Relegationrückspiel gegen Regensburg: TSV 1860 München vor Entscheidung

Die Saison der Löwen gipfelt im Rückspiel gegen Regensburg. "Gebt alles für unseren Verein", fordert Präsident Cassalette von Team und Fans. Was alles wichtig wird: Die AZ mit den Fragen und Antworten.
| Matthias Eicher
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Über 60.000 Fans werden in der Arena erwartet – mehr als 2015 gegen Kiel. "Das ist überragend", sagt Pereira.
sampics/Augenklick Über 60.000 Fans werden in der Arena erwartet – mehr als 2015 gegen Kiel. "Das ist überragend", sagt Pereira.

München - Riesengroße Euphorie. Sanfte Aufstiegsträume. Zerstörte Ambitionen. Und doch wieder dieser nervenaufreibende Überlebenskampf. So lief die Saison des TSV 1860. Pleiten, Pech und Pannen in weiß-blau. Nun gipfeln die schweißtreibende Arbeit des Giesinger Traditionsklubs seit über zehn Monaten, Ängste und Hoffnungen der Vereinsbosse, Spieler und Anhänger – nun gipfelt alles in einem einzigen Duell.

Nach dem 1:1 im Hinspiel treffen die Löwen am Dienstag (18 Uhr, ARD) in der Allianz Arena auf den SSV Jahn Regensburg. Es geht für die Sechzger zum dritten Mal in drei Jahren um die nackte Existenz. Der Showdown im Rückspiel der Relegation! Wie 2015 gegen Holstein Kiel, als man quasi abgestiegen war und doch noch eine irre Last-Minute-Nichtabstiegsparty feiern durfte. "Was für eine emotionale Saison – welch Dramatik auch in diesem Jahr. Und es ist noch nicht zu Ende", erklärt Präsident Peter Cassalette im Vorwort des Stadionmagazins. "Natürlich hätten wir uns alle gewünscht, dass diese Spielzeit anders verläuft. Doch es ist wie es ist: Wir stellen uns der Herausforderung Relegation gegen Regensburg." Sein emotionaler Appell an die Mannschaft: "Gebt alles für unseren geliebten Verein und seine Anhänger!"

Wettberg und die Angst vor dem Fünffach-Abstieg

Andernfalls droht der "Ober-Gau" (Cassalette), ein Desaster epischen Außmaßes (Ian Ayre) und eine ungewisse Zukunft. "Der Abstieg wäre eine einzige Katastrophe", erklärt Karsten Wettberg der AZ, "dann würden wir völlig in der Versenkung verschwinden!" Der "König von Giesing" erinnert daran, dass die U16, U17 und U19 bereits absteigen. Sollten die Profis folgen, müsste auch die U21 eine Spielklasse tiefer (als Vizemeister!) – das Horror-Szenario hieße fünffacher Niedergang. Den will, den muss Trainer Vitor Pereira verhindern. Und knüpft sein Schicksal daran. "Ich hoffe, dass ich dann noch lebendig bin, mit den Fans den Klassenerhalt feiern und die nächste Saison planen kann", sagte der Coach vor dem Abstiegsfinale gegen den Jahn. Die AZ mit den wichtigsten Fragen und Antworten vor Sechzigs Spiel der Spiele, für das gilt: Heute sind wir alle blau!

Wie ist die Ausgangslage? Regensburg war im Hinspiel besser, ging durch Marc Lais in Führung und hätte einen Sieg verdient gehabt. Florian Neuhaus‘ Ausgleich, der verschossene Strafstoß von Ex-Löwe Andreas Geipl und die schwache Chancenverwertung des Jahn sorgten dafür, dass Sechzig nicht schon mausetot ist. Nach dem "glücklichen" Remis (Cassalette) habe man eine "gute Ausgangsposition". Pereira wusste ebenfalls, dass man "kein schlechtes Ergebnis" erzielt habe. Schon ein 0:0 würde zum Klassenerhalt reichen. Doch, so der Portugiese: "Wenn wir so denken, wird es sehr schwer. Wir dürfen es nicht nur über die Bühne bringen wollen, aber auch nicht verrückt und überdreht ins Spiel gehen."

