Michael Hofmann: „Ich bin traurig über mein Ende bei 1860“

Michael Hofmann, der 14 Jahre lang für die Löwen das Tor hütete und nun zu Regensburg wechselte, träumt weiter von einer Rückkehr. Hier erhebt er Vorwürfe gegen Boss Manfred Stoffers: „Kein feiner Stil“
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Löwen-Urgestein Michael Hofmann hofft, dass 1860 noch zu retten ist.
sampics/Augenklick Löwen-Urgestein Michael Hofmann hofft, dass 1860 noch zu retten ist.

Michael Hofmann, der 14 Jahre lang für die Löwen das Tor hütete und nun zu Regensburg wechselte, träumt weiter von einer Rückkehr. Hier erhebt er Vorwürfe gegen Boss Manfred Stoffers: „Kein feiner Stil“

AZ: Herr Hofmann, nach 14 Jahren beim TSV 1860 spielen Sie nun für Drittligist Jahn Regensburg. War es nicht seltsam, nicht beim Trainingsauftakt der Löwen zu sein?

MICHAEL HOFMANN: Das war schon komisch. 14 Jahre habe ich den ersten Tag miterlebt – und jetzt nicht mehr. Ich wäre gern als Zuschauer dagewesen, doch ich war mit dem Jahn im Trainingslager. Aber als ich abends nach Hause kam, war der erste Weg zum Internet und auf die 1860-Homepage.

Sie wurden übrigens gelobt vom neuen, alten Löwen-Coach Reiner Maurer.

Ehrlich?

Für Ihre immer sehr guten Laktatwerte.

Das freut mich. Ich laufe hier in Regensburg, als 37-jähriger Torwart, in der ersten Gruppe, auch weil ich bei 1860 immer sehr gute Torwarttrainer hatte. Aber ich muss irgendwann auch die Bremse reinhauen, weil ich sonst überdrehe. Ich würde gerne immer noch an der Grünwalder Straße Gas geben, aber es gab Leute, die das nicht mehr so gesehen haben.

Wer denn?

Es ist ja kein Geheimnis, dass mich Herr Stoffers (1860-Geschäftsführer Manfred Stoffers, d. Red.) nicht mehr wollte.

Sie klingen verbittert.

Nein, aber ich bin traurig über mein Ende bei Sechzig. Das werde ich auch nicht abstreifen können. Ich habe mich immer loyal verhalten und war charakterlich korrekt. Das kann sich bei Sechzig nicht jeder auf die Fahne schreiben. Und ich werde 1860 weiterleben! Jeden freien Tag werde ich auch in Zukunft am Trainingsgelände und im Löwen-stüberl sein. Ich freue mich schon, wenn Sechzig am 17. Juni beim Jahn zum Testspiel antritt.

Glauben Sie, dass Sie bei 1860 hätten bleiben können, wenn Maurer früher verpflichtet worden wäre?

Das ist hypothetisch, aber ich hatte immer einen guten Draht zum Reiner. Ich wollte etwas bei den Löwen bewegen, aber ich bekam jetzt nicht die Chance dazu. Ich hoffe, mit Reiner Maurer kehrt Sechzig in die Erfolgsspur zurück.

Wie enttäuscht sind Sie, dass Sie bei 1860 einfach aussortiert wurden?

Es tut weh! Ich hätte mir vorstellen können, eine Aufgabe im Verein zu übernehmen, aber das haben die Herren Stevic (1860-Sportdirektor Miki Stevic, die Red.) und Stoffers eben anders entschieden. Andere Ex-Spieler wurden eingebunden wie ein Bernhard Winkler, der neuer U 23-Coach ist. Es wäre ja auch möglich gewesen, mich im Verein einzubinden. Ich hätte mir gewünscht, ein Gespräch darüber mit den Bossen zu führen.

Kaum zu glauben, nach Ihren 14 Jahren bei 1860..

Dennoch muss ich sagen: Seitens des Trainertteams gab es wirklich eine sehr schöne Geste, als sie mich, den dritten Torwart, im letzten Saisonspiel (gegen Union Berlin, d. Red.) nochmals in den Kader genommen haben. Ewald Lienen (Ex-Löwen-Coach, d. Red.) hat mich dann eingewechselt. Das ist ja auch nicht selbstverständlich. Das Einzige was gefehlt hat, war eine kleine Geste des Vereins – ein paar Blumen, ein paar Worte übers Stadionmikrofon. Und das wäre die Aufgabe der zwei Herren (Stevic und Stoffers, d. Red.) gewesen. Das war kein feiner Stil. Wenn Fans mich fragen warum und wieso, dann kann ich nur mit den Achseln zucken. Ich kämpfe immer für Gerechtigkeit! Und ich weiß, dass ich vieles richtig gemacht habe. Wenn der eine oder andere denkt, es ist nicht so, dann soll er seinen Spaß haben, aber irgendwann kommt der Tag, an dem sich das Blatt auch wieder wendet.

Was konkret werfen Sie den Löwen-Bossen vor?

Ich habe mir meinen Abschied einfach anders vorgestellt! Im März 2009 beim Spiel gegen St. Pauli sagte Stoffers, dass das „Alphatier Hofmann“ wieder zurück ist und zwei Monate später wird das „Alphatier" nicht mehr gebraucht. Da denkt sich der schlaue Michi Hofmann: Wie tickt eigentlich der Herr Stoffers? Aber ich habe es brav hingenommen.

Waren Sie in den 14 Jahren Sechzig zu anständig?

Ja, vielleicht hätte ich mich öfter wehren müssen.

Und jetzt der Neuanfang in Regensburg?

Ich bin jetzt ein, zwei Jahre weg und ich stehe beim Jahn in Lohn und Brot, denn das ist mein Arbeitgeber. Hier spüre ich wieder Vertrauen. Aber irgendwann will ich bei Sechzig wieder einsteigen. Mündlich wurde mir das auch zugesichert. Torwarttrainer bei 1860 zu werden, das wäre ein Traum.

Aber nicht unter Geschäftsführer Stoffers, oder?

Warum nicht? Es ist wichtig auch Charakterköpfe und Querdenker im Verein zu haben, mir geht es um 1860. Aber wenn es im Verein in Zukunft nicht gut läuft, dann werden gewisse Personen ausgetauscht und das nicht nur in der Mannschaft.

Gab es denn nie ein Gespräch mit Herrn Stoffers?

Wir hatten unser Gespräch, aber schon im Mai 2009 – und das war knapp und deutlich. Ewald Lienen und Miki Stevic wollten mich ja über 2010 hinaus behalten, aber das hat sich dann zerschlagen.

Und was sagten die Kollegen zu Ihrer „Verabschiedung“?

Viele können nicht nachvollziehen, wie man zum Schluss mit mir umgegangen ist. Fragen Sie mal Daniel Bierofka oder Benny Lauth, was die über mich denken. 14 Jahre lang habe ich für 1860 gespielt und gelebt. Und das sehen viele im Verein und im Umfeld so. Ich war nie ein Spieler, der nur die Hand aufgehalten und dann nach Hause gefahren ist. Das wissen auch die Fans, die mich bei der AZ-Wahl des Allstar-Teams – hinter Petar Radenkovic – zur Nummer zwei aller Löwen-Torhüter gemacht haben. Umso trauriger bin ich, dass ich am 24. Juli beim Jubiläumsspiel im Grünwalder Stadion wohl fehlen werde. An diesem Wochenende starte ich mit Jahn Regensburg in die neue Saison. Aber eines kann ich versprechen: Ich werde die Löwen immer im Herzen tragen.

Interview: Reinhard Franke

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