"Keinen Spieler zur Verfügung stellen": TSV 1860 gehen die Worte aus

Tristesse in Giesing: Öffentlich schweigen die Krisen-Löwen, auch dem Trainingsplatz ist der Frust beim TSV 1860 spürbar. Dennoch gibt es etwas Hoffnung.
Matthias Eicher
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Ein frustrierter Markus Kauczinski am Trainingsgelände des TSV 1860.
Ein frustrierter Markus Kauczinski am Trainingsgelände des TSV 1860. © IMAGO

"Wahnsinn, oder? Schon die nächste Saison kaputt!" So begrüßte einer der sieben, acht Zaun-Kiebitze der Löwen die AZ beim gemeinsamen Besuch des Nachmittagstrainings am Dienstag. Es war der Beginn der Vorbereitung auf das Auswärtsspiel beim TSV Havelse, doch beim sichtlich frustrierten 1860-Fan herrschte unheilvolle Endzeit-Stimmung.

Kauczinski will nicht mehr vom Aufstieg sprechen

Das 1:2 des TSV 1860 beim VfB Stuttgart II, das anstelle des erhofften und dringend benötigten Sieges auf die dreiteilige Remis-Serie der bisherigen Rückrunde folgte, haute nicht nur dem treuen Sechzger-Anhänger den Schalter raus. "Vom Aufstieg brauchen wir nicht mehr zu reden", sagte Cheftrainer Markus Kauczinski nach der Pleite gegen den VfB II in Großaspach und zeigte sich resigniert.

Über die Löwen-Lage sprechen, den Finger in die Wunde legen oder gar das Kollektiv bei der Ehre packen wollte ohnehin keiner. "Wir werden diese Woche keinen Spieler zur Verfügung stellen", ließ die Presseabteilung auf AZ-Nachfrage ausrichten. Den Löwen gehen nicht nur die Siege, sondern auch die Worte aus.

Manuel Pfeifer und Kapitän Jesper Verlaat im Training.
Manuel Pfeifer und Kapitän Jesper Verlaat im Training. © IMAGO

Spieler schleichen mit hängenden Köpfen über den Platz

Die Atmosphäre rund um die Dienstagseinheit fügte sich auch ohne Gespräche ins Bild: Die Spieler schlichen mit hängenden Köpfen auf den Rasen, beim "Sieben gegen Vier" ließen gleich mehrere Akteure ihrem Frust freien Lauf: Ersatzkapitän Thore Jacobsen fluchte nach einem Ballverlust und lächelte hämisch, Abräumer-Kollege Philipp Maier winkte ab, Stuttgart-Joker Maximilian Wolfram ließ seinen Ärger in Form eines lauten Schreies raus.

Torhüter Thomas Dähne diskutierte und gestikulierte am Rande des Torwarttrainings mit Torwarttrainer René Vollath. Gemeinsam hatten sie alle eins: Mit der aktuellen Löwen-Lage sind sie sichtlich unzufrieden.

Kauczinski brüllt: "Männer, das geht schneller"

"Meiomeiomei", brüllte Cheftrainer Markus Kauczinski über den Rasen, als Abwehrspieler Marvin Rittmüller einem Ball vergeblich nachjagte. "Männer, das geht schneller. Ihr seid immer noch nicht da!", monierte der 55-Jährige die seiner Meinung nach noch etwas schläfrige oder zu lasche Einstellung.

Man kann es ihnen nicht verdenken, den bedröppelten Giesingern: Der riesengroßen, sommerlichen Euphorie, die Sechzig zu seinem ersten Saison-Hoch trugen, der jähe Absturz inklusive Doppel-Rauswurf von Cheftrainer Patrick Glöckner und Sport-Boss Christian Werner, die weiß-blaue Aufholjagd unter Nachfolger Kauczinski und nun das jüngste Jammertal: Es ein einmal mehr ein einziges Auf und Ab, die Spielzeit 2025/26.

Kein Faktor beim TSV 1860: Florian Niederlechner.
Kein Faktor beim TSV 1860: Florian Niederlechner. © IMAGO

Dulic dreht wieder Laufrunden

Woher soll sie also kommen, die ungebrochene Überzeugung, dass entgegen aller Erwartungen doch noch was gehen könnte? Schließlich ist der Rückstand ähnlich groß wie zu Kauczinskis Anfängen: Damals waren es zwölf Zähler auf die Tabellenspitze und sieben auf den Relegationsplatz, jetzt sind es elf beziehungsweise neun.

Was das Personal angeht, hat sich die Verletztenlage weiter entspannt: Der erkrankte Offensivspieler David Philipp stand wieder auf dem Platz, Kapitän Jesper Verlaat konnte schon einen Teil des Mannschaftstrainings mitmachen, neben Manuel Pfeifer stand auch Junglöwe Sean Dulic erstmals nach seinem Muskelfaserriss wieder auf dem Platz und drehte seine Laufrunden.

TSV 1860 hat bisher gegen Top-Teams gepunktet

Am Ende tun sogar den Rückkehrer-Oldies Kevin Volland und Florian Niederlechner ihre jeweiligen Gelbsperren gut, um gegen Hansa Rostock (22. Februar, 13.30 Uhr) wieder zur Höchstform aufzulaufen? Gegen Top-Teams hat man schließlich verlässlich gepunktet ...

Die Mindestvoraussetzung dafür wäre, dass die Sechzger ihre Köpfe wieder hochbekommen – und ein Auswärtssieg im nächsten Spiel. Praktischerweise muss 1860 am Samstag (14 Uhr) zum TSV Havelse, mit erst 19 Punkten Vorletzter. Was 1860 auch im Eilenriedestadion von Hannover wieder zuteilwerden wird, ist Sechzigs unerschütterlicher Fan-Support.

Oder, wie es der Sechzger-Kiebitz nach dem Ende des Trainings im Rahmen seiner kurzen Verabschiedung des AZ-Reporters ausdrückte: "Die Hoffnung stirbt zuletzt, oder?"

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  • meingottwalter vor 3 Stunden / Bewertung:

    Sagt einfach, daß ihr diese Mannschaft im Endeffekt nicht zum Laufen bringt.

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