verrät, wie viel Geld er in den Klub gesteckt hat. Das AZ-Interview

AZ: Herr Schneider, Ihre Amtszeit als Präsident ist bald vorbei. Was sagt Ihre Frau eigentlich zu Ihrem Rückzug?

DIETER SCHNEIDER: Die hofft, dass ich jetzt wieder etwas runterfahre und unser Familienleben endlich wieder ein richtiges Familienleben ist.

Wie möchten Sie bei den Fans in Erinnerung bleiben?

Ich habe da gemischte Gefühle. Auf der einen Seite redet man mir immer ein, dass ich erleichtert sein sollte, weil ich jetzt die Aussicht auf ein normales Leben habe. Auf der anderen Seite bin ich ein Freund von Kontinuität. Wenn es jetzt gelingen sollte, den Verein weiter kontinuierlich auf sportlich und betriebswirtschaftlich gesunde Beine zu stellen, möchte ich gerne in diesem Zusammenhang als derjenige genannt werden, der das Ganze begonnen hat.

Wieso ist es nach rund zwei Jahren zum Bruch gekommen?

Wir haben gemeinsam mit dem Präsidium und dem Aufsichtsrat alles versucht – zum Teil erfolgreich – um den Verein und vor allem die ausgegliederte Profiabteilung aus einer völlig desolaten finanziellen Situation herauszuholen. Wenn Sie das zwei Jahre lang gemacht haben, mit allen Diskussionen, die dabei entstehen, und dann plötzlich merken, dass der Aufsichtsrat über Alternativen nachdenkt, dann muss man die Tatsache akzeptieren, dass es keine Basis mehr gibt. Es fehlte Vertrauen. Aber dieses gegenseitige Urvertrauen ist nötig, um weiter an der Zukunft des Vereins zu arbeiten.

Seit dem Rücktritt von Karl-Heinz Wildmoser gab es oft Umbrüche, aber keinen richtigen Neuanfang, viele der handelnden Personen in den Gremien sind schon sehr lange dabei und scheinen gewisse Machtinteressen zu verfolgen. Sind Sie auch daran gescheitert?

Es gibt ein grundsätzliches Problem – und das gilt für alle Vereine bis runter in die Bezirksliga. Das entsteht dann, wenn es heiß wird und brennt und tatkräftige Leute gefragt sind, die den Karren aus dem Dreck ziehen. Und in dem Moment, in dem es so aussieht, als wäre wieder Licht am Ende des Tunnels, kommen viele, die meinen zu wissen, wie es von da aus weitergeht. Aber ich will keine schmutzige Wäsche waschen.

Es fällt auf, dass all die Personen, die den Klub an den Rand der Insolvenz gebracht und ihre Kontrollfunktion offensichtlich nicht richtig wahrgenommen haben, noch da sind. Und aus deren Reihen kommt jetzt auch Ihr Nachfolgekandidat.

Natürlich kann man das so interpretieren. Aber die gleichen Leute haben auch laut Satzung die Kompetenz, sich ihre Führungskräfte auszusuchen. Der Präsident ist hier nicht der starke Mann, der allen sagt, wo es lang geht.

Aber als Verlierer standen immer Sie da.

Ist doch logisch. Es ist die eine Geschichte, sich im stillen Kämmerlein stark zu reden, und die andere, es dann auch nach außen zu vertreten und wenn nötig, einen machbaren Kompromiss zu finden. Dabei können sie schon mal von beiden Seiten – dem Investor und dem Verein – kritisiert werden. Mir sind den Investor betreffend zwei Dinge wichtig: Erstens war es nie so, dass da einer gesessen und nur darauf gewartet hat, die Millionen nur so auf den Tisch zu schütten und sie uns vor allem zu schenken. Zweitens ist der Anfang vergangenen Jahres beschlossene Drei-Jahres-Plan ein finanzieller und kein sportlicher gewesen. Es geht hierbei um betriebswirtschaftliche Dinge und nicht darum, dass wir halt nächstes Jahr aufsteigen, wenn es jetzt nicht klappt. Und dieser Plan wurde von Hasan Ismaik abgesegnet und umgesetzt. Es gab zu keinem Zeitpunkt ein zusätzliches Millionenangebot des Investors. Und schon gar nicht haben wir dieses angeblich offensive Vorhaben blockiert. Das ist wirklich ein Märchen.

Glauben Sie denn, dass der Investor überhaupt mehr Geld investieren möchte?

Ich will da nicht spekulieren. Allerdings wünsche ich der neuen Führung ein glückliches Händchen. Wir werden ja sehen, ob ich – aus welchen Gründen auch immer – tatsächlich weitere Millionenzahlungen verhindert habe.

Gibt es im Rückblick Dinge, die Sie in Bezug auf Ismaik anders lösen würden?

Natürlich beleuchtet man selbstkritisch, was man selbst hätte tun können. So richtig komme ich aber nicht drauf.

Ismaik ist ja immer noch der Meinung, dass sich der Präsident mehr um die Belange des Vereins und weniger um die ausgegliederte Profiabteilung kümmern sollte. Glauben Sie, dass Ihr Nachfolger das mitmachen wird?
Als Gesellschaftervertreter kann man sich ja nicht aus der Verantwortung stehlen. Wenn rundherum allerdings alles läuft, bin ich auch der Meinung, dass sich der Präsident aus dem Tagesgeschäft heraushalten sollte. Und dass die Belange des Gesamtvereins nach außen hin in der Vergangenheit zu kurz gekommen sind, ist auch klar. Aber wir haben intern sehr viele Themen angestoßen, an denen wir auch arbeiten. Wolfgang Hauner (der Schatzmeister, die Red.) macht das federführend und ist deswegen aus meiner Sicht auch in einem zukünftigen Präsidium unverzichtbar. Und auch Franz Maget hat sich mit größtem Einsatz engagiert.

Sie haben gesagt, dass man Ihnen einzureden versucht, dass Sie erleichtert sein sollten. Was sind Sie denn?

Natürlich ist viel Wehmut dabei. Nicht, weil man jetzt diesen statusträchtigen Posten nicht mehr hat. Das habe ich nie gebraucht. Weder aus persönlichen Motiven, noch aus Mediengeilheit oder finanziellen Gründen. Ich habe sehr viel Geld in den Verein gesteckt – gut eine Million Euro sind da inklusive Sponsoring bestimmt zusammengekommen. Wehmut vor allem deshalb, weil ich mal angetreten bin, um hier für die Zukunft gute Dinge zu gestalten.

Behalten Sie Ihre Business-Seats in der Allianz Arena?

Ich bin Löwen-Fan! Und wenn 1860 zu Hause spielt, ist da mein Platz. Das sind ja auch gute Plätze, die gutes Geld kosten. Ich habe zur Zeit mit meinem Präsidentensitz 21 Plätze da oben, künftig sind es eben nur noch 20 – alle bezahlt wohlbemerkt.

Waren all Ihre Investitionen in den TSV 1860 auch einmal Thema zu Hause?

Nein, überhaupt nicht. Solange es bei uns noch Schnitzel und nicht nur Kartoffelsuppe gibt und meine Familie nicht drunter zu leiden hat, ist alles in Ordnung. Das ist mein großes Glück, dass meine Frau und meine Kinder in dieser Zeit immer zu mir standen. Das war vom Allerfeinsten. Da muss ich unendlich dankbar sein, sonst wäre das alles ja auch gar nicht gegangen.

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