"Mit Spielweise nicht zufrieden": Strittiger Platzverweis bringt TSV 1860 auf die Siegerstraße
Es liefen keine anderthalb Minuten, da ließen die Löwen zum ersten Mal den Ball so laufen, wie ihn wohl nur die Mannschaft der Stunde gegen das formschwächste Rückrunden-Team der Dritten Liga laufen lassen kann: Ballgewinn Tim Danhof, Pass in die Spitze zu Torjäger Sigurd Haugen, der für Kevin Volland prallen lässt. Traumpass Volland zurück zu Danhof, mustergültige Hereingabe, David Philipp steht goldrichtig – und drin! Es sollte dennoch ein hartes, hartes Stück Arbeit folgen, um den Sieg einzutüten. . .
Rückstand auf Aufstiegsplätze schrumpft, Spielweise verbesserungswürdig
"Wir können mit dem Ergebnis zufrieden sein, mit der Spielweise bin ich es nicht", sagte Chefcoach Markus Kauczinski nach dem 2:1 (1:1) des TSV 1860 bei der Zweitvertretung der TSG 1899 Hoffenheim: "Mit der Roten Karte und dem Tor haben wir das Spiel auf unsere Seite gebracht." Erleichterung pur also, dass der neue Sechste Sechzig (42 Punkte) mit einem dreckigen Dreier den Rückstand auf die Aufstiegsplätze zumindest über Nacht um drei Zähler verringern konnte.
Löwen in der Folge zu passiv, Micheler gleicht aus
Freitagabend, Flutlichtspiel, die erhoffte Revanche für die deftige Wiesn-Watschn im Hinspiel (1:5) lag direkt in der Luft – das Duell hätte für die Blauen durch das frühe 1:0 direkt beim ersten Angriff kaum besser starten können. Das 1:1 durch Florian Micheler (25.) glich einer ganz schön dreisten und ganz und gar nicht eingeplanten Vollbremsung der Giesinger Party-Polonaise bei den TSG-Youngstern, die sich etwa 2500 mitgereisten Sechzig-Fans unter den 3917 Zuschauern nicht entgehen lassen wollten. Der Ex-Hoffenheimer Volland hatte es gegen die Talente des Ex-Klubs schon vor dem Ausgleich durch mehrere Gesten und gewiss auch ein paar klare Worte angedeutet, dass die ideal gestarteten Giesinger mehr investieren müssen, wenn es für den dritten Dreier in Serie reichen soll.
Trotzdem fiel 1860 nach dem Erfolgserlebnis in ein unerklärliches Phlegma, das auch Chefcoach Markus Kauczinski an der Seitenlinie toben ließ und Torhüter Thomas Dähne zu zwei Glanzparaden zwang. Die Erinnerungen an das Hinspiel-Debakel und womöglich auch an das 1:2 gegen die junge Garde des VfB Stuttgart II schien Sechzig zu hemmen: Hoffenheim hatte deutlich mehr Ballbesitz – und die TSG gewann nahezu zwei Drittel der Zweikämpfe.

"Fahrige" Löwen mit glücklichem 1:1 zur Halbzeit
Wie also den Schalter wieder umlegen? Da musste erst mal wieder Philipp her, der kurz vor der Pause – endlich – nach einer starken Einzelaktion wieder für einen gefährlichen Torabschluss sorgte und das Außennetz traf (42.) Viel mehr war da nicht von der viel zitierten Energie des Aufstiegsaspiranten, der nochmal ranschnuppern will. Ob Kauczinski nach dem sogar noch glücklichen 1:1 zur Pause eine knackige Kabinenpredigt folgen ließ, als sein Co-Trainer Nicolas Masetzky am Mikrofon von "Magentasport" eine "starke Kombination zur Führung", aber danach "fahrige" Löwen gesehen hatte?
Rote Karte richtungsweisend, Haugen bleibt eiskalt

1860 begann auch den zweiten Durchgang bärenstark: Traum-Pass Volland auf Haugen, der doppelt und dreifach an Keeper Lukas Petersson scheiterte (47.). Es ging Schlag auf Schlag: Erst hätte Hoffenheim per Konter durch Labes fast getroffen, der am Außenpfosten scheiterte (48.), dann sah Luca Erlein Rot (50.). Klare Sache also für 1860? Im Gegenteil, denn erst einmal bäumten sich die TSG-Talente auf. Es folgte durch Haugens zehntes Saisontor doch noch, was folgen musste, damit die Hoffnung lebt.

