Neue Löwen – altes Dilemma

Der TSV 1860 steht nach dem 0:1 in Heidenheim bereits unter Zugzwang. Weiter keine Verstärkungen. Trainer Fröhling: „Soll ich hier jetzt lospoltern?“ Zudem gibt's eine Absage an Benny Lauth
| Matthias Eicher
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Geht das Zittern wieder los? Der TSV 1860 hat zum Saisonauftakt in Heidenheim verloren.
sampics/Augenklick Geht das Zittern wieder los? Der TSV 1860 hat zum Saisonauftakt in Heidenheim verloren.

München - „Geht das jetzt schon wieder los?“ Diesen Gedanken, den viele Löwen angesichts der 0:1-Auftaktpleite in Heidenheim hatten, fasste ein Trainings-Kiebitz in Worte, als er am Montagmorgen durch das Tor zum Löwen-Gelände an der Grünwalder Straße marschierte. Sonnenbrille im Gesicht, schneller Schritt, grimmige Mimik. Er hatte eindeutig etwas loszuwerden – Frust, Wut, Angst – am Tag nach der Punkte-Nullnummer beim 1. FC Heidenheim. „Das ist doch genauso wie im letzten Jahr: Wir spielen schlecht, und bei den Neuzugängen tut sich auch nix! So steig’ma ab!“

Ein krasses, verfrühtes, apokalyptisches Urteil. Aber: Die Löwen, die in der Vorsaison denkbar knapp dem Super-GAU des Abstiegs in der Nachspielzeit der Relegation entgangen sind, stehen bereits nach einem Spieltag wieder unter Zugzwang. Von wegen neue Saison, neues Glück! Die Neuzugänge fehlen weiter, mit der zuletzt so oft gelobten, weil angeblich zusammengewachsenen Mannschaft ging das Debüt in die Hose. Neue Löwen – altes Dilemma!
Die AZ zeigt, wo es bei Sechzig (mal wieder) krankt.

Der Auftakt-Fluch: Wenn die Löwen bei ihrem Saison-Debüt auswärts ran müssen, setzt es in (un-)schöner Regelmäßigkeit eine Pleite. 2013 unter Alexander Schmidt 0:1 bei St. Pauli, 2014 unter Ricardo Moniz das irre 2:3 nach 2:0 und Überzahl in Kaiserslautern. Auch Löwen-Retter Fröhling knüpfte dran an. „Es ist immer doof, wenn man verliert. Wir wollten Minimum einen Punkt mitnehmen. Zum Anfang null Punkte ist nicht schön, aber wir können jetzt nicht alles umschmeißen“, sagte der Coach.

Mangelhaftes Offensivspiel: Während die Abwehr – zumindest bis Mitte der zweiten Halbzeit – solide stand, bestach die Offensive der Löwen höchstens durch großes Bemühen, nicht mit durchdachten Aktionen. „Das war zu wenig von uns. Wir haben es vor allem in der zweiten Halbzeit, nicht mehr gelöst gekriegt“, sagte Fröhling. Torjäger Rubin Okotie hatte null gefährliche Aktionen: „Rubin ist viel gelaufen, war bemüht und engagiert, aber sein Hauptjob ist vorne in der Box. Er muss sich das wieder erarbeiten“, sagte Fröhling vielsagend. Heißt: Verbesserungsbedarf definitiv vorhanden.

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Auch über die Flügel ging wenig: Krisztian Simon auf rechts („Er ist lange noch nicht da, wo wir ihn haben wollen“) und Valdet Rama auf der Gegenseite überzeugten nicht. „Er hat engagiert begonnen, später aber nicht mehr die Disziplin, was die Rückwege anbelangt.“ Als dann auch noch Daniel Adlung verletzt runter musste, ging kaum mehr was. Zum großen Löwen-Glück ist nicht sein Syndesmoseband (wie befürchtet) betroffen, wegen einer Außenbandverletzung am linken Sprunggelenk ist er aber gegen Freiburg fraglich.

Neuzugänge: In der vergangenen Saison waren es zu viele Integrationsunwillige. Und jetzt? Fehlen sie fast komplett. Dabei wären sie bitter nötig, wie die Heidenheim-Löwen bewiesen. „Soll ich jetzt hier lospoltern und dann kommt einer, den ich nicht gebrauchen kann?“, fragte Fröhling und wiederholte – artig wie eine Gebetsmühle: „Ich habe klar gesagt, welche Spielertypen ich zur Verstärkung möchte. Ob ich Stunk mache oder nicht, deswegen kriege ich auch keine Spieler. Das ist auch nicht mein Job. Ich kann sie nicht an der Kette hierher ziehen.“

Immerhin habe sich der Coach Anfang „letzter Woche“ mit einem Kandidaten getroffen, der sich das 1860-Spiel gegen Heidenheim angesehen habe. Hoffentlich hat es ihn nicht verschreckt... Kein Thema sei dagegen eine Rückkehr vom vertragslosen Ex-Löwen Benny Lauth: „Ich respektiere Benny, aber er würde uns jetzt auch nicht sofort weiterhelfen.“

Schnelle Unruhe: Nach der Auftakt-Pleite sind die Löwen am Wochenende gegen Bundesliga-Absteiger SC Freiburg schon unter Zugzwang, danach geht’s zum 1. FC Nürnberg – zwei schwere Gegner in einer allgemein starken Zweiten Liga. Es könnte angesichts des schwierigen Löwen-Umfelds für Fröhlings unfertige Mannschaft und damit für den Trainer selbst schnell ungemütlich werden. „Egal ob ich hier eine Traummannschaft habe oder nicht: Es wird immer auf den Trainer zurückfallen.“    Matthias Eicher

 

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