Dennoch wolle er auf Sieg spielen: "Wir wollen gewinnen – ich habe noch nie in meiner Karriere auf Unentschieden gespielt." Wer kann auflaufen? Die medizinische Abteilung hat alles versucht, doch es half alles nichts: Junglöwe Felix Uduokhai (19) ist nach muskulären Problemen im Oberschenkel nicht rechtzeitig fit geworden. "Wir mussten in der Fünferkette oft Änderungen vornehmen, auch jetzt", so Pereira, der wohl Relegationsretter Kai Bülow als Ersatz bringen dürfte, "das ist unglücklich, aber wir haben andere Spieler, die einspringen können. Es ist nicht so, dass wir nun große Defizite hätten." Der 48-Jährige muss aber auch das gesperrte Duo Marin Pongracic und Romuald Lacazette ersetzen. Für Letzteren könnte Hinspiel-Torschütze Neuhaus auflaufen: "Er ist ein guter Spieler mit großem Potenzial." Der Youngster (20) sei "bereit, uns zu helfen."

"Die Mannschaft muss laufen und aggressiv sein"

Was muss die Mannschaft verbessern? Alles, dürfte der grantige Sechzger-Fan sagen. Und hätte nicht Unrecht: Der Auftritt in der Continental-Arena ließ in jeglicher Hinsicht zu wünschen übrig. Pereira erklärt daher, dass die mentale Verfassung eine große Rolle spiele: "Die Einstellung ist sehr wichtig, der Druck ist in dieser Phase sehr groß." Er könne nachvollziehen, dass dieser "die Spieler lähmen kann" und versuche daher, "Ruhe zu vermitteln". Seine Ansage: "Wichtig ist, selbst wenn es nicht läuft: Die Mannschaft muss laufen und aggressiv sein. Das haben wir im Hinspiel nicht gesehen, obwohl wir es die ganze Woche thematisiert hatten. Nach dem frühen Gegentor haben wir 45 Minuten gebraucht, bis wir uns davon erholt hatten." Pereira wiederholte vier Mal, als wolle er seine Akteure beschwören: "Laufen, laufen, laufen, laufen!"

Was können die Fans beitragen? Nach Klubangaben werden über 60.000 Zuschauer erwartet – eine ähnliche Riesen-Kulisse wie vor zwei Jahren im letzten Heimspiel der regulären Saison gegen den 1. FC Nürnberg (68.500) und mehr noch als gegen Kiel (57.000). Die Scharen auf den Rängen können erneut jede Menge beitragen, so Pereira: "Ich habe in meiner Karriere schon gegen etwa 60.000 Zuschauer gespielt, auch mit 60.000 für uns. Aber das ist hier eine komplett andere Nummer", weiß der Portugiese: "Wenn ein Verein gegen den Abstieg kämpft und so viele Fans mobilisieren kann, ist das überragend." Investor Hasan Ismaik ergänzte per Facebook-Nachricht: "Den Fans wünsche ich einen großen Sieg. Ihr habt es verdient, denn ihr seid das Beste, was dieser Verein besitzt."

Was sagt der Gegner? Trainer Heiko Herrlich gibt sich kämpferisch: "Es ist noch alles möglich. Ich bin mir sicher, dass sich auch Räume für uns ergeben." Jahn-Abwehrspieler Marvin Knoll sagt: "Das wird hoffentlich ein geiler Krimi für uns." Ein Wunsch, den Pereira, Cassalette, Ismaik, Wettberg und alle Blauen nicht teilen.

1860 vor Schicksalsspiel angespannt - Jahn ohne Furcht

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