Löwen-Hammer nach Insolvenz! 1860 kauft Markenrechte, Spieler und Mitarbeiter von der KGaA

Die TSV 1860 KGaA geht offiziell in die Insolvenz, das Verfahren ist offiziell eröffnet, im Dezember kommt es zur Gläubigerversammlung. Die neue 1860 GmbH krallt sich wesentliche Assets aus der insolventen Firma.
Bernhard Lackner,
Florian Weiß
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Die Geschäftsstelle des TSV 1860 an der Grünwalder Straße.
Die Geschäftsstelle des TSV 1860 an der Grünwalder Straße. © imago

Jetzt ist es offiziell: Die TSV 1860 KGaA muss endgültig in die Insolvenz! Das geht aus der Veröffentlichung auf dem offiziellen Portal neu.insolvenzbekanntmachungen.de hervor (Aktenzeichen "1502 IN 2387/26" für die KGaA, sowie Aktenzeichen "1502 IN 2389/26" für die Geschäftsführungs-GmbH).

"Das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Schuldnerin wird wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung am 01.09.2026 um 07.30 Uhr eröffnet", heißt es im Vorgang "1502 IN 2387/26" für die KGaA. Der vorläufige Insolvenzverwalter Dr. Max Liebig wird nun offiziell zum Insolvenzverwalter bestellt.

Weiter heißt es: "Die Insolvenzgläubiger werden aufgefordert, Insolvenzforderungen (§ 38 InsO) bis zum 20.10.2026 bei dem Insolvenzverwalter schriftlich anzumelden." Ein weiterer wichtiger Termin ist der 1. Dezember, dann geht in der kleinen Olympiahalle ab 11 Uhr die Gläubigerversammlung über die Bühne.

"Insolvenzverfahren eröffnet – Einigung erzielt: Der Löwe ist zurück!"

Am Dienstagmittag erfolgte dann der Hammer. Unter dem Titel "Insolvenzverfahren eröffnet – Einigung erzielt: Der Löwe ist zurück!", verkündeten e.V. und Spielbetriebs-GmbH: "Der vom Amtsgericht München eingesetzte vorläufige Gläubigerausschuss hat unmittelbar nach Verfahrenseröffnung der Annahme eines Angebots des TSV München von 1860 e.V. und der TSV München von 1860 Spielbetriebs-GmbH zugestimmt. Die Spielbetriebs-GmbH und der e.V. haben damit im Rahmen konstruktiver Verhandlungen eine vertragliche Vereinbarung mit dem Insolvenzverwalter unterzeichnet."

Anzeige für den Anbieter Instagram über den Consent-Anbieter verweigert

Die entsprechenden Markenrechte hatten zuletzt bei der Merchandising GmbH von Investor Hasan Ismaik gelegen, weshalb die Löwen in den bisherigen Saisonspielen ohne ihr ikonisches Wappen auf der Brust auflaufen mussten. Stattdessen waren die Trikots mit dem Logo der Fußballabteilung beflockt.

Dieses angenommene Angebot in nicht genannter Höhe hat folgende Konsequenzen:

  • Die Markenrechte, darunter die Schutzmarken "TSV 1860 München" sowie die Wort-Bildmarke (den im Achteck eingerahmten, nach links blickenden Löwen mit Doppelschweif und dem Schriftzug "1860") gehen an den e.V. und erteilt der Spielbetriebs-GmbH deren Nutzung und Verwertung.
  • Die TSV München von 1860 Spielbetriebs-GmbH erwirbt die wesentlichen Betriebsmittel der KGaA.
  • Einzelne Beschäftigte der KGaA werden in die Spielbetriebs-GmbH übernommen. Dazu gehören auch die an die KGaA gebundene Kader von Spielern aus der U19, der U21 und dem ehemaligen Profibereich.

"Wir freuen uns, dass es nach langen und umfangreichen Verhandlungen gelungen ist, eine Einigung zu erzielen", sagte 1860-Präsident Gernot Mang: "Damit gelangen die Markenrechte und die Mannschaft unter das Dach des Vereins und seiner Spielbetriebs-GmbH. Der Löwe ist zurückgekehrt – das ist ein starkes Signal für unsere Fans, unsere Partner und den gesamten Verein."

1860-Präsident Gernot Mang.
1860-Präsident Gernot Mang. © IMAGO

1860-Profifußball war seit 2002 in die KGaA ausgelagert – seit zwei Monaten nicht mehr

Der KGaA, die durch die Ausgliederung des Profifußballs aus dem Stammverein im Jahr 2002 entstanden war, war durch die Aufkündigung des Kooperationsvertrags seitens des e.V. am 4. Juni das Spielrecht entzogen worden, seither betreibt die neue TSV München von 1860 Spielbetriebs-GmbH den Profifußball der Löwen.

Die Löhne der bei der KGaA angestellten Mitarbeiter waren bis einschließlich August 2026 durch das Insolvenzgeld gesichert. Wie es für sie nun weitergeht und ob Teile von ihnen etwa durch den e.V. übernommen werden, war vor dem Hammer offen. Zu klären war ebenfalls, ob und inwieweit die Fans, die sich bei der KGaA vor der Insolvenz eine Dauerkarte für die Drittliga-Saison 2026/27 – an der 1860 aufgrund des Zwangsabstiegs bekanntlich nicht teilnimmt – entschädigt werden.

KGaA und  Geschäftsführungs-GmbH hatten am 23. Juni Insolvenz angemeldet

Die TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA und die TSV München von 1860 Geschäftsführungs-GmbH hatten bereits am 23. Juni beim Amtsgericht München einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt.  Seither hat Liebig, der in der Vergangenheit auch schon den Fall Türkgücü München (Insolvenz im Frühjahr 2022) abgewickelt hatte, sich ein umfassendes Bild über die wirtschaftliche und rechtliche Lage der KGaA verschafft.

