Neuer 1860-Vertrag für Mentalitätsverteidiger Schifferl? Ein Handicap gibt es

Max Reinthaler hat es vorgemacht, wie das geht: Mit starken Leistungen über Monate machte der zuvor aufs Abstellgleis geratene Südtiroler den Ausfall von Kapitän Jesper Verlaat vergessen. Weil Reinthaler am vergangenen Samstag im Auswärtsspiel beim 1. FC Saarbrücken fehlte, sprang eben Raphael Schifferl als Quasi-Abwehrchef in die Bresche – und hatte als einer von nur zwei Löwen die richtige Betriebstemperatur.
Dähne und Schifferl als Löwen-Duo im Fokus
"Wir müssen uns heute beim Thomas bedanken", erklärte Markus Kauczinski, Cheftrainer des TSV 1860, bei "Magentasport" zunächst einmal nach dem glücklichen 0:0 bei dem von Ex-Löwencoach Argirios Giannikis trainierten Abstiegskandidaten. Nicht, weil er Schifferls Vornamen verwechselt hätte, sondern weil er mit Thomas Dähne den zweiten, einzig guten Löwen im Duett lobte.
Der zweite Löwe im Bunde folgte sofort, als Kauczinski im nächsten Atemzug auf Schifferl zu sprechen kam: "Auch Rafa hat das gut gemacht, die Abwehr zusammengehalten und viele Zweikämpfe gewonnen." Zwei Löwen, zwei beherzte Auftritte, doch eine Sache unterscheidet das Duo neben der Position im Hinblick auf die Zukunft grundlegend: Dähne hat seinen Vertrag schon verlängert. Schifferl hat nun seine Bewerbung dafür abgegeben.
Vertragspoker um den Mentalitätsverteidiger
Der Kontrakt des Österreichers läuft am 30. Juni und damit zu Saisonende aus, nach AZ-Informationen ist eine Vertragsverlängerung bisher noch nicht in Sichtweite. Das bedeutet für den 26-jährigen Ex-Hachinger: Schifferl muss noch um seine Zukunft bangen. Kein Wunder, dass sich der Verteidiger mächtig ins Zeug legte. Wie Kollege Kevin Volland im Hinblick auf die Kaderplanung der Spielzeit 2026/27 sagte, gehe es bei zahlreichen Kollegen noch "um einiges", denn: "Es laufen Verträge aus, jeder kann sich hier nochmal zeigen und muss alles reinhauen." Siehe Schifferl.

Als Mentalitäts-Verteidiger zählt der Wolfsberger gewiss nicht zu den "Alibi-Löwen", wie sie Präsident Mang im Gespräch mit der AZ künftig nicht (mehr) beim TSV wissen will: Zu den Stärken des ehrgeizigen Blondschopfes bei seinen 17 Saison-Einsätzen zumeist als rechtes Glied der defensiven Dreierkette zum Einsatz gekommen ist, gehören seine aggressive Zweikampfführung und seine emotionsgeladene Herangehensweise, wenn der "Schiffi" seine Gegner genauso hart beackert wie die Grashalme auf Giesings Höhen und andernorts. Übrigens: Mit nur zwei Verwarnungen hat er seine Gefühlslage auf dem Rasen dennoch gut im Griff.
Verletzungen, Anlaufzeit und Durchbruch
Schifferl, der im Sommer 2024 gemeinsam mit dem inzwischen von Torhüter eher zum Torwarttrainer mutierten René Vollath und Torjäger Patrick Hobsch zu Sechzig gewechselt war, hat etwas Anlaufzeit gebraucht und wie so viele Löwen eine Verletztenmisere zu beklagen: In beiden Jahren hatte er mit einer jeweils hartnäckigen Verletzung zu kämpfen, 2024/25 war Schifferl mit 16 Drittliga-Einsätzen auf eine Marke gekommen, die er nun übertroffen hat.
Heißt es nun: Abschied oder Vertragsverlängerung? Dies dürfte für Geschäftsführer Manfred Paula eine Abwägungssache sein: Auch bei Kapitän Jesper Verlaat läuft der Vertrag aus. Mit Sean Dulic kehrt demnächst ein Junglöwe zurück, der vor seiner ebenfalls längeren Verletzung einen Startelfplatz hatte und noch Vertrag hat, aber einer von wenigen Verkaufskandidaten ist, der eine Millionensumme einspielen könnte.
Konkurrenz aus dem Nachwuchs und schwierige Ausgangslage
Mit Lasse Faßmann (19) reift schon das nächste Nachwuchstalent heran, das Schifferl zumindest in zwei, drei Spielen adäquat ersetzen konnte. Es ist nicht die beste Auslangslage, dass 1860 angesichts knapper Kassen auch in der Abwehr verstärkt auf die Jugend setzen könnte. Dennoch dürfte Paula der Wert des Mannes kennen, der sich Anfang 2026 im Aufstiegsrennen zum Aufholjäger aufgeschwungen hat und sich auch jetzt nicht hängen lässt.