Martin Kind: "Man muss Ismaik den Weg weisen"

Im AZ-Interview spricht Martin Kind, Präsident von 1860-Gegner Hannover 96, über seine Sicht der Dinge bei den Löwen, die Medienpolitik und die Machenschaften des jordanischen Investors.
| M. Eicher
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Wie Hasan Ismaik ist er ein Gegner von 50+1: Hannover-Präsident Martin Kind.
GES/Augenklick Wie Hasan Ismaik ist er ein Gegner von 50+1: Hannover-Präsident Martin Kind.

München - Der 72-Jährige ist Unternehmer und seit 1997 mit einer kurzen Unterbrechung Präsident von Hannover 96. Die AZ hat ihn zum Interview getroffen.

AZ: Herr Kind, Hannover empfängt am Samstag den TSV 1860. Drei Punkte wären sowohl im Auf- wie Abstiegsrennen gut zu gebrauchen.
MARTIN KIND: Wir haben unser Ziel klar formuliert – direkter Wiederaufstieg. Jetzt gilt es gegen die Löwen, eine Reaktion zu zeigen. Wir haben ein Heimspiel, das sollte gewonnen werden.

Eine Reaktion auf das 0:2 beim KSC. Wie groß ist der Druck, aufsteigen zu müssen?
Die Entwicklung der Rückrunde ist kritisch, die Niederlage in Karlsruhe war sicher ein Tiefpunkt. Wir haben intern als auch extern diesen Druck.

Sprechen wir über Ihren nächsten Gegner: Wie beurteilen Sie 1860 aus der Ferne?
Über die Verpflichtung von Trainer Vitor Pereira habe ich überall gehört: gute Entscheidung! Die Wintertransfers kann ich nicht abschließend beurteilen. Am Anfang wurden Spiele gewonnen, jetzt scheint die Entwicklung zu stagnieren. Sechzig wird das ein oder andere Spiel gewinnen, um nicht abzusteigen.

Die Vereinspolitik läuft derzeit jedoch etwas anders als bei 35 anderen Klubs in der 1. und 2. Liga.
Das ist eine Entscheidung, die von den Verantwortlichen dort getroffen wurde. Ich kann nur sagen: Ich, oder wir bei Hannover, würden sie sicher nicht treffen.

Lesen Sie hier: Der unberechenbare Hasan Ismaik: Vom Retter zum 1860-Alleinherrscher

Was halten Sie von Sechzigs "restriktiver Medienpolitik", wie es der Verein selbst bezeichnet?
Ich kann den Löwen nur sagen: Der Fußball ist ein öffentliches Produkt. Die Presse ist ein wesentlicher Bestandteil im Fußballmarkt – im positiven wie kritischen Sinn. Zu erwarten, dass jemandem nur positive Berichterstattung zuteil wird, ist wenig realistisch. Mit Kritik muss jeder umgehen können.

Die Löwen versuchen dagegen, sich der Kritik zu versperren.
Es ist mein Selbstverständnis, dass man bei Auseinandersetzungen in den Dialog eintritt. In kritischen Situationen ist das noch wichtiger als ohnehin. Ich hoffe, dass die Krise bei 1860 auch eine Chance sein kann. Ian Ayre (der neue Geschäftsführer, d. Red.) wird sicherlich seine Erfahrung mitbringen, in England ist der Fairnessgedanke sehr ausgeprägt.

Sie sagten vor zwei Monaten über Hasan Ismaik: "Bei 1860 tut mir der Investor leid. Er hat das deutsche Recht nicht verstanden und verbrennt jetzt jede Menge Geld, das er nie wiedersieht." Ist es für Sie nachvollziehbar, dass er 1860 nun seine eigenen Methoden aufzwingen will?

Wenn ich um einen Rat gefragt würde, könnte ich nur empfehlen, sich mit allen Rechtsfragen auseinanderzusetzen und Antworten zu finden, die dem Verein TSV 1860 gerecht werden. Man scheint Ismaik allerdings den Weg weisen zu müssen. Ich kenne ihn nicht. Natürlich ist es schwierig, wenn man aus diesem Kulturkreis kommt, sich mit den hierzulande bestehenden Spielregeln zu arrangieren. Ich habe als 50+1-Gegner ein Grundverständnis für das Denken des Investors – ob seine Entscheidungen klug sind, ist eine ganz andere Frage.

St. Paulis Geschäftsführer Andreas Rettig hat sich kürzlich über das "Gebaren.
Die Aussage will ich nicht beurteilen, seine Aktivitäten müssen natürlich auch differenziert betrachtet werden. Klar ist aber: 1860 hat die Regeln der Bundesliga zu akzeptieren. Wir sind eine offene Gesellschaft.

...in der Torjubel auf der Tribüne in unmittelbarer Nähe des Gegners gestattet ist.
Wenn Gäste dort jubeln, ist das auch zu akzeptieren. Herr Ismaik dürfte das bei uns ebenfalls – aber am Samstag gibt es für die Löwen hoffentlich nichts zu bejubeln.

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