Löwen: Seid's Zaunkönige!

Zuletzt gab es Streit zwischen Fans und Spielern. Am Freitag in Fürth werden bis zu 2000 Anhänger dabei sein. In der AZ erzählen zwei 1860-Legenden, wie ein guter Umgang funktionieren muss.
| Markus Merz
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Die Löwen-Spieler müssen von Markus von Ahlen regelrecht in die Kurve getrieben werden.
sampics / Augenklick Die Löwen-Spieler müssen von Markus von Ahlen regelrecht in die Kurve getrieben werden.

München - Fans gegen Spieler. Spieler gegen Fans. Bei den Löwen herrscht in diesen Tagen dicke Luft zwischen der Mannschaft und den Anhängern. Die Spieler sehen es nicht ein, nach jeder Partie bis zu den Fans an den Zaun zu kommen – die wiederum fordern genau das, wollen für ihre Unterstützung Anerkennung erfahren und mit den Spielern reden. Weil diese sich zuletzt von den Fans ungerecht behandelt fühlten, war logischerweise Stunk programmiert.

Auch beim Spiel in Fürth (Freitag, 18.30 Uhr)? 2000 Löwen-Fans werden den Weg nach Franken auf sich nehmen und genau beobachten, wie sich die Mannschaft nach dem Spiel verhält.

Sie fordern: Elf Zaunkönige müsst ihr sein!

Volle Unterstützung erhalten die Anhänger von zwei Löwen-Legenden. In der AZ erzählen Ex-Trainer Karsten Wettberg und Ex-Spieler Thomas Miller, wie der Umgang mit den Fans zu ihrer Zeit funktionierte. Und warum die Spieler heute ihre Eitelkeiten ablegen müssen.

Offener Dialog: „Die Fans kommen von so weit her, da ist es nicht zu viel verlangt, sich zu bedanken“, sagt Thomas Miller. Geht es nach dem früheren beinharten Verteidiger, haben die Löwen-Profis gar keine andere Wahl: „Bei uns gab es gar keinen anderen Gedanken. Wir wollten das und die Fans wollten das auch.“ Letztlich geht es für Miller darum, sich offen die Meinung sagen zu können: „Die Fans haben uns oft gesagt, was ihnen nicht passt. Andersrum haben wir ihnen auch mal deutlich die Meinung gesagt, wenn sie uns mit ihrem Verhalten geschadet haben.“ Für Karsten Wettberg ist der Austausch am Zaun sogar der einzig wahre Weg: „Das ist doch die beste Gelegenheit, Dinge anzusprechen. Man kann nicht nur an den Zaun gehen, wenn man gewinnt.“

Gegenseitiger Respekt: Karsten Wettberg kann die Reaktionen der Fans in diesen Tagen sehr gut verstehen. Er sagt aber auch: „Persönliche Beleidigungen gehen natürlich nicht. Das ist heute leider oft das Problem. Zumal sich Fans heute gerne vermummen. Das gab es früher nicht.“ Letztlich geht es nur mit gegenseitigem Respekt. „Die Spieler müssen verstehen, dass die Fans weit fahren und das noch zu ungewöhnlichen Zeiten. Auf der anderen Seite braucht es Galionsfiguren wie Benny Lauth oder Daniel Bierofka“, sagt Wettberg. Dem kann Miller nur zustimmen: „Vor einem Bierofka hat jeder Respekt.“

Gemeinsam für den Erfolg: Ohne Fans kein Erfolg. Davon sind Miller und Wettberg überzeugt. „Wenn das Zusammenspiel nicht funktioniert, ist ein Heimspiel kein Heimspiel mehr. Wir waren früher eine Einheit. Dadurch hatten wir Erfolg. Die Fans haben uns damals viele Punkte gerettet“, sagt Miller. Karsten Wettberg kann sich noch gut daran erinnern: „Die Fans sind damals voll hinter uns gestanden. Auch wenn das natürlich eine Entwicklung war. In der Bayernliga war das nicht immer so.“

Ein Verein der Fannähe: Beim TSV 1860 gehört es dazu, dass die Fans ganz nah dabei sind. Vom Löwenstüberl aus lässt sich jedes Training verfolgen. Auch bei den Spielen wollen die Fans den Kontakt pflegen. „Das ist doch die große Stärke von 1860. Dieser Zusammenhalt. Die Fans sind viel Hohn und Spott ausgesetzt. Da muss man zusammenstehen. Der ganz enge Kontakt gehört bei 1860 dazu und ist eine Selbstverständlichkeit. Schon Präsidenten wie Karl-Heinz Wildmoser und Dieter Schneider haben dieses Verhältnis geprägt“, sagt Karsten Wettberg. Thomas Miller appelliert an das Team: „So wie es gerade ist, bringt das nichts.“

 

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