"Moritz bleibt nicht lange hier"

Heute kehrt Ex-Löwe Leitner mit  seinen neuen Klub FC Augsburg in die Arena zurück.  
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Heute kehrt Ex-Löwe Leitner mit  seinen neuen Klub FC Augsburg in die Arena zurück.

Augsburg - Als Moritz Leitner vom Stadionrasen kommt, stehen alle anderen schon lange unter der Dusche. Er hatte sich ganz alleine noch ein paar Bälle zurechtgelegt und Torschüsse geübt. 20 Meter Distanz, ein paar landeten genau im Eck, ein paar hoppelten über die Linie, und hin und wieder ging auch einer vorbei. Wenn er mal daneben schoss, musste er weit laufen, denn im alten Rosenaustadion, wo Leitners neuer Verein FC Augsburg trainiert, ist viel Platz hinter den Toren. Aber das scheint ihm gar nichts auszumachen, immer wieder läuft er seinen Bällen hinterher, sammelt sie ein und legt sie sich neu zurecht.

Als er irgendwann Schluss macht, grüßt er freundlich und ruft: „Wie geht’s?” Ihm selbst gehe es bestens. Er bleibe immer noch etwas länger auf dem Platz, „das mache ich total gerne”. In Augsburg fühle er sich pudelwohl, er hat auch schon eine Wohnung. Und überhaupt, die ganze Eingewöhnung, das sei doch alles nicht so schwer gewesen. Aber eigentlich will Leitner nicht viel sagen, denn am Freitag (18 Uhr, Liveticker bei abendzeitung.de) spielt er ja mit den Augsburgern bei seinem Ex-Verein TSV 1860.

Und Leitners neue Vorgesetzte, FCA-Sportdirektor Andreas Rettig und Trainer Jos Luhukay, haben den 18-Jährigen gebeten, vor dem Derby keine Interviews zu geben. „Moritz soll nicht missverstanden werden”, erklärt Rettig, und deswegen brummelt auch Luhukay in seinen Schnauzbart, als er vom Trainingsplatz kommt: „Nein, zu Moritz sage ich nichts, tut mir leid.”

Doch was der Holländer von seinem jungen Winterzugang, der am 3. Januar von den Löwen kam, hält, das merkt man ziemlich schnell. Vor dem Trainingsspiel, zehn gegen zehn, wirft er Leitner als einzigem ein gelbes Hemdchen zu, und das bedeutet, Leitner darf bei beiden Teams mitspielen, immer bei dem, das am Ball ist. Er ist also ständig im Angriff, „und das gefällt ihm ziemlich gut, er will ja auch immer den Ball haben”, erzählt Mitspieler Michael Thurk.

"Er ist ein vernünftiger Bursche"

Leitner wird häufig gesucht, er dribbelt, schießt Tore, lacht viel und klopft anderen auf die Schultern. „Er war sofort drin, er ist ja auch ein vernünftiger Bursche. Er ist unbekümmert, manchmal sieht es aber etwas aufreizend aus”, erzählt Thurk und wirkt dabei, als fühle er sich an die eigene Jugend erinnert.

Oben auf der Tribüne in der Rosenau hocken genau elf Trainingsgäste auf maroden Sitzschalen. Ein paar rauchen Zigarre, einer hat sich eine Pfeife angesteckt, sie alle reden vom Derby. „Auf den Aigner müssen wir aufpassen. Der Bierofka kann auch wieder gefährlich werden”, sagt einer. Als Leitner wieder trifft, reden sie nur noch über den Ex-Löwen. „Der Moritz ist so gut, der bleibt nicht lange hier”, sagt einer, „auch wenn das besser für ihn wäre. Aber der hat so großes Talent, der wird seinen Weg gehen.”

In allen fünf Spielen nach seinem Wechsel stand Leitner, offiziell von Borussia Dortmund an den FCA ausgeliehen, in der Startelf der Schwaben. „Seine Entwicklung spricht doch für sich”, erklärt Berater Berthold Nickl. Auch die Augsburger sagen gerne, dass er bei ihnen mehr benötigt wird als bei 1860 – auch wenn Leitner weiter auf sein erstes Profitor wartet. „Er hat hier in den ersten fünf Spielen schon mehr gespielt als in den letzten zehn bei den Löwen”, betont Rettig, „er hat sich bei uns trotz seiner Jugend sehr schnell Respekt verdient. Wir sind sehr zufrieden mit ihm.”

Bei den Sechzgern wurde Leitner, nachdem sein Wechsel bekannt wurde, nur noch reduziert eingesetzt. Gefallen hat Leitner das nicht, obwohl er erst wenige Monate vorher bei den Löwen von der U19 zu den Profis aufgestiegen war. Jetzt aber wird er gebraucht, denn in Augsburg geht es nur um den Aufstieg. „Und dabei können wir Moritz’ Stärken sehr gut gebrauchen”, sagt Thurk.

Nach dem Training kommt Kapitän Uwe Möhrle als erster aus der Kabine. „Über den Moritz”, sagt er lächelnd, „kann ich nur Gutes erzählen.” Manchmal, findet der 31-Jährige, müsse man so einen jungen Kerl zwar noch bremsen. „Aber mit seiner frechen Art kann er uns hier entscheidend weiterhelfen. Das traue ich ihm zu.” Das Problem sei nur, dass die Gegenspieler gelernt hätten, wie man den Draufgänger zu nehmen habe. „Der Moritz hat in den paar Wochen hier schon einiges einstecken müssen. Und ich fürchte, dass das auch gegen 1860 der Fall sein wird. Aber er wird das schon überstehen.”

Als auch Leitner ein paar Minuten später aus der Kabine auf den Parkplatz hinter dem Stadion kommt, ruft ihm Möhrle im Spaß zu, „es ging um dich, ich habe ein bisschen Druck aufgebaut”. Leitner schaut ungläubig, dann lacht er. Es scheint ihn nicht zu stören.

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