"Natürlich angesprochen": Darüber ärgert sich 1860-Trainer Kayabunar vor dem Memmingen-Spiel
Freitagabend, Flutlicht, Memmingen. Geht man vom medialen Interesse an dieser Partie aus, könnte man glatt denken, ein Champions-League-Spiel findet an jenem Tag im e-con ArenaPark statt. Wie die AZ erfuhr, erreichten den FC Memmingen rund 40 Akkreditierungsanfragen für das Duell gegen den TSV 1860. Bei zahlreichen Bundesligaspielen liegt die Zahl an Reportern deutlich darunter.
Gebhart erwartet Heimspiel für den TSV 1860
Entsprechend ist man in der Regionalliga auf einen derartigen Andrang nicht vorbereitet. Arbeitsplätze wird es nicht für alle Journalisten geben und eine funktionierende Internetverbindung können die Allgäuer nicht garantieren. "Aufgrund der großen Zahl an Medienvertretern stößt das Stadion-WLAN vermutlich an seine Grenzen, nutzen Sie bitte, wenn möglich, Ihre mobilen Möglichkeiten", teilte der Verein mit.
Auch die Löwen-Fans werden am Freitagabend (19 Uhr), wie schon in den vergangenen Duellen, in Memmingen zahlreich vertreten sein. Das 5.100 Zuschauer fassende Stadion ist ausverkauft. "Ich erwarte, dass es wieder ein Heimspiel für Sechzig wird", meinte Ex-Löwe Timo Gebhart im AZ-Interview. Sechzig zieht die Massen an.

Memmingen ist stark im Umschaltspiel
Und das, obwohl die Mannschaft von Cheftrainer Alper Kayabunar bisher in der Regionalliga noch nicht über die volle Spielzeit zu überzeugen wusste. Gerade in der Defensive hatten die Giesinger zuletzt Probleme. Vier Gegentore in zwei Duellen stehen zu Buche. Selbst im Toto-Pokal beim Landesligisten FC Wendelstein (5:1) fing sich der Löwe nach einer Umschaltbewegung der Hausherren einen Gegentreffer.
"Das Gegentor hat uns wirklich geärgert", wurde der Coach deutlich: "Das geht zu einfach. Da müssen wir aufmerksamer und gieriger sein." Schon am besten am Freitagabend. Denn die Schwäche des Löwen ist die Stärke der Memminger. "Sie haben einen eingeschworenen Haufen, der schon länger so zusammenspielt", sagte der Coach über den ungeschlagenen Tabellenführer: "Sie macht das Umschaltspiel sehr stark."
Kayabunar will Absicherung beim TSV 1860 verbessern
Für die Abwehr des TSV 1860 wird es also eine echte Bewährungsprobe, ob man die passenden Lehren aus den ersten Saisonspielen gezogen hat. "Wir hatten nicht so viele Möglichkeiten, das zu trainieren", sagte Kayabunar auf AZ-Nachfrage, merkte allerdings an: "Wir haben es natürlich angesprochen, um das Thema Absicherung zu verbessern."
Konkret hat der 40-Jährige seine Spieler in Videoanalysesitzungen für die eigenen Schwachstellen sensibilisiert. "Wir wollen in den nächsten Spielen mehr Aufmerksamkeit darauf legen", kündigte Kayabunar an. Gleichzeitig forderte er allerdings Geduld, allem voran mit dem neuen Abwehrboss Felix Weber.

Kayabunar geht von Leistungssteigerung bei Weber aus
Dieser brauche laut dem Übungsleiter noch Zeit, um sich in seiner Rolle beim Löwen zurechtzufinden. "Er hatte in Vilzing nicht den Trainingsbetrieb, den wir haben", erklärte er: "Trotzdem ist er mit seiner Erfahrung und Ruhe wichtig für uns in der Abwehr. Die Spieler um ihn herum sind alle sehr jung."
Mit dem Innenverteidiger-Duo Weber und Lasse Faßmann ist Kayabunar grundsätzlich zufrieden, wenngleich er davon ausgeht, dass sich vor allem der Routinier in den kommenden Wochen noch steigern wird. Mit Verstärkung rechnet der Coach entsprechend vorerst nicht, wenngleich der TSV 1860 die Kaderplanung nach AZ-Informationen noch nicht ganz abgeschlossen hat.

Reinthaler aktuell kein Kandidat mehr für den TSV 1860
Ob der Name Max Reinthaler (31) bei weiteren Abwehrproblemen noch mal aufploppt? Zur Erinnerung: Der Südtiroler ist weiterhin ohne neuen Verein und war in den vergangenen Wochen nach AZ-Infos einem weiteren Engagement bei Sechzig nicht abgeneigt. Im Gegenteil: Reinthaler wartete auf ein Angebot der Giesinger, doch bisher vergebens.
KGaA-Geschäftsführer Manfred Paula, der den Großteil der Vertragsverhandlungen der neuen Spielbetriebsgesellschaft führt, schob einem neuen Arbeitspapier öffentlich den Riegel vor. Er kündigte beim Ligaauftakt in Schweinfurt (2:2) an, nichts mehr in der Defensive machen zu wollen.
Ob er noch mal zurückrudern muss? Sollten die Löwen die Abwehrreifeprüfung in Memmingen nicht bestehen, wird er sich darüber zumindest Gedanken machen müssen.
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