Personalsorgen immer größer: Fällt 1860 der Transfer-Verzicht auf die Füße?

Plus acht Grad, grüner Rasen, sogar die Sonne setzte sich gegen die Giesinger Wolken durch: Mit Schnee oder Sturm mussten sich die Löwen nach der Rückkehr aus der milden türkischen Riviera in der letzten öffentlichen Trainingseinheit der Woche nicht herumschlagen. Dafür begleitet die Sechzger ein anhaltendes Problem, das sich weiter zuspitzt. Oh mei, Coach Markus Kauczinski gehen die Löwen aus.
"Es sind zwar immer noch zwei, drei Positionen umkämpft. Aber es ist nicht alles umkämpft. Es gibt schon ein Gerüst, das steht", erklärte der Cheftrainer des TSV 1860 noch im Türkei-Trainingslager in Belek über seinen Rumpf-Kader. Seitdem ist dieses Gerüst eher ins Wackeln geraten, als wie erhofft an Stabilität zu gewinnen, denn: Nur 16 Kicker konnte Kauczinski zum Dienstagstraining der Drittliga-Profis begrüßen.
"Wir haben generell viele Verletzungen. Es waren aber auch Wettkampfverletzungen dabei. In der letzten Zeit waren es ein, zwei Sachen von Rekonvaleszenten", erklärte Kauczinski schon am Samstag bei "heute im Stadion" über die weiß-blaue Verletzungsmisere.
Nur 19 von 30 Kaderspielern im Löwen-Training
Der Vollständigkeit sei erwähnt, dass mit Torwarttrainer René Vollath, Paul Bachmann und Miran Qela auch drei Keeper auf dem Rasen standen. Dafür muss man den Vizekapitän Thore Jacobsen in den munteren Rechenspielchen gleich wieder abziehen: Der Sechser hat sich zwar im abschließenden Torschusstraining bei gleich mehreren Sonntagsschüssen von der Strafraumgrenze treffsicher gezeigt, ist aber dummerweise für den Rückrundenauftakt gegen Rot-Weiss Essen (Samstag, 14 Uhr) gesperrt.
Nur 19 von den insgesamt 30 (!) Kaderspielern blieben beim Durchzählen übrig. Nach Adam Riese geht sich mit den knapp zwei Dritteln aller Löwen nicht einmal ein klassisches Elf gegen Elf aus, weshalb die Blauen in kleineren Teams auf zwei zusammengerückte Tore Spielformen trainierten. Aus der Not mach’ eine Tugend!
Fällt 1860 der Transfer-Verzicht auf die Füße?
Ob sich rächt, dass der TSV auf die Verpflichtung der begehrten wie seltenen Gattung der sofort weiterhelfenden Winter-Neulöwen verzichtet hat? Kauczinskis Sorgenfalten dürften sich auch daher vermehren oder in tiefe Furchen verstärken, weil zusätzlich zur Liste der Langzeitverletzten (Verlaat, Pfeifer, Deniz, Christiansen, Haugen) wie von Kauczinski eingangs erwähnt noch eine Riege an fraglichen Löwen gekommen ist: Torhüter Thomas Dähne, Sechser Philipp Maier, sowie die beiden Offensivspieler Maximilian Wolfram und Florian Niederlechner fehlten wie bereits am Montag, dazu kam am Dienstag auch noch Raphael Schifferl.

Immerhin schafften die Sechzger inzwischen, die tags zuvor gestellte AZ-Nachfrage zu beantworten: Dähne ist erkrankt, Schifferl und Maier seien aufgrund von "Belastungssteuerung" kürzergetreten.
Nach AZ-Infos ist die Hoffnung beim TSV groß, dass das Trio um Dähne, Schifferl und Maier demnächst wieder mit von der Partie ist – Gewissheit gibt’s aber erst, wenn Kauczinski am Freitagmittag auf seinem Pressekonferenz-Stuhl Platz nimmt. Wolfram und Niederlechner runden die Zahl der sicheren Ausfälle wie Sean Dulic wohl auf mindestens neun auf.
Bietet sich nun die Chance für die Junglöwen?
Neben Dähne, Dulic-Vertreter Schifferl und Maier, deren Ausfälle herbe Verluste für die Sechzger darstellen würden, klafft in der Zentrale ohnehin schon ein Loch: Neben Maier, falls er denn kann, kommt in Abwesenheit von Jacobsen, Deniz und Christiansen eigentlich nur noch der ein oder andere Junglöwe infrage. Etwa Samuel Althaus?

"In der Mitte war es mit Samuel zum ersten Mal in so einer Konstellation. Das war auch seine Feuertaufe von Beginn an", sagte Kauczinski über den Einsatz des 19-Jährigen, der kürzlich sein Drittliga-Debüt gefeiert hatte, beim 4:1-Härtetest gegen den Schweizer Erstligisten FC Winterthur.
Zudem stehen mit Damian Dordan und der österreichische U17-Vizeweltmeister Loris Husic zwei weitere unerfahrene, aber unbekümmerte Youngster Schlange. Ob sie ihre Chance kriegen - und nutzen?