Moritz Leitner: „Supertalent? Das freut mich sehr“

1860-Mittelfeldspieler Moritz Leitner spricht über sein unglaubliches erstes Halbjahr als Fußballprofi, seine Lieblingsposition, seinen Wechsel nach Dortmund und wie er nach dem Training entspannt.
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1860-Juwel Moritz Leitner, hier mit seiner Freundin Lisa.
Rauchensteiner/Augenklick 1860-Juwel Moritz Leitner, hier mit seiner Freundin Lisa.

1860-Mittelfeldspieler Moritz Leitner spricht über sein unglaubliches erstes Halbjahr als Fußballprofi, seine Lieblingsposition, seinen Wechsel nach Dortmund und wie er nach dem Training entspannt.

AZ: Hallo, Herr Leitner. Sie haben ein rasantes halbes Jahr hinter sich. Trainer Reiner Maurer nannte Ihren Aufstieg sogar „kometenhaft“. Sind Sie froh, in der knappen Winterpause mal ein bisschen Abstand zu bekommen?

MORITZ LEITNER: Oh ja, auf jeden Fall. Die Woche tut mir bestimmt gut, ich will mal ein bisschen runterkommen. Einfach abschalten. Weihnachten, Familie, Freundin. Nur relaxen und chillen. Zu Hause sein. Das ist gut.

Was haben Sie denn in der Zeit vor?

Nichts Besonderes. Die Zeit genießen. Und Playstation spielen mit Kumpels, zum Beispiel Fifa 2011. Damit verbringe ich schon viel Zeit, ich habe ja außer Fußball nicht so viel zu tun. In der Winterpause erst recht nicht. Oder ich verbringe Zeit mit meiner Freundin. Sie ist bei mir, oder ich bei ihr.

Seit Sommer sind Sie bei den Profis, fühlen Sie sich schon wie ein richtiger Zweitligaspieler?

Nein, ich mache mir da keinen Kopf. Im Sommer war es einfach nur geil, etwas ganz Neues zu erleben. Ich konnte die Mannschaft kennenlernen und den ganzen Tag Fußball spielen. Das war perfekt. Vorher kannte ich ja nur die jungen Spieler. Mit den Älteren hatte ich gar keinen Kontakt.

Wie haben Sie Ihren Einstieg bei den Löwen erlebt?

Es ging alles so schnell, dass ich es selbst kaum mitbekommen habe. Ich durfte mit ins Trainingslager, da haben wir ja gegen Hamburg gespielt, auf einmal stand ich gegen Zé Roberto auf dem Platz. Ich habe versucht, mir keine Gedanken zu machen. Und dann kam ich im Pokal rein, und beim ersten Spiel in Bochum stand ich in der Startelf. Da dachte ich nur: „Wow, so viele Fans von uns.“ Endlich war ich da, wo ich immer hinwollte. Endlich nur noch Fußball spielen, das ist das, was ich mein ganzes Leben lang gemacht habe und was ich mein ganzes Leben lang machen will. Darauf habe ich mich immer vorbereitet. Auf einmal war es so, wie ich es mir immer vorgestellt habe.

Sie wurden ja ziemlich schnell gefeiert und zum Beispiel als Supertalent bezeichnet. Hat Sie das genervt oder gefreut?

Lob hört man doch gerne, oder? Es hat mir nichts ausgemacht. Wenn ich lese, das Supertalent, dann freut mich das. Klar wird dann mehr erwartet, aber das kriege ich schon hin. Von der Technik her war ich schon bereit, aber vom Körper her musste ich noch viel arbeiten. Das muss ich auch weiterhin. Ich mache täglich Stabilisationsübungen für die Körperspannung.

Sie wurden ja schon auf verschiedenen Positionen eingesetzt, wo sehen Sie sich denn am ehesten?

Eigentlich als Spielmacher, als Zehner. Ich will Bälle bekommen und Bälle verteilen, so richtig im Zentrum. Ich kann aber auch von weiter hinten kommen als offensive Sechs. Im Moment spiele ich ja meistens nur außen. Das ist nicht meine Lieblingsposition. Und ist deshalb eher ungewohnt. Ich bin ja eigentlich ein guter Techniker, nur muss ich endlich mal wieder ein Tor schießen. In der zweiten Liga klappt’s leider noch nicht so mit den Toren. Ich kann mir das gar nicht erklären. Bis jetzt hat einfach das Glück gefehlt.

Und auf einmal waren Sie auch in der Ersten Liga gefragt und Ihr Wechsel nach Dortmund stand fest. Ging das nicht viel zu schnell?

