Matthäus im AZ-Interview: „Ich leide mit den Löwen“

Lothar Matthäus analysiert im AZ-Interview die Lage beim TSV 1860. „Der Mannschaft fehlt ein Gesicht“, sagt er – und vermisst Zusammenhalt.
| Interview: Marc Merten
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Damals ein Duell auf Bundesliga-Augenhöhe: Ex-Löwen-Trainer Werner Lorant (l.) und der damalige Bayern-Kapitän Lothar Matthäus.
Rauchensteiner/Augenklick//dpa Damals ein Duell auf Bundesliga-Augenhöhe: Ex-Löwen-Trainer Werner Lorant (l.) und der damalige Bayern-Kapitän Lothar Matthäus.

AZ: Herr Matthäus, Sie sind jede Woche als Sky-Experte in den Bundesligastadien unterwegs. Verfolgen Sie die Zweite Liga ähnlich intensiv?

LOTHAR MATTHÄUS: Natürlich. Es ist mir ein Anliegen mich in der 2. Liga auszukennen. Schließlich möchte ich wissen, welche Teams nächstes Jahr in der Bundesliga spielen könnten.

Und was ist mit dem TSV 1860, dem Rivalen Ihres Ex-Vereins FC Bayern?

Keine Frage, schließlich hänge ich an den Löwen.

Dann müssten Sie gerade ziemliche Bauchschmerzen haben.

Die Situation bei 1860 macht mich traurig. Von außen betrachtet darf sich der Klub nicht auf eine Stufe mit Mannschaften wie Aue, Aalen oder Sandhausen stellen. Da müssen die Löwen einfach einen anderen Anspruch haben. Der Verein hat Möglichkeiten, die andere nicht haben. Alleine, wenn man bedenkt, dass bei Erfolg die Sponsoren sofort Schlange stehen würden. Das ist sehr schade.

Seit Jahren wird 1860 seinen eigenen Erwartungen aber nicht gerecht. Auch diese Saison nicht. Was läuft aus Ihrer Sicht schief?

Das ist eine neu zusammengewürfelte Mannschaft, der ein Gesicht fehlt. Die Qualität ist vorhanden, die Mannschaft aber nicht zusammengewachsen. Man hat in der Vergangenheit immer wieder hoffnungsvolle Spieler für Peanuts abgegeben und im letzten Sommer Spieler wie Benny Lauth und Gabor Kiraly gehen lassen. Ich frage mich allerdings, wo die Häuptlinge sind, die auf dem Platz in einer brenzligen Situation auch mal Verantwortung übernehmen. Wenn solche Führungsspieler fehlen, leidet die ganze Mannschaft.

Und der Trainer?

Die entscheidende Frage ist: Wie packt der Trainer dieses Problem an? Du brauchst als Trainer deine Vertrauenspersonen auf dem Platz, die aber auch mal ohne den Trainer die Probleme im Team ansprechen und lösen. Aber da sehe ich im Moment niemanden. Früher hat der Zusammenhalt 1860 ausgemacht. Der fehlt mir heute.

Haben Sie denn das Gefühl, dass bei 1860 jeder verstanden hat, worum es geht?

Die Verantwortlichen sagen zumindest, dass sie die Situation erkannt haben. Aber wenn ich das mit der Situation in Dortmund vergleiche, sehe ich schon einen Unterschied. Der BVB hat seine Lage sehr schnell erkannt und auch öffentlich eingestanden. Das habe ich so bei Sechzig nicht gesehen.

Was macht Ihnen jetzt noch Hoffnung, dass es mit dem Klassenerhalt funktioniert?

Dass sie auswärts ja zuletzt stärker waren als daheim. Das ist ein Hoffnungsschimmer für das Spiel in Darmstadt. Ich wünsche dem Verein jedenfalls, dass er da so schnell wie möglich unten rauskommt.

Lesen Sie hier: Von Ahlen: Endspiel oder Maurer-Schicksal?

Sollte es in Darmstadt schief gehen, dürften die Tage von Markus von Ahlen gezählt sein. Sie selbst wünschen sich eines Tages Trainer in Deutschland zu sein. Wäre 1860 eine Option? Diese Frage stellt sich nicht. Das gebietet nicht einfach nur der Anstand gegenüber meinem Kollegen Markus von Ahlen. Ich bin glücklich in meiner Rolle bei sky und mache mir über alles andere keine Gedanken. Aber klar ist: Ich leide mit den Löwen.

Ein anderer Trainer ist bereits nach einem Spieltag in diesem Jahr entlassen worden. Wie bewerten Sie den Kampf um den Aufstieg? Ist Leipzig nach der Pleite in Aue schon raus aus dem Rennen?

Zunächst einmal: Ingolstadt beeindruckt mich, wie souverän sie die Liga anführen. Sie können sich nur noch selbst im Wege stehen. Dahinter gibt es ein Hauen und Stechen. Ich sehe fünf bis sechs Mannschaften, bei denen aber auch Überraschungen wie Darmstadt und Karlsruhe dabei sind.

Und RB Leipzig?

Leipzig ist noch nicht draußen, hat aber etwas den Anschluss verloren. Deswegen musste wohl auch der Trainer gehen. Wie ich die Zentrale in Salzburg kenne, hat man einen Durchmarsch in die Bundesliga geplant. Und nun droht man das Ziel zu verpassen. Da kommt sicher bei einigen in der Liga Schadenfreude auf.

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