Millionen bringen, Mehrheit bekommen

Mittlerweile ist bei den Löwen nur noch fraglich, ob Präsident von Linde bis September weiter machen darf oder doch schon kommenden Montag Geschichte sein wird. Wie die Suche nach dem künftigen Löwen- Präsidenten funktioniert.
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Machen die Delegierten bei 1860 ihre Stimmabgabe künftig davon abhängug, welcher Kandidat das meiste Geld für den Verein mitbringt?
az Machen die Delegierten bei 1860 ihre Stimmabgabe künftig davon abhängug, welcher Kandidat das meiste Geld für den Verein mitbringt?

Mittlerweile ist bei den Löwen nur noch fraglich, ob Präsident von Linde bis September weiter machen darf oder doch schon kommenden Montag Geschichte sein wird. Wie die Suche nach dem künftigen Löwen- Präsidenten funktioniert.

MÜNCHEN Na gut, einen Versuch war es wert. Nach all den Jahren, in denen die Löwen in Karl-Heinz Wildmoser einen Präsidenten hatten, der den Klub meist in Gutsherrenart anführte und alle Macht gern für sich beanspruchte, wollten es dieses Mal die Fans wissen – und hievten Albrecht von Linde und Karsten Wettberg ins Amt.

Dieses Experiment ist gescheitert. Mittlerweile ist die Frage nur noch, ob Präsident von Linde noch bis September weiter machen darf oder doch schon kommenden Montag Geschichte sein wird. Am Montag tagt der Aufsichtsrat der Löwen, eine Abwahl von Lindes ist möglich.

Bei 1860 scheint ein Umdenken stattgefunden zu haben. Der angedrohte Rückzug des Hauptsponsors Trenkwalder – wie unverschämt das öffentliche Ultimatum an die Klubspitze auch gewirkt haben mag – scheint eines klar gemacht zu haben: „Ich denke, das Geld gerade das Wichtigste ist beim TSV 1860“, sagt etwa Pro-1860-Sprecher Hans Vonavka.

Tatsächlich müssen die Löwen in den kommenden Monaten zwischen einer und 1,5 Millionen Euro zusätzliches Eigenkapital auftreiben, wenn sie ihre Zweitliga-Lizenz nicht verlieren wollen. Und so suchen gerade alle, die in Zukunft das Sagen haben wollen beim Löwen, fieberhaft nach Investoren. Vonavka glaubt: „Mit Geld kannst du bei uns fast alles regeln jetzt.“ Auch die Fans in der Delegiertenversammlung von sich überzeugen. Wer Millionen bringt, dem scheint die Mehrheit sicher. Egal aus welchem Lager er kommt. Vonavka: „Wir haben hier kein imperatives Mandat und werden unseren Delegierten bestimmt nicht vorschreiben, wie sie zu entscheiden haben. Wir sind bereit, uns alle Vorschläge und Kandidaten anzuhören.“ Und das sind die Protagonisten im neuen Löwen-Wahlkampf:

Karsten Wettberg: Der Vizepräsident würde gerne im Amt bleiben, auch ohne von Linde. „Ich habe mir nichts vorzuwerfen“, sagt er, „der Aufsichtsrats-Vorsitzende Professor Lutz hat mir gesagt, dass er mit meiner Arbeit zufrieden sei.“ Außerdem scheint sich auch Wettberg wieder auf die Suche nach einem Investor gemacht zu haben. „Auch auf dem Gebiet der Investoren habe ich bisher wesentlich mehr getan, als man von einem Vize-Präsidenten erwarten kann“ , beteuert er.

Vonavka zumindest „hält es für sehr gut möglich, dass das aktuelle Präsidium dem Aufsichtsrat am Montag einen Geldgeber präsentieren wird.“ Wettberg jedenfalls möchte im Amt bleiben: „So lange wie möglich. Und wenn es dann zu Ende sein sollte, werde ich wieder ganz normaler Löwen-Fan sein und ein ganz normales Leben führen.“

Franz Maget: Der SPD-Fraktionschef im Landtag und 1860-Vize-Präsident ist momentan die einzige Integrationsfigur bei den Löwen. Er ist beliebt bei allen Fangruppierungen, ohne seine Zustimmung wird wohl kein Kandidat in Amt und Würden kommen. Er hat die Präsidentensuche zu seiner Angelegenheit erklärt, scheint noch nach allen Seiten offen. Er würde wohl auch dem neuen Präsidium angehören. Als Vize.

Otto Steiner: „Ein guter Mann“, sagt Maget über den TV-Produzenten und Ex-Vize-Präsidenten. Dass Steiner ein Kandidat ist, bestätigt auch Aufsichtsrat und Ex-Telekom-Vorstand Jo Brauner. „Steiner war einer derjenigen, wegen denen ich im Aufsichtsrat bin. Er ist eine Persönlichkeit. Er ist ein Kandidat, der es kann“, sagte Brauner der AZ, „Wir brauchen jetzt eine rationale Lösung, die dem Verein weiterhilft. Sollte es zu keiner tragbaren Lösung kommen, werde ich überlegen, mein Mandat niederzulegen.“

Klaus Josef Lutz: Der Ex-Geschäftsführer des Süddeutschen Verlages hat eigene Ambitionen aufs Präsidentenamt geleugnet. Allerdings möchte er Kontakte in die Chefetagen der Wirtschaft bringen. Möglicherweise für den Kandidaten Otto Steiner?

Wolfgang Hauner: Der frühere Vizepräsident und Jugendleiter hat bei 1860 immer noch einen exzellenten Ruf. Die Fanlager könnte Hauner wohl einen. Investoren dagegen brächte er wohl nicht. Könnte aber als Vizepräsident oder in einer anderen Funktion im Verein eine wichtige Rolle spielen.

Der Aufsichtsrat: Aufsichtsrats-Boss Peter Lutz meint, dass Präsident von Linde dem Gremium bei der Sitzung am Montag „sehr stichhaltige Argumente liefern“ müsste, wenn er bis September im Amt bleiben wolle. Sollte ein Kandidat einen Investor bringen, würde er wohl zum Präsidenten gemacht werden. Im neunköpfigen Gremium wird wie immer die Meinung von OB Christian Ude entscheidend sein. Kaum zu glauben allerdings, dass der eine Entscheidung an Maget vorbei treffen würde.

Filippo Cataldo, Oliver Griss

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