Dabei kam er zu dem Fazit, dass eine Fortführung unter den gegebenen Umständen nicht möglich ist. Diesem folgte der zuständige Richter. Sollte sich im weiteren Verfahren kein Investor finden (nach AZ-Informationen haben mindestens zwei Anbietergruppen Interesse an einzelnen KGaA-Assets und dies bei Liebig hinterlegt) oder keine Restrukturierung möglich sein (wegen des fehlenden Spielrechts kaum denkbar), wäre die Folge die geordnete Abwicklung der Profifußballgesellschaft, an der Investor Hasan Ismaik 60 Prozent der Anteile hält und auch der Hauptgläubiger ist.

Liebig-Pressemitteilung im Wortlaut

Das Amtsgericht München hat mit Beschluss vom 01.09.2026 die Insolvenzverfahren über die Vermögen der TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA und der TSV München von 1860 Geschäftsführungs-GmbH eröffnet und Dr. Max Liebig von der Kanzlei LIEBIG Insolvenzverwaltung und Restrukturierung zum Insolvenzverwalter bestellt. Dr. Liebig war bereits im Insolvenzantragsverfahren als vorläufiger Insolvenzverwalter tätig. Alle Gläubiger – darunter die rund 5500 Käufer von Dauerkarten für die Saison 2026/27 in der 3. Liga – werden in Kürze angeschrieben und zur Anmeldung ihrer Forderungen aufgefordert. Weitere Hinweise hierzu finden sich auf der Webseite www.inso-liebig.de.

Der vom Amtsgericht München eingesetzte vorläufige Gläubigerausschuss hat unmittelbar nach Verfahrenseröffnung der Annahme eines Angebots des Turn und Sportverein München von 1860 e.V. und der neuen TSV München von 1860 Spielbetriebs-GmbH zugestimmt. Dieses Angebot sieht den Erwerb von Assets der insolventen KGaA, darunter deren Markenrechte (Kauf durch den Turn und Sportverein München von 1860 e.V.) und wesentliche Betriebsmittel (Kauf durch die TSV München von 1860 Spielbetriebs-GmbH), vor. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Mit dem Erwerb sollen auch Beschäftigte übernommen werden. Darunter auch der noch an die KGaA gebundene Kader von Spielern aus der U19, U21 und dem ehemaligen Profibereich.

"Wir freuen uns nach langen und umfangreichen Verhandlungen eine Einigung erzielt zu haben. Vor dem Hintergrund der bekannten, sehr herausfordernden Ausgangslage im Verfahren ist dies für alle Beteiligten ein bedeutender Erfolg", sagt Insolvenzverwalter Dr. Max Liebig. Während des gesamten Insolvenzantragsverfahrens wurden intensive Gespräche mit mehreren Interessenten geführt, wobei sich am Ende nur eine Lösungsmöglichkeit als umsetzbar erwiesen hat. Diese ist das nunmehr angenommene verbindliche Angebot. "Wir sind dankbar für ein reges Interesse am Investorenprozess und viele sehr ernsthafte Gespräche, aus denen wir letztlich die Überzeugung gewinnen konnten, dass der nun gewählte Weg für die Gläubiger der KGaA das beste Ergebnis darstellt."

Zusammen mit der Einigung über den Verkauf von Vermögenswerten wurde – aufbauend auf einer schon im Antragsverfahren gefundenen Vereinbarung über die Überlassung des Trainingsgeländes – auch diesbezüglich die weitere Zusammenarbeit geregelt. "Im nun eröffneten Insolvenzverfahren sind offene Punkte bezüglich des Trainingsgeländes zu klären. Das macht die Einbindung Dritter notwendig, weswegen wir hier noch keine endgültige Lösung verkünden können", sagt Dr. Max Liebig. "Mit der erfolgreichen Übertragung des operativen Geschäftsbetriebs wird sich die weitere Verfahrensbearbeitung auf die Abwicklung der KGaA konzentrieren."

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  • Rampftlschorsch am 01.09.2026 22:39 Uhr / Bewertung:

    Was wird denn hier für ein Unfug über das Trainingsgelände geschrieben? Das ganze Gelände ist Eigentum der Landeshauptstadt München und in Erbpacht an den e. V. vermietet.

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  • Wolflöwe am 01.09.2026 16:33 Uhr / Bewertung:

    Ich weiß, dass ich mir jetzt zahllose Daumen nach unten einhandeln werde. Es wird hier geschrieben, als ob es schon sicher ist, dass der Löwe schon morgen aufs Trikot zurück kehren wird. Auch mit wäre dies sowas von Recht. Aber was ist geschehen.
    Der Besitz des Wappen ist von der KGaA an den e.V übertragen worden. Das betrifft aber nicht die gewerblichen Nutzungsrechte. Diese liegen noch immer bis 2031 bei der Merchandising. Mit dem Löwen auf dem Trikot darf, meiner Meinung nach, zur Zeit nur diese Leibchen verkaufen.

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  • Stifler am 01.09.2026 16:17 Uhr / Bewertung:

    Das hört sich erstmal gut an und zeigt dass der eingeschlagene Weg nicht falsch ist.
    Die Dauerkartenkäufer werden ihr Geld allerdings kaum wiedersehen und KGaA - Angestellte haben ein Sonderkündigungsrecht.
    Spieler wie Erdogan, Fiedler oder Faßmann könnten also noch ablösefrei wechseln.
    Aber im Großen und Ganzen schaut's im Moment gar nicht schlecht aus.

    Übrigens wird heute auch noch Fußball gespielt.
    Wer nicht live vor Ort sein kann - oder will ........Das Spiel wird von DF1 übertragen.

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