Schneider: Der einsame Präsident

Dieter Schneider steht bei den Löwen vor dem Aus. Bis zum Schluss soll er sich gegen Eriksson gewehrt haben. Nun schießen neben Investor Ismaik sogar Klub-Kollegen gegen ihn: „Nicht mehr tragbar”
| Filippo Cataldo
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Präsident Dieter Schneider im Trainingslager in Belek.
sampics/Augenklick Präsident Dieter Schneider im Trainingslager in Belek.

BELEK Eigentlich wollte Dieter Schneider der Mannschaft Hallo sagen. Doch nun sitzt der Löwen-Präsident schon seit mehr als 90 Minuten an einem Tisch im Schatten der Trainingsanlage Maxx Royal. Er ist umringt von Reportern, im Lauf des Gesprächs haben sich auch etliche Fans dazugestellt und diskutieren munter mit. Sven-Göran Eriksson ist das große Thema. Natürlich.


Der Aufsichtsrat und das Präsidium mögen sich zwar in der Marathon-Nachtsitzung dafür ausgesprochen, dass Alexander Schmidt der Schwede zur Seite gestellt werden solle, doch verpflichtet ist der 64-Jährige noch lange nicht. „Ich will nichts heraufbeschwören, aber es kann sich doch auch herausstellen, dass Herr Eriksson sagt, dass er auch andere Angebote hätte”, sagt Schneider. Überhaupt müsse man noch offene Fragen klären. Etwa, ob Eriksson überhaupt mit Schmidt zusammenarbeiten will.


Der Präsident wählt seine Worte mit Bedacht, doch irgendwann sagt er: „Auch ein Welttrainer schießt keine Tore.” Dies solle man aber bitteschön nicht überbewerten.


Restlos überzeugt scheint Schneider nicht vom Ergebnis und Verlauf der Sitzung. „Wenn ein traditionsbehafteter Verein ohne Geld auf einen Investor ohne große Tradition im Fußball aber mit Geld zusammentrifft, dann ist es doch klar, dass die Partnerschaft auf Geben und Nehmen basieren muss”, sagt er.


Ebenso diplomatisch seine Antwort auf die Frage, ob er sich noch glücklich fühle bei 1860. „Glücklich bin ich mit meiner Frau”, sagt er. „Bei einem Fußballverein geht es nicht um Glück, sondern um Arbeit und Erfolg.” Dann fragt er in die Runde: „Wieso, sehe ich so aus, als ob es mir keinen Spaß mehr machen würde?” Es soll eine rhetorische Frage sein, doch sie zündet nicht. Denn Schneider wirkt ehrlich gesagt alles andere als glücklich und zufrieden.


Er hat viel schlucken müssen in den letzten Wochen. Ismaik bezichtigte ihn mehrmals der Lüge und forderte seinen Rücktritt, auch bei den Fans ist er umstritten.
Nun scheint es so, als ob es auch innerhalb der Vereins-Gremien langsam einsam um Schneider werden würde – und die Verantwortlichen zerstrittener sind als je zuvor.
Unter den Funktionären scheint sich eine breite Front gegen den Präsidenten gebildet zu haben, die munter gegen ihn intrigiert.


Die Aufsichtsratssitzung am Montag hätte nach ein, zwei Stunden vorbei sein können, wenn Schneider und sein Vize Franz Maget nicht heftigst opponiert hätten. Erst als die Räte gedroht hätten, dem Vorschlag eben einseitig zuzustimmen und die Ablehnung Schneiders und seiner Stellvertreter zu veröffentlichen, hätte sich das Präsidium zur Zustimmung durchgerungen.
Das hört die AZ immer wieder aus dem Umfeld der Entscheidungsträger. Öffentlich äußern will sich niemand, doch es fallen auch Worte wie „nicht mehr tragbar” und „von persönlicher Eitelkeit getrieben”.


Kaum ist Eriksson durch, so scheint es, eröffnet der Intrigantenstadl 1860 wieder seine Pforten – und die Gegner bringen sich in Stellung.


Schneider will zu den Vorwürfen keine Stellung nehmen, doch natürlich weiß auch er, woher der Wind weht. Im März, spätestens im April, wird das Präsidium neu gewählt. Und zwar direkt von der Basis. Schneider würde noch einmal antreten – wenn „dies vom Aufsichtsrat so gewünscht wird”, sagt er. „Nach jetzigem Stand sieht es so aus, als ob es so wäre”, dies habe ihm auch Aufsichtsratschef Otto Steiner so bestätigt. Doch auch Schneider weiß, dass durch solche Indiskretionen seine Popularitätswerte in den Keller sinken könnten – und Ismaik am Ende ironischerweise auch in diesem Punkt doch noch seinen Willen durchsetzen könnte.

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