Für mich war es einfach nur überragend, aber so richtige Gedanken habe ich mir nie gemacht. Ob zweite Liga oder A-Jugend oder Erste Liga. Hauptsache Fußball. Als aber auf einmal Anfragen an meinen Berater kamen, war das schon sehr überraschend. Aber es war natürlich auch eine Ehre und ist eine große Chance für mich und ich war froh, dass ich meinem Verein damit helfen konnte. Ich musste mir ja vorher nie einen Kopf machen, aber auf einmal war das ganz anders.

Wie haben Sie den Kontakt mit Jürgen Klopp erlebt?

Das war riesig. Wir haben uns in Dortmund mit ihm und Herrn Zorc zu einem schönen Essen in einem Restaurant neben der Geschäftsstelle getroffen. Wir haben uns kennen gelernt, viel geredet, und die zwei haben auch ein paar Späße gemacht. Ich habe gar nicht so viel gesagt. Ich war von Herrn Klopp begeistert, er lebt einfach den Fußball. Er kann mich bestimmt weiterbringen. Aber auch das Drumherum beim BVB ist geil. Das hat mir ein gutes Gefühl gegeben. Die haben 82000 Zuschauer im Stadion, und die Mannschaft macht einfach ganz cool ihr Ding. Die machen sich überhaupt keinen Kopf, sondern spielen einfach nur Fußball. Was dabei heraus kommt, das sieht man ja.

Und da wollen Sie auch mitmachen?

Ich bin jetzt mit meinen Gedanken noch lange nicht da. Sondern nur bei 1860, ich bin ja schon seit 13 Jahren hier. Ich tue alles dafür, dass es uns hier gut geht. Für mich war es selbstverständlich, dass ich dem Verein etwas zurückgebe. Ich bin hier 13 Jahre ausgebildet worden. Und bin Sechzig total dankbar. Das einzige Blöde ist halt, dass ich noch kein Tor zurückgeben konnte. Aber das kommt schon noch. Um Dortmund kümmere ich mich noch gar nicht. Ich habe ja zum Beispiel auch noch nichts von der Stadt gesehen. Nur den Weg vom Flughafen zum Stadion. Aber alle sagen, München ist tausend Mal schöner. Damit muss ich dann wohl leben.

Man sieht Sie ja ständig mit Ihrer Freundin. Sie wird wohl nicht gerade begeistert sein, dass Sie bald weg sind.

Ja, stimmt. Aber wir wissen noch nicht, wie das alles laufen wird. Sie ist noch in der Fachoberschule. Wir sind jetzt fast acht Monate zusammen. Wir haben uns übrigens damals beim Fußball kennengelernt. Der Hofi (Löwen-Verteidiger Daniel Hofstetter, d. Red.) war unser Hitch, unser Date-Doktor. Er kannte sie schon und hat sie mir vorgestellt.

Als junger Spieler hat man doch sicherlich ein Vorbild, wer ist das bei Ihnen?

Da gibt es keinen bestimmten. Mein Ziel ist natürlich, dass mal jemand sagt, ich will so werden wie der Leitner. Das ist doch viel cooler, als wenn ich jetzt sagen würde, ich will mal so werden wie der Messi oder so. Klar, gibt es ein paar überragende Fußballer. Xavi. Oder Iniesta. Wen ich auch einfach überragend finde, also vom Typ her, vom Style her, das ist Beckham, ein super Typ.

Beckham, Ihr Style-Vorbild?

Ein bisschen vielleicht. Style muss schon sein. Ich habe da ein paar Läden, in die ich gerne gehe, ab und zu mal schaue ich bei Konen vorbei. Diesel mag ich besonders gerne. Aber so ein richtiger Modefreak bin ich eigentlich gar nicht.

Seit Sommer sind Sie mit der Schule fertig und leben in einer WG. Es hat sich also nicht nur fußballerisch einiges getan, wie kommen Sie außerhalb klar?

Passt schon, ich habe ja im Sommer meinen Abschluss gemacht. Ich hatte mit meiner Familie und Berthold (Berthold Nickl, sein Berater, d. Red.) ausgemacht, dass ich nichts mehr machen muss, wenn meine Mittlere Reife ordentlich ist. Das hab’ ich geschafft. Ich war nicht so der Streber. Bei mir lief es eher so: hier mal ein Spickzettel, da mal einer. Und daheim in der WG mit Marcel Kappelmaier (U23-Spieler von 1860, d. Red.) läuft’s auch gut. Wir brauchen zum Beispiel gar keine Regeln, wer welche Aufgaben übernimmt. Wir sind Fußballer, den Haushalt kriegen wir auch so hin.

Interview: Marco Plein

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