Offene Rechnungen

Bei 1860 gefeuert, in Kaiserslautern gefeiert: Doch der Trainer kehrt am Sonntag ohne Revanche-Gelüstezum Ex-Klub zurück.
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Einst ein Löwe, jetzt ein Roter Teufel: Marco Kurz.
dpa Einst ein Löwe, jetzt ein Roter Teufel: Marco Kurz.

Bei 1860 gefeuert, in Kaiserslautern gefeiert: Doch der Trainer kehrt am Sonntag ohne Revanche-Gelüstezum Ex-Klub zurück.

MÜNCHEN Trennungen sind nie schön. Und wenn es die ersten sind, noch viel weniger. Am 24. Februar entband Sportdirektor Miki Stevic Trainer Marco Kurz von seinen Aufgaben beim TSV 1860. Für Stevic war es das erste Mal in seiner jungen Managerkarriere, dass er eine Entlassung aussprach, für Kurz die erste Entlassung.

Stevic sprach von einer „lethargischen Stimmung“ in der Mannschaft. Überhaupt warfen sie Kurz ziemlich viel vor in jenen Tagen beim TSV 1860, in denen auch im Umfeld mal wieder viel im Argen war: Von zu laschem Training war die Rede, von mangelnder Motivationsfähigkeit. Auch in der Mannschaft stimmte es nicht mehr richtig. Überhaupt: Kurz sei zu leise, Stoffers nannte ihn einen „Analytiker“, dem man den „Emotionsbolzen“ Stevic zur Seite gestellt habe. Und dass Stoffers Emotionen bevorzugt, das war schon damals klar. „Ich inszeniere nichts. Ich kommuniziere nicht über die Medien“, sagte Kurz in einem Interview kurz vor der Trennung. So richtig passten sie nicht zusammen, Kurz und Stoffers.

Kurz’ Ende bei 1860 besiegelten ein 1:4 in Duisburg und eine recht stillose – und auch demütigende – Trennung per Telefon. Kurz war in Hamburg gewesen, um den nächsten Gegner zu beobachten. Nach dem Ende der gut zweijährigen Beziehung schnitt er für seinen Nachfolger Uwe Wolf noch die DVD mit den besten Szenen.

Es gäbe also durchaus einige offenen Rechnungen zwischen Marco Kurz, der bei 1860 zuvor auch Kapitän gewesen war, und den Löwen. Wer lässt sich schon gerne als Loser vom Hof jagen, als Trainer, der seine Mannschaft nicht erreicht, als jemand, der Lethargie verbreitet?

Am Sonntag (13 Uhr, Sky live) treffen Kurz und 1860 zum ersten Ml seit der Trennung wieder zusammen. Kurz ist mittlerweile Trainer in Kaiserslautern, er kommt als Tabellenzweiter. Die Vorzeichen stehen gut, um Rache zu nehmen. Um offene Rechnungen zu begleichen, um den alten Bossen zu zeigen, dass man eben doch kein Loser ist.

Im Vorwort des aktuellen Stadionheftes schreibt Stoffers, dass er sich auf das Wiedersehen freue. Er sei gespannt darauf zu sehen, ob und wie sich der frühere Angestellte verändert hätte. Das muss man nicht unbedingt positiv lesen.

Doch Kurz hat sich nicht geändert. Er ist außerhalb des Platzes nicht emotionaler geworden. Und er hat auch seine Arbeitsmethoden beibehalten. In Lautern hat er damit derzeit Erfolg. Was die Löwen nicht behaupten können. Da scheint die einzige Konstante die Erfolglosigkeit zu sein.

Kurz hat nicht nachgetreten gegen 1860, als sie ihn damals vom Hof jagten, und er tut es auch jetzt nicht. Dafür ist er einfach zu zurückhaltend, auch zu nett. „Es steht mir nicht zu, die Situation beim TSV 1860 zu beurteilen“, sagt er. Klar, 1860 sei ein besonderer Verein für ihn, „ich war dort Kapitän, habe die U23 trainiert und wurde dann Cheftrainer der Profis“, erklärt er gewohnt sachlich. „Auch ist München Lebensmittelpunkt meiner Familie.“ Doch die werde am Sonntag in roter Kleidung auf der Tribüne sein und ihn unterstützen. „Jetzt will ich aber erfolgreich in Kaiserslautern arbeiten. Ich sehe der kommenden Begegnung nüchtern entgegen“, sagt Kurz noch. Ein ganz normales Spiel stünde vor ihm, eines, das er mit Kaiserslautern erfolgreich bestreiten möchte.

Und auch 1860-Coach Ewald Lienen will nichts davon wissen, dass am Sonntag ein besonderes Spiel anstehen würde. „Im Trainergeschäft ist es nun mal so, dass man Vereine wechselt und bei seinen früheren Vereinen antreten muss“, sagt er. Die Lage für 1860 ist schlimm genug. „Wir müssen zu Hause das ausgleichen, was wir auswärts verbockt haben.“ Auch gegen Marco Kurz. F. Cataldo

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