Pokalsieg oder Schmach? Für 1860 steht in Würzburg viel auf dem Spiel

Samstag, 16.30 Uhr, am Dallenberg: Kickers gegen Löwen, Regionalligist gegen Drittligist. Pokalsieg oder Schmach? Der TSV 1860 kämpft bei den Würzburger Kickers um den Totopokal-Triumph. Passend zum großen Bruder, dem lukrativen und prestigeträchtigen DFB-Pokal, hat sich die Trophäe in diesem Jahr erstmals optisch seinem Vorbild angenähert, wenngleich sich über den Stellenwert des bayerischen Verbandspokals weiter trefflich streiten lässt.
Das besondere Titelchen – die AZ zeigt, weshalb dieses Endspiel durchaus Bedeutung hat.
Silberware als seltenes Erfolgserlebnis
Silberware ist Silberware: "Ich spiele gerne eine Woche länger, wenn ich danach Silberware in der Hand halte", erklärte Torhüter Thomas Dähne nach dem 1:0-Halbfinalerfolg beim SSV Jahn Regensburg. Präsident Gernot Mang sagte der AZ: "Es wäre doch für Sechzig und für jeden Löwenfan einfach schön, wieder einmal einen Titel zu gewinnen – endlich wieder einen Pokal in die Höhe zu stemmen!" Und Cheftrainer Markus Kauczinski meinte in seiner letzten Vor-Spieltags-Pressekonferenz der Saison: "Wir wollen ein gutes Spiel machen, gegen Würzburg gewinnen und den Pokal holen."
Es geht nicht nur um das DFB-Pokal-Ticket, das beide Finalisten schon in der Tasche haben. Sechs Jahre nach dem einzigen Triumph des TSV – in Giesing gegen Würzburg – soll das Ding wieder her. Titel ist eben Titel. Oder, um es mit Dähnes Worten auszudrücken: Silberware ist Silberware.
Schwung für 2026/27: Es wäre auch ein Sieg der Junglöwen um Samuel Althaus und Co., die Kauczinski im bisherigen Saisonverlauf unaufhörlich reingeschmissen hat und künftig noch mehr fördern muss: "Wir werden darauf angewiesen sein, uns gut zu entwickeln." Dafür gäbe ein solcher Titel Schwung.
Euphorie statt Ernüchterung
Euphorie und Dauerkartenverkauf: 1860 hat ganz im Gegensatz zum Vorjahr, als zu diesem Zeitpunkt bereits die Rückkehr von Kevin Volland feststand, kaum euphorieschürende Nachrichten zu bieten. Umso wichtiger wäre, für die Stimmungslage wie den gestarteten Dauerkartenverkauf, zumindest ein kleines Highlight als Schlusspunkt einer enttäuschenden Spielzeit zu setzen. Kauczinski sagt: "Wir wollen auch für unseren Anhang und das Prestige diesen Titel holen."

Pokalschmach nach Ligafrust: Geht nach dem verpassten Aufstiegstraum nun sogar das Pokalfinale schief, macht sich auf Giesings schwarz-weißen Höhen mal wieder kollektive Weltuntergangsstimmung breit. Kauczinski dazu: "Wir wissen, dass wir aus keiner guten Phase kommen."
Druck auf die sportliche Führung
Angreifbare Löwen-Leitung: Trainerfuchs Kauczinski und Sport-Boss Manfred Paula haben Ex-Coach Patrick Glöckner und den vorherigen Geschäftsführer Christian Werner bekanntlich nach wenigen Wochen der Spielzeit 2025/26 ersetzt, um das große Ziel Aufstieg doch noch zu erreichen – und Saisonziel Nummer eins verfehlt, wenngleich weder von ihnen ausgegeben, noch der Kader von ihnen zusammengestellt wurde. Die Entscheidung, im Winter nicht nachzurüsten, die Abwärtsspirale der vergangenen Wochen, gipfelnd in einem verlorenen Finale – die sportliche Leitung macht sich durch den Abwärtstrend angreifbar.
Sechzigs Pulverfass-Potenzial: "Wir müssen den Gürtel enger schnallen", so Kauczinski. Entwickelt sich der stolze Traditionsverein 60 Jahre nach seiner einzigen Meisterschaft weiter in die falsche Richtung, dürfte rund um 1860 das Interesse kleiner (und der Ärger größer) werden – bei etwaigen Neuzugängen, bei herausragenden Akteuren wie Top-Torjäger Sigurd Haugen oder Junglöwe Sean Dulic, die ihren Aufstieg dann eben persönlich erleben. Erstrecht bei Investoren, die 1860 anstelle von Hasan Ismaik und die Stadion-Sanierung dringend bräuchte.