Radi wird 75: „Du wirst älter als Jopie“

Exklusiv in der AZ schreibt Sepp Maier Geburtstagsgrüße an Petar Radenkovic, seinen alten Spezl und früheren Rivalen im Tor
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Erst Kontrahenten, nun Freunde: Petar Radenkovic und Sepp Maier.
Imago Erst Kontrahenten, nun Freunde: Petar Radenkovic und Sepp Maier.

Exklusiv in der AZ schreibt Sepp Maier Geburtstagsgrüße an Petar Radenkovic, seinen alten Spezl und früheren Rivalen im Tor

Lieber Radi,

unglaublich, wie die Zeit vergeht: Du wirst also am Donnerstag 75 – ich kann mir das gar nicht vorstellen, Radi. Du bist doch ein ewig Junggebliebener. Aber mach’ Dir keine Gedanken übers Älterwerden: Du wirst, da bin ich sicher, älter als der Jopie Heesters – und der ist ja schon 105.

Früher waren wir Kontrahenten: Du, der Löwen-Held, ich der Bayern-Torwart. Aber aus meiner Sicht ist daraus längst eine Freundschaft entstanden.

Leider haben wir uns die letzten Jahre immer seltener gesehen. Noch sehr gut kann ich mich allerdings an unsere Tennis-Duelle für karitative Zwecke erinnern. Eigentlich konntest Du – verzeih’ mir das mal – gar nicht Tennisspielen, bestenfalls als Doppel-Partner hast Du was getaugt. Du warst ja immer zu faul zu laufen.

Als Torwart dagegen warst Du schon ein Großer, als mein Stern erst beim FC Bayern aufging. Lange Zeit warst Du die Nummer 1 der Stadt, aber dann hab ich Dir irgendwann den Rang abgelaufen, als sich Deine Karriere dem Ende zugeneigt hat. Ich kann mich auch noch sehr gut an an Dein Probetraining Anfang der 60er Jahre beim FC Bayern erinnern – da hab ich noch in der Bayern-Jugend gespielt. Du warst für alle nur der Jugoslawe. Ich sag’s mal so: Es war auch besser für Dich, dass das nicht geklappt hat...

So konntest Du beim Nachbarn Karriere machen. Mit Dir, lieber Radi, wurde der TSV 1860 zu einer Top-Adresse in Europa: Die Löwen waren lange Zeit das beste, was Deutschland zu bieten hatte – dank Petar Radenkovic und seinen zehn Freunden. Du hättest in jeder Mannschaft der Welt spielen können, aber bist immer Deinen Löwen treu geblieben. Das ehrt Dich.

Heute bist Du für mich ein lebendes Denkmal: Du warst kreativ, ein Alleskönner auf und neben dem Platz. Du hast Sachen eingeführt, die damals unvorstellbar waren – nicht nur, dass Du mit Deinem Song „Bin i Radi, bin i König“ die Charts gestürmt hast. Unvergessen ist für mich, dass Du der erste Keeper in Deutschland warst, der Torwart-Handschuhe getragen hat. Auch im Sommer – erinnerst Du Dich noch? Das war bei uns verpönt. Damals haben viele wegen Dir den Kopf geschüttelt. Aber der Erfolg hat Dir Recht gegeben. Du warst Deiner Zeit einfach 20 Jahre voraus, Du warst ein Pionier.

Nicht alle konnten mit Deiner direkten Art umgehen, das weißt Du: Euer Trainer, der Max Merkel, zum Beispiel hat irgendwann den Wolfgang Fahrian zu 1860 geholt – aber als das ganze Grünwalder Stadion „Radi! – Radi“ gebrüllt hat, warst Du ganz schnell wieder die Nummer 1.

Dass Du nach Deiner aktiven Karriere nie was bei 1860 geworden bist, hat mich gewundert, aber Dich haben sie nie hinlassen. Mit Dir würden die Löwen heute anders dastehen. Aber Sechzig ist halt ein Turn-und Sportverein und hat immer Probleme mit seinen anderen Sparten gehabt. Ruhe wird da nie reinkommen.

Also, Radi: Lass’ Dich feiern! Dein Sepp

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