Nur ein Tabellenplatz macht für die Löwen finanziell den Unterschied

Dunkle Wolken über Giesing, der Regen tröpfelt auf die Plätze an der Grünwalder Straße 114. Als Markus Kauczinski am Freitag das Pressestüberl zur obligatorischen Medienrunde betritt, scheint sich das Wetter der Stimmungslage rund um den TSV 1860 angeglichen zu haben. Tristesse statt Frühlingsgefühle herrschen nach dem 0:3 in Cottbus, das jegliche Aufstiegsträume endgültig hat platzen lassen.
Der Chefcoach mit Blick auf die triste Gegenwart: "Wir haben was angefangen, was wir nicht richtig zu Ende bringen konnten. Am Ende wird man wahrscheinlich sagen müssen, dass man nicht gut genug war. Jetzt heißt es aber das vernünftig zu Ende zu bringen, dann erst wird irgendwas Neues beginnen."
Position in der Liga fast irrelevant
Sechs Spiele sind in der Dritten Liga noch zu absolvieren, das erste davon steigt am Sonntag daheim gegen Jahn Regensburg (19.30 Uhr). Ein Duell im Niemandsland der Tabelle, der Siebte empfängt den Zwölften, für beide geht es um Nichts mehr – oder? Die AZ zeigt, was für die Löwen in dieser Spielzeit noch auf dem Spiel steht – und was nicht.
Platzierung in der Liga ist (fast) irrelevant: Aus den Bundesligen kennt man das Prinzip der Verteilung der TV-Erlöse nach Platzierung in der Tabelle. Genau das ist in der Dritten Liga nicht der Fall, was unter anderem Cottbus-Trainer Claus-Dieter Wollitz stört. "Es sollte nicht egal sein, ob du Zehnter oder Dreizehnter wirst", hatte er zuletzt gesagt und somit für mehr Attraktivität und Gerechtigkeit plädiert. Er glaubt: "Der Antrieb ist größer, wenn du auf Platz neun mehr Fernsehgelder bekommst, als auf Platz 13."
Eine Position, die auch Kauczinski teilt: "Da habe ich nichts dagegen. Es macht prinzipiell Sinn, dass Erfolg auch belohnt wird. Hört sich erstmal logisch an. Das hat sich in der zweiten Liga auch etabliert und bewährt."

Rang vier bedeutet das Ticket für den DFB-Pokal
Der noch bis Sommer 2027 geltende TV-Vertrag bringt der Dritten Liga 26,2 Millionen Euro pro Saison ein, von denen 90 Prozent (also 23,58 Millionen Euro) in den Spielbetrieb fließen und gleichermaßen auf alle Klubs (ausgenommen der Zweitvertretungen) verteilt werden. In dieser Spielzeit sind es 1,31 Millionen Euro.
Unter dem Strich ist es also egal, auf welchem Platz der TSV 1860 am Saisonende einläuft, finanziell macht es keinen Unterschied. Mit einer Ausnahme: Rang vier würde bekanntlich automatisch das Ticket für den DFB-Pokal lösen, was sehr wohl lukrativ wäre – sportlich wie finanziell. Doch auch hier beträgt der Rückstand sieben Punkte.
Laut Kauczinski gehe es dennoch darum "jeden Platz, den man besser machen kann, besser machen zu wollen" und die Leistung, Einstellung und Körpersprache zu bringen, "dass wir unser Gesicht wahren".
Internes Scouting beim TSV 1860
Weichen stellen für die Saison 2026/27: Der Blick geht bei zwangsweise schon in Richtung neunter Saison in Liga drei in Folge. 16 Verträge laufen aus, Kader-Umbruch und -Verjüngung stehen an. Warum also nicht die letzten Spiele zum internen Scouting nutzen?
"Da waren Jungs, die haben Vertrag, die haben enttäuscht. Da sind Jungs, deren Vertrag ausläuft, die haben enttäuscht", relativierte Kauczinski, dem wichtig sei, "dass man da mit Respekt umgeht, dass man auch wertschätzt, was jemand getan hat."

Mit Blick auf den Nachwuchsleistungsfördertopf des DFB wolle er allerdings nicht gezielt noch mehr Talente einsetzen. Es werde zwar Veränderungen geben, "das trifft aber nicht nur Junge, das trifft vielleicht auch den einen oder anderen, der eine Chance kriegt, der vielleicht weniger gespielt hat."
Aber: "Es geht jetzt nicht um die nächste Saison, weil es wird was ganz Neues entstehen."
Totopokal-Finale das wichtigste Spiel der Restsaison
Das doppelt wichtige Totopokal-Finale: Das mit Abstand wichtigste Spiel der Restsaison! Erst vor knapp zwei Wochen haben die Löwen gegen Regensburg das Ticket für das Endspiel glücklich gelöst (1:0), dort wartet am 23. Mai Regionalligist Würzburger Kickers.

Ein weiß-blauer Sieg würde zwei Dinge bedeuten: Erstens Silberware in den Händen zu halten, was der Spielzeit ein versöhnliches Ende schenken würde. Zweitens einen Startplatz im DFB-Pokal, dieser war in dieser Saison 211.886 Euro wert. Und drittens: Ein zusätzlicher Pluspunkt bei Vertragsgesprächen.