Otti Fischer im AZ-Interview: "Den Löwen hilft nur beten"

AZ-Interview zum Abstiegskampf des TSV 1860 München: Vor dem entscheidenden Spiel beim Karlsruher SC glaubt Löwen-Fan Ottfried Fischer, dass den Sechzigern nur noch eins hilft.
| Thomas Becker
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Löwe mit Leib und Seele: Ottfried Fischer ist Sechzger durch und durch. Zum 150. Vereinsjubiläum moderierte er im Herbst 2010 einen Gala-Abend in der Muffathalle.
Sampics/Augenklick Löwe mit Leib und Seele: Ottfried Fischer ist Sechzger durch und durch. Zum 150. Vereinsjubiläum moderierte er im Herbst 2010 einen Gala-Abend in der Muffathalle.

AZ-Interview zum Abstiegskampf des TSV 1860 München: Vor dem entscheidenden Spiel beim Karlsruher SC glaubt Löwen-Fan Ottfried Fischer, dass den Sechzigern nur noch eins hilft.

München - Ottfried Fischer, der 61 Jahre alte Schauspieler ("Bulle von Tölz") und Kabarettist, ist eingefleischter Fan der Löwen. Mit der AZ sprach Fischer über den Kampf des TSV 1860 München gegen den Abstieg, das Grünwalder Stadion und Geld aus Jordanien.

AZ: Herr Fischer, die Zeiten sind ernst – und aufregend. Am Sonntag geht es um Wohl und Wehe des TSV 1860. Wie haben Sie das 2:1 vergangene Woche gegen Nürnberg erlebt?

Ottfried Fischer: Anscheinend ist da die Agenda anders gewesen als das Aktum, als die Tatsache. Das war so eigenartig! Ich habe noch nie einen solchen Rücklauf von einem Tor gesehen. Aber man weiß ja, dass der Sport mit Unwägbarkeiten besetzt ist.

Erst recht, wenn man ein echter Löwe ist...

Am Anfang der Saison werden die Löwen immer so gestraft vom Schicksal und den Schiedsrichtern, dass es dann auch gerecht ist, wenn’s zum Saisonende mal anders ist.

Immerhin war die ungeliebte Allianz Arena so voll wie sehr lange nicht mehr bei einem Löwen-Spiel.

Böse Zungen behaupten, dass die meisten der 68 500 Zuschauer sehen wollten, wie Sechzig absteigt. Das ist nun ganz besonders schlecht: Jetzt haben wir endlich mal ein volles Haus, und anstatt diesen Wunsch der Mehrheit zu bedienen, spielen wir so, wie es diesen vielen gar nicht gefällt, und damit haben wir wieder überhaupt nichts erreicht.

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Das sind Leute, die bei Bayern keine Karten bekommen und dann bei uns rumgeistern.

Es soll ja auch Sechziger geben, die den Klub lieber absteigen sehen, um künftig wieder im Grünwalder Stadion Spiele ihres Vereins erleben zu können. Eine gute Idee?

Ich werde mich hüten, irgendeine Entscheidung anzudeuten. Das Grünwalder Stadion ist schon so oft totgesagt worden, dass ich es auch nicht mehr glaube, wenn es lebendig gesagt wird.

Sind Sie selber eigentlich lieber im Grünwalder oder in der Allianz Arena?

Das Grünwalder ist ein Anachronismus für einen großen Verein, der mal Champions League spielen will – und das wollen ja durchaus viele, auch wenn das in sehr weiter Ferne liegt. Aber in Nullkommanix kommt ein Wildmoser und bringt einen Lorant mit, und dann sieht es plötzlich wieder anders aus. Deswegen wage ich überhaupt keine Prognose in Sachen Arena, weil man sich damit nur in die Nesseln setzen kann. Und das Grünwalder? Da muss man ja das halbe Stadtviertel absperren! Gut, das sind Giesinger – vielleicht ist denen das wurscht. Aber da sagt doch auch der tapferste Sechziger: ‘Jetzt reicht’s aber, wenn ich mich am Samstagnachmittag, wenn ein Spiel ist, nicht in meinem eigenen Stadtviertel bewegen kann!’

Angenommen, Sechzig steigt am Sonntag ab. Spielen die Löwen dann in der 3. Liga in der riesigen Allianz Arena?

Die Mehrheit der Besucher würde sagen: ‘A bissl narrisch sanns scho, die Sechzger!’ Andererseits kennen wird das ja, dass uns die Leute für narrisch halten. Vielleicht ist es auch ein besonderes Phänomen bayerischer, fußballerischer Gastlichkeit, dass man ein Stadion hat, wo der Besucher auch Platz hat sich auszubreiten.

Als Kabarettist sind Sie ein Mann des Wortes. Wie „blau“ ist Ihr Publikum denn so?

Wir sind ein Verein, der durchaus kulturell wirkt. Ich erinnere mich an eine Kleinkunstveranstaltung in der Muffathalle (Herbst 2010, Anm. d. Red.), die innerhalb von zehn Minuten ausverkauft war, und ich bezweifele bis heute, dass der FC Bayern so etwas hinbringen würde. Die Sechziger sind die bodenständigen, die einfachen Leute. Daher auch diese Diskussion ums Stadion: ‘So ein großes Stadion brauchen wir nicht!’ Es ist schon ein Ringen im Sechziger-Fan um das Stadion. Man darf das nicht immer so abtun oder ihm hinreiben. Der Fan macht sich so seine Gedanken, wie alles werden soll.

Wie sieht es mit Präsident Gerhard Mayrhofer aus? Ist er der Richtige für Sechzig?

Ich finde, optisch passt er total. Der ist einfach ein Sechzger vom Typ her, und das ist gut so. Ob der gut ist, kann ich nicht beurteilen. Richtig gut sein muss eigentlich nur die Mannschaft. Und ob die gut ist, liegt auch an der Fülle der Geldkatze. Es ist schwer, mit nix etwas zu erreichen. Mit wenig ist es auch nicht einfach. Mit viel Geld ist das aber auch nicht immer gewährleistet, wie man das gerade von der roten Seite sieht. Was die sich am Schluss der Saison gerade alles erlauben!

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Sie sprechen von der Geldkatze. Ist Sechzig auch weiterhin auf das Geld aus Jordanien angewiesen?

Ich weiß es nicht. Manchmal höre ich, er hat gar kein Geld. Es hat alles ein paar kryptische Seiten. Ich fürchte, dass auch der Vorstand nicht so genau weiß, was da los ist. Vielleicht passt das aber auch zu diesem Klub, zum TSV 1001 Nacht 1860.

Was kann man als Sechzig-Fan nun bis zum Spiel am Sonntag noch tun? Was hilft den Löwen?

Was am meisten helfen wird - und das zeigt, wie schlecht es schon steht –, ist einfach beten. Das kann wirklich was bringen. Zumindest genauso viel wie alles andere.

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