Schicksalstage für 1860 - "Wir sind der Jäger"

Torsten Fröhling äußert sich erstmals zu seiner Vertragssituation. Es wird klar: Das Schicksal des TSV 1860 und sein eigenes sind eng miteinander verknüpft.
| Marc Merten
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Emotional im Abstiegskampf: Torsten Fröhling und seine Löwen.
Rauchensteiner Emotional im Abstiegskampf: Torsten Fröhling und seine Löwen.

München - Was für eine verrückte Fügung des Schicksals: Am Sonntag, den 17. Mai 2015, feiert der TSV 1860 seinen 155. Geburtstag. 155 Jahre, oder umgerechnet - ja, genau - 1860 Monate. Und dann kommt auch noch der 1. FC Nürnberg zum bayrisch-fränkischen Derby. Als hätte der Fußballgott alle Uhren auf diesen Tag eingestellt. Auf den Tag, an dem es für das Geburtstagskind um die Frage gehen wird: ein neues Jahr Zweite Liga oder die Beerdigung eines Traumes. Rettung oder Abstieg. Jubel oder Trauer. Hoffnung oder Tiefpunkt einer verheerenden Saison.

Torsten Fröhling denkt seit Tagen nur noch an dieses Spiel. An diese 90 Minuten. Abstiegskampf pur. Das erste Endspiel. Gewinnt der TSV, könnte die Rettung für 1860 wieder in greifbare Nähe rücken. Geht das Derby aber verloren... „Das Spiel ist entscheidend. Das sind die Punkte, die wir brauchen“, sagt Fröhling, wohlwissend, was auf dem Spiel steht. „Es kann auch nach hinten losgehen.“

Gewinnen die vor Sechzig platzierten Teams bei einer gleichzeitigen Pleite der Löwen gegen den Club, ist 1860 abgestiegen. Unwiderruflich. Deswegen werden die Zwischenstände der anderen Partien am Sonntag wohl nicht eingeblendet werden. „Am besten sind die Anderen im Angriff und wir schauen hoch zur Anzeigetafel“, erklärt Fröhling die Maßnahme mit einem gequälten Lächeln. Nein, nichts soll seine Spieler von der einen und entscheidenden Mission ablenken: gewinnen. „Wir müssen punkten“, stellt der 48-Jährige klar. „Wir sind der Jäger.“

Unterstützt wird der Jäger von einer lange nicht mehr da gewesenen Kulisse. Über 60 000 Zuschauer werden die Allianz Arena füllen. Seine Spieler sollen „den Zuspruch der Fans aufsaugen“, fordert er, keine Angst haben vor möglichen Pfiffen. „Um jemanden fertig zu machen, reicht eine Person aus.“ Ob es dann 20- oder 60 000 seien, spiele keine Rolle. Abgesehen davon: „Die Fans wissen ja auch, worum es geht.“

Es geht ums Überleben des Klubs. Um die Zukunft eines 155 Jahre alten Vereins. Ein Verein, der Fröhling ans Herz gewachsen ist und für den er auch über den Sommer hinaus Cheftrainer bleiben will. Fröhling kämpft nicht nur für die Zukunft von 1860, sondern auch um seine eigene. Die nackten Zahlen sprechen für ihn. 15 Punkte hat er aus elf Spielen geholt. An ihm liegt es nicht, dass der TSV noch immer unten drin steht. „Rein theoretisch wären wir im Soll. Dass jetzt alle mitgewinnen, ist ärgerlich. Aber wir haben uns diese Situation über die ganze Saison eingebrockt.“ Was nichts anderes heißt: Fröhling hat sich selbst wenig vorzuwerfen. Die Schuld an der vertrackten Situation haben seine Vorgänger: Moniz, von Ahlen. Auch, wenn er das nie so sagen würde.

„Nein“, es gäbe bislang keine Gespräche mit dem Verein. Aber Fröhling lässt durchblicken, dass er auf eine Entscheidung pro Kontinuität hofft: „Ich selbst versuche einfach nur meinen Job zu machen. Aber für den Verein, die Spieler, die Zukunft wäre es sicher ganz gut.“ Die Reaktionen, die er aus dem Verein bekomme, seien jedenfalls vielversprechend. „Ich merke die positive Energie. Es spüre keine Gegenströmungen.“ Da hat es beim TSV auch schon andere Zeiten gegeben. Nicht nur in diesem Monat. Auch in den 1859 Monaten zuvor.

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