Löwen: Jung, blau, bairisch

Die Löwen sollen eine eigene Marke werden  – und den Nachwuchs aus der Region anziehen. Was Aufsichtsratsboss Otto Steiner vorhat, erklärt er hier
| Marco Plein
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KEVIN VOLLAND: Viel Laufaufwand, aber wenig Spielbeteiligung. Der 19-Jährige ganz früh ausgewechselt. Note 5
dpa KEVIN VOLLAND: Viel Laufaufwand, aber wenig Spielbeteiligung. Der 19-Jährige ganz früh ausgewechselