Nsereko: So täuschte er seine Entführung vor

Der Ex-Löwe und Ex-Hachinger Savio Nsereko wird in Thailand festgenommen. „Alles Mögliche im Kopf, nur nicht Fußball”
| Gregor Röslmaier
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Im Sommer bot Savio Nsereko sich in Haching an. Vor ein paar Wochen wurde sein Vertrag aufgelöst, jetzt sitzt er in Thailand im Knast
Gregor Röslmaier Im Sommer bot Savio Nsereko sich in Haching an. Vor ein paar Wochen wurde sein Vertrag aufgelöst, jetzt sitzt er in Thailand im Knast

Der Ex-Löwe und Ex-Hachinger Savio Nsereko wird in Thailand festgenommen. „Alles Mögliche im Kopf, nur nicht Fußball”

München, Bangkok  Der Anruf von Savio Nsereko kam vergangene Woche. Der Fußballer erzählte seiner Familie in Deutschland, man habe ihn in Thailand entführt. 3000 Euro müssten sie dem 23-Jährigen doch bitte überweisen, als Lösegeld. Ein dramatischer Appell. Dabei hatte es eine Entführung nie gegeben, dem 23-jährigen Skandalprofi, zuletzt bei Unterhaching unter Vertrag, war einfach das Geld ausgegangen. Nun sitzt er in Haft – und steht wohl endgültig vor dem Ende seiner Karriere. Dabei galt er vor einigen Jahren noch als eines der größten Talente in Deutschland.

Nsereko kam aus der Jugend des TSV 1860, war Europameister mit der U-19, sein Aufstieg führten ihn in die Premier League zu West Ham und zum AC Florenz. Doch nie konnte sich Nsereko wirklich auf den Sport konzentrieren, immer gab es Skandale. In diesem Sommer wollte Nsereko, in Uganda geboren, seinen Neuanfang bei der Spielvereinigung Unterhaching starten. Doch stattdessen folgte nun der schlimmste Tiefpunkt.

„Zu Beginn sah das alles sehr gut aus, zuletzt wurde es immer schwächer, was er gezeigt hat. Er hatte alles Mögliche im Kopf, nur nicht Fußball”, sagte Präsident Manni Schwabl. Während der Auswärtsfahrt zum 0:0 nach Karlsruhe sprachen sich Nsereko und die Trainer Manuel Baum und Claus Schromm aus. „Savio hat gesagt, dass er sich nicht mehr wirklich auf Fußball konzentrieren kann”, sagte Baum. Zu sehr beschäftigten ihn private Probleme. Zwar kamen die Spieler gut mit Nsereko aus, sie schätzten ihn für seine lockere Art. Doch auch das Team bekam mit, wie sehr er mit seinem Leben und finanziellen Problemen kämpfte. „Wir haben ihm immer Hilfe angeboten, aber er hat auch im Kreis der Mannschaft nie wirklich rausgelassen, was er genau für Schwierigkeiten hat”, sagte Baum.

Haching löste den Vertrag auf – am 14. Oktober flüchtete Nsereko nach Thailand in den Partyort Pattaya. Dort verprasste er laut „Bangkok Post” gut eine Million Baht, um die 25000 Euro. Als das Geld ausging, erfand er die Geschichte von der Entführung. Besorgt rief die Familie bei der deutschen Botschaft an, die alarmierte die Polizei. Nsereko wurde festgenommen und wird wohl ausgewiesen, bis dahin bleibt er im Gefängnis. Dazu wird er sich vor einem deutschen Gericht verantworten müssen wegen der Vortäuschung einer Entführung. „Wir haben davon selbst bis Samstag nichts gewusst. Mir tut diese Sache unglaublich leid für ihn”, sagte Schwabl. „Ich führe gerne einen Verein mit einer sozialen Ader. Und ich bereue es auch nicht, Savio noch einmal eine Chance gegeben zu haben”, sagte Schwabl. Es wird wohl Nserekos letzte gewesen sein.

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