Reisinger warnt vor 50+1-Wegfall: Für 1860 ein Wettbewerbsnachteil

Robert Reisinger befürchtet einen Wettbewerbsnachteil, falls die umstrittene 50+1-Regelung fallen sollte. "Wenn bei 1860 einer kommt, muss er erstmal diese 40 Millionen Schulden auffangen", sagt der Löwen-Boss.
| Matthias Eicher
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Der Löwen-Präsident spricht bei einem Auftritt im Fernsehen über das Verhältnis zum Investor und den Konsolidierungskurs. "Mit neuen Darlehen hilft uns Ismaik nicht, das muss er endlich mal verstehen".

München - Quo vadis, Löwen? Rauf in die 2. Liga und doch wieder irgendwann in die Bundesliga, wo der stolze Traditionsklub in den Augen vieler Fans hingehört? Oder runter in den Amateurfußball?

Nach sechs Spieltagen heißt die mehr traurige denn triumphale Realität: fünf Punkte aus sechs Spielen, Rang 18 – Drittletzter. Und wie soll es – in wirtschaftlicher Hinsicht – weitergehen?

Reisinger: 50+1-Wegfall wäre Wettbewerbsnachteil für 1860

Darüber scheiden sich beim TSV 1860 nicht nur in den Fan-Lagern die Geister. Auch bei den Bossen. "Ich kann nur an die Vereinsspitze appellieren, dass endlich ein Umdenken beim TSV 1860 stattfinden muss. Profifußball kostet Geld", erklärte Investor Hasan Ismaik per Facebook, nachdem er die Kluboberen zuvor im AZ-Interview angegriffen und zum Rücktritt aufgefordert hatte: "Ich bin nach wie vor bereit, zu helfen."

Am Montagabend legte der öffentlich zumeist schweigsame 1860-Präsident Robert Reisinger seine Sicht der Dinge dar. "Der Konsolidierungskurs ist zwingend für die Gesellschaft. Er ist keine Erfindung von mir, sondern er entstand daraus, dass wir abgestiegen sind. Wir hatten Blindflug und wussten nicht, wo die Firma überhaupt steht und ob es überhaupt weitergeht", erklärte Reisinger am Montagabend im Bayerischen Rundfunk.

Erstmals in seiner Amtszeit hatte der Oberlöwe die Einladung eines TV-Senders nicht ausgeschlagen und stellte sich bei "Blickpunkt Sport" den Fragen von Moderator Markus Othmer. Reisinger wirkte aufgeregt, doch er parierte einige Fragen geschickt. Etwa seine Einschätzung über lautstarke Kritiker: "Es gibt ein Lied von Konstantin Wecker: Es sind nicht immer die Lauten, die stark sind, nur weil sie lautstark sind." Reisingers Kernaussage: "Mit neuen Darlehen hilft uns Ismaik nicht, das muss er endlich mal verstehen." Auch bei einem Wegfall der 50+1-Regel hätte Sechzig einen "Wettbewerbsnachteil."

"Es gibt ein Konsortium, das bereit wäre, diese Kapitalerhöhung mitzugehen"

Er verwies dabei auf die Millionen-Schulden: "In der Regionalliga mussten wir uns mit den Altlasten durchschlagen, in der 3. Liga sind wir ein Stück weit besser dran. Wenn Sie 23 Millionen Miese haben und der Umsatz von 21, 22 Millionen auf 10 runterfällt, steckt das keine Gesellschaft weg." Einzig möglicher Ausweg: Konsolidierung. Doch wo ist der Ausweg, um nicht weiterhin siebenstellige Verluste einzufahren?

Reisinger erwähnt die angedachte Kapitalerhöhung. "Es gibt ein Konsortium, das bereit wäre, diese Kapitalerhöhung mitzugehen. Dadurch könnte man frisches Kapital aufbringen, um in die 2. Liga aufzusteigen."

Ganz nach dem Vorbild der SpVgg Unterhaching, die mittels Börsengang das Fußball-Unterhaus anstrebt. Über Namen, Unternehmen oder die Größenordnung einer Kapitalerhöhung bleiben aber ähnlich viele Fragezeichen wie nach Sechzigs Mitgliederversammlung, als das Präsidium das Thema angeschnitten und auf eine außerordentliche Versammlung verwiesen hatte. Auch jetzt schiebt Reisinger den Spielball zurück zu Ismaik: "Der Kooperationsvertrag hindert uns daran. Damit sind mir und uns die Hände gebunden, da der Vertrag genau das ausschließt, dass man mit anderen Investoren und neuen Gesellschaftern Gespräche führt. Deshalb sind wir mit Hasan Ismaik in Gesprächen und warten auf seine Reaktion."

Reisinger: "Es läuft sehr vieles über Anwälte ab"

Fragwürdig: Reisingers Aussagen belegen einmal mehr, wie zerrüttet das Verhältnis zwischen den Gesellschaftern ist. "Es läuft sehr vieles über Anwälte ab", so der Oberlöwe. Obwohl er für die Aktionen "vereinenstattspalten" wirbt und sich als "Hafen der Vernunft" bezeichnet, sind seine Worte eher provokativ, wenn er über Ismaik spricht: "Ich hätte auch die Telefonnummer, aber wenn ich anrufe, geht Herr Ismaik nicht immer ran. Ich mache es von Haus aus lieber schriftlich, denn das meiste brauchen wir sowieso schriftlich und dann brauche ich nicht telefonieren."

"Vielleicht nähern sich die beiden nochmal an", hatte Trainer Daniel Bierofka kürzlich angesichts des drohenden Abstiegskampfes und einer weiteren Senkung des Etats für die Folgesaison erklärt. Nach Reisingers Auftritt spricht nicht viel für die Annäherung, die so dringend vonnöten wäre.

Lesen Sie hier: TSV 1860 - Reisinger über Kontakt zu Ismaik -

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