"Meine Ambition ist klar": Vollath über seine (noch) ungewöhnliche Doppel-Rolle bei 1860
AZ: Herr Vollath, beginnen wir augenzwinkernd. Sie haben am Samstag öffentlich ein Dankeschön von Thomas Dähne eingefordert für Ihren Job, für Ihre Unterstützung. Ist er dem nachgekommen und hat sich inzwischen bedankt?
RENÉ VOLLATH: Nein, wir frotzeln da ein bisschen hin und her. Das war ja ein Thema für uns, weil er öfters in Interviews ist. Wir haben dann gesagt: "Du kannst ruhig mal was zurückgeben fürs gute Torwartteam." Er hat sich in Belek in einem Interview bedankt, ich war am Samstag dran. Ist dann aber jeweils nicht abgedruckt worden.
Dann ist heute die Gelegenheit, im Interview taucht es auf.
Gut. (schmunzelt)
Wie bewertet denn der Torwarttrainer Vollath die Leistung vom Torhüter Vollath am vergangenen Samstag gegen Essen beim 1:1?
(lacht) Ich nehme jetzt mal an, jemand anderes hätte das Spiel gespielt. Dann hätte ich in der Analyse lobende Worte gefunden aber auch Potenziale aufgezeigt.
Also muss sich Thomas Dähne diese Woche ins Zeug legen, wenn er wieder zurück ins Tor will.
Nein, die Hierarchie ist ja ganz klar. Das habe ich zu Beginn schon gesagt. So ist die Regelung.
Vollath: "Meine Doppelrolle? Ich glaube, das wird Schule machen"
Diese Doppelfunktion – Torwarttrainer und Backup – ist dennoch ungewöhnlich. Wie funktioniert das, normalerweise sind die Torhüter zugleich Konkurrenten?
Ich glaube, dass es Schule machen wird. Andere Vereine schauen sich das inzwischen ab, ich hatte Kontakt mit dem Halleschen FC, die machen es jetzt auch so. Es ist auch eine Budgetfrage. Zwei Nummer-eins-Torhüter plus Trainer und Ersatzleute – das kostet richtig Geld. In der Dritten Liga und anderen Ligen könnte das zum Scoutingprofil werden: ein älterer Torhüter als Backup mit einer klaren Nummer eins.

Was hat die Konstellation in den vergangenen Monaten als Vorteilen gebracht?
Meine Ambition ist klar: Einmal die Weiterentwicklung plus Top-Leistungen von Thommy. Ich durfte in all den Jahren viel lernen – auch dieses Jahr wieder. Und wenn wir auf die Entwicklung gehen, dann haben wir Themen gemeinsam bearbeitet, und in gewissen Bereichen hat auch Thommy nochmal große Schritte gemacht.
"Ich habe in meiner neuen Rolle das Gespräch mit den Menschen gesucht"
Ihr Weg hier begann mit vielen Nebengeräuschen, das blieb auch in der Zeit so, als Sie mit Fanfavorit Marco Hiller ein Duo gebildet haben. Wie blicken Sie auf die gesamte bisherige Zeit bei Sechzig zurück?
Ich will nicht in der Vergangenheit leben und zu viel zurückblicken. Ich bin mit dem aktuellen Status Quo sehr zufrieden und gebe jeden Tag mein Bestes, um das Torhüterteam beim TSV 1860 zu verbessern.
Ihr Verhältnis zu den Fans war anfangs schwierig. Hat es sich normalisiert, vielleicht auch allein schon durch den Abgang von Marco Hiller vor der Saison?
Wer sich länger als zwei Sätze mit mir unterhält, merkt schnell, dass es mir um die Sache geht. Ich habe in meiner neuen Rolle als Torwart-Trainer das Gespräch mit den Menschen gesucht, das war gut, da hat sich der Kreis auch geschlossen. Beim Spiel gegen Viktoria Köln war die Reaktion des Publikums super. Wir haben alle ein gemeinsames Ziel, wollen Sechzig siegen sehen.
"Der Trainer trägt viel dazu bei, weil er nicht jammert, nicht lamentiert"
Blick auf die Aktualität: Trotz vieler Ausfälle hat der TSV 1860 gegen Essen einen Punkt geholt, Moral bewiesen. Hat sich diese, im Eishockey sagt man "Next-Man-up"-Mentalität, in der Kabine jetzt so richtig breitgemacht?
Absolut. Der Trainer trägt viel dazu bei, weil er nicht jammert, nicht lamentiert. Er nimmt die Situation, das habe ich damals in Karlsruhe schon beobachten dürfen, wie sie ist. Das strahlt er aus, und die Mannschaft hat das übernommen. Ich habe nie das Gefühl gehabt, dass irgendeiner auf dem Platz stand letzte Woche und gesagt hat: "Oh Gott, jetzt fällt der auch noch aus und der auch noch."

Ist dieser Realismus, den er in sich trägt, einer der großen Stärken von Markus Kauczinski?
Extrem. Er hat diese Erfahrung, diese Ruhe, er hat schon für einige Vereinen gearbeitet und weiß die Situationen einzuschätzen. Das merkt man einfach.
"In dieser Liga ist die Fallhöhe enorm, vieles hängt von Momentum ab"
Es sind sechs Punkte Rückstand auf Rang drei, sieben auf Rang zwei und eins. Vor der Saison hieß es, ihr wollt im Frühjahr in Schlagdistanz sein. Seid ihr also auf Kurs?
In dieser Liga ist die Fallhöhe enorm. Vieles hängt von Momentum ab. Es gab selten Mannschaften, die durchmarschiert sind. Erfahrungsgemäß entscheidet sich alles ab März. Wenn du ab März in einen Lauf kommst, dann kann das reichen. Jetzt schon auf das Saisonende zu schauen, das fällt dir nur auf die Füße. Wir machen weiter, schauen nur auf das nächste Spiel.
Das Spiel in Osnabrück steht am Sonntag an – die Bremer Brücke ist immer ein heißes Pflaster. Was erwarten Sie?
Es wird intensiv. Sie haben die meisten Zu-Null-Spiele, stehen hinten gut. Das ist kein Vergleich zum Hinspiel, als wir souverän 3:1 gewonnen haben. Das wird nicht leicht – aber kein Spiel ist leicht.
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