Pacult über Lorant: "Ich werde den Satz nie vergessen, den er im Stüberl zu mir gesagt hat"
Peter Pacult, Aufstiegsheld und Bundesligatorjäger des TSV 1860, erinnert sich am ersten Todestag von Werner Lorant an Sechzigs Kult-Trainer.
"Werner Lorant war ein absolutes Unikat. Andere Trainer wie Ernst Happel waren auch so hart, aber seine Sprüche sind Kult. Wir hatten immer ein gutes Verhältnis, ob als Spieler, als Co-Trainer oder nach seiner Entlassung, als ich 2001 sein Nachfolger als Cheftrainer geworden bin", sagt Pacult der AZ über den am 20. April 2025 am Ostersonntag verstorbenen Ex-Trainer der Giesinger, der mit dem TSV den Durchmarsch von der drittklassigen Bayernliga in die Bundesliga geschafft hat. "Der Werner hat sich seine bewegende Trauerfeier letztes Jahr verdient – durch seine Erfolge, aber auch durch seine unnachahmliche Art. Es ist schön, dass ihn die Löwenfans nicht vergessen haben."
"Lorant hat vielen jungen Spielern eine Chance gegeben"
Der Österreicher hat viel zu erzählen, wenn er an die gemeinsame Zeit mit Werner "Beinhart" Lorant zurückdenkt, angefangen mit seinem Spitznamen: Sechzigs Kult-Coach sei in vielen Trainingseinheiten unerbittlich gewesen. "Der Stempel Beinhart ist ihm damals aufgedrückt worden wegen dieses Films", meint Pacult über die Action-Komödie "Werner – beinhart"! aus den Neunziger Jahren.

Pacult weiter: "Lorant hatte auch andere Seiten, er hat zum Beispiel vielen jungen Spielern eine Chance gegeben. Aber ohne seine Härte hätte er uns Spieler nicht zu diesen Höchstleistungen gekitzelt, das muss man ganz klar sagen. Mich hat er damals ja erst im fortgeschrittenen Alter geholt, von daher hatten wir einen gesunden Respekt voreinander."
Pacult erinnert sich an seine Abschied: "Dann sind wir gemütlich im Löwen-Stüberl gesessen"
Dem einstigen Angreifer aus der Alpenrepublik sind einige Gespräche mit Lorant besonders in Erinnerung geblieben: "Wir hatten auch dann einen guten Draht, er als mir im zweiten Bundesliga-Jahr gesagt hat: 'Peter, es funktioniert nicht mehr so gut wie im Aufstiegsjahr und im ersten Jahr Bundesliga. Jetzt müssen wir was ändern.' Und dann sind eben nochmal ein paar neue Spieler gekommen und ich bin öfter auf der Bank gesessen. War halt so."

Auch, als es um Pacults Abschied als Spieler ging, habe man sich in die Augen geschaut: "1995 ist mein Vertrag ausgelaufen und er hat mich zum Gespräch geholt. Dann sind wir gemütlich im Löwen-Stüberl gesessen und ich habe ihm gesagt: ‚Werner, red‘ nicht lange drumherum: Es geht sich nimmer aus, oder?' Ich war schon vom älteren Semester und von Verletzungen geplagt, also hat er sich bei mir bedankt, ich bin gegangen und es war alles in Ordnung."
"Hoppala, Peter, dein Platz ist jetzt nicht mehr da drüben, sondern hier bei mir!"
Ähnlich emotionale Momente habe es gegeben, als Lorant Pacult im Anschluss zum Co-Trainer gemacht hat – und nach Lorants besiegeltem Ende bei 1860 im Jahr 2001 ausgerechnet Pacult sein Nachfolger wurde. "Der Werner hat mich als Co-Trainer dazugeholt. Ich werde den Satz nie vergessen, den er damals im Stüberl zu mir gesagt hat: 'Hoppala, Peter, dein Platz ist jetzt nicht mehr da drüben, sondern hier bei mir!' Sein Abgang später war sicher nicht einfach für ihn, denn Sechzig war alles für ihn. Er hat dann auch in einem Interview seinem Ärger Luft gemacht, dass der Co-Trainer, also ich, auch hätte rausgeworfen werden müssen. Aber wir haben uns schnell wieder zusammengerauft und in all den Jahren danach immer wieder miteinander telefoniert. "
Von daher wird Lorant seinem einstigen Spieler, Assistent und Nachfolger Pacult auch in Zukunft abgehen – als Mensch und als beinharter Kult-Coach gleichermaßen. Pacult: "Der Werner fehlt. Ich habe ihm viel zu verdanken – und Sechzig auch!"
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