Probleme bei den Löwen: Das Poschner-Beben

Der Watschn-Eklat bei den Löwen offenbart noch viel tiefer gehende Probleme. Der Sportchef steht in der Kritik, er will dazu aber nichts sagen.
| Ludwig Vaitl
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Steht in der Kritik: Gerhard Poschner, der Sportchef der Löwen, die nun um den Klassenerhalt bangen.
sampics/augenklick Steht in der Kritik: Gerhard Poschner, der Sportchef der Löwen, die nun um den Klassenerhalt bangen.

München - Ruhe, Frieden, Eintracht – das sind bei den Löwen schon in ruhigeren Zeiten, wenn der sportliche Erfolg kein Hausverbot hat, eher Fremdworte. Jetzt, da es in der Relegation gegen Drittligist Holstein Kiel um den Klassenverbleib geht, sind es extrem turbulente Zeiten. Tage, in denen die Nerven blank liegen. Siehe der Trainingseklat am Montag, als Ersatzkeeper Ortega Stürmer Rodri umsenste und der in einem Anflug von Selbstjustiz dem Bein-Aggressor eine Watschn verpasste.

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Eine Szene, wie sie vorkommen kann, doch der Riss scheint tiefer zu gehen. Viel tiefer. Die „SZ“ berichtet, dass aus dem Mannschaftskreis durchgesickert sei, dass das Motiv für die Ohrfeige „auf der Geschäftsstelle zu erfragen“ sei. Zudem soll es bereits am Sonntag nach der desolaten Vorstellung der Löwen beim 0:2 am letzten Spieltag der regulären Saison zwischen den beiden zu Handgreiflichkeiten in der Kabine gekommen sein. Es geht um Eitelkeiten, um Bevorzugung.

Es sei nicht mehr auszuhalten, wie Sportchef Gerhard Poschner seine „schützende Hand“ über die von ihm verpflichteten Spanier halte, offenbarte ein Mitarbeiter der „SZ“. Angeblich habe der Verein um Präsident Gerhard Mayrhofer auch schon versucht, Poschner, der etwa von Kult-Trainer Karsten Wettberg als „Hauptschuldiger“ der Misere hingestellt wurde, weil er die Mannschaft „vollkommen falsch zusammengestellt“ habe, zu einer Vertragsauflösung zu bewegen. Vergeblich. Auf AZ-Nachfrage erklärte Poschner: „Ich werde das weder bestätigen noch dementieren – und in Zeiten wie diesen schon gar nicht kommentieren.“

Fakt ist: Die Transferbilanz des Geschäftsführer Sport ist ernüchternd. Er verpflichtete 13 Spieler, von denen mehr als die Hälfte gescheitert sind. Dafür mussten Vereins-Ikonen wie Benny Lauth und Gabor Kiraly gehen. Auch nach 34 Spieltagen mangelt es an Hierarchie im Kader. „Es fehlen die Führungsspieler“, sagte Trainer Torsten Fröhling nach der KSC-Pleite.

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Hinter der Kulissen tobt ein Machtkampf zwischen Präsidium und Investor Hasan Ismaik – dabei geht es auch – und gerade – um den Sportchef. Denn der Verein kann Poschner gar nicht entlassen. Dazu benötigt er Investor Ismaik. Der Mehrheitseigner ist für die Entlassung von Poschner ausschlaggebend. Denn Ismaik sitzt im Beirat der KGaA, zusammen mit seinem Cousin Noor Basha und den Vereinsvertretern Mayrhofer und Karl-Christian Bay. Für die Trennung von Poschner ist eine Mehrheit in diesem Beirat nötig, doch die gibt es momentan nicht, weil Ismaik schweigt und Noor Basha trotz aller sportlichen Misserfolge weiter voll hinter Poschner steht. Die beiden pflegen eine enges Vertrauensverhältnis.

Dass zwischen den Parteien einiges im Argen liegt, gibt Mayrhofer zu. „Es gibt leider keinen Kontakt zu Ismaik. Das liegt aber nicht an uns“, meinte der Präsident im Bayerischen Fernsehen. In der komplexen Vereinsstruktur ist der Klub in so einer Situation faktisch nicht handlungsfähig, obwohl 1860 dies durch die „50+1“-Regel der Liga, die verhindern soll, dass ein Investor die Handlungshoheit erlangt, eigentlich sein sollte. „Viele Dinge ergeben sich über eine Saison, die man in unserer Konstellation, wie wir sie bei den Sechzigern haben, dann offensichtlich nicht so leicht regeln kann“, sagte Mayrhofer.

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Von den komplexen Problem soll die Mannschaft gerade jetzt möglichst wenig mitbekommen. Was zählt ist die Relegation und deshalb fährt Fröhling mit seinen Löwen ins Trainingslager nach Hamburg-Norderstedt. „Die Spiele sind nicht nur enorm wichtig für uns, sondern für den gesamten Verein. Darauf wollen wir uns fokussieren. Deshalb möchten wir unter uns sein.“ Weit weg vom Poschner-Beben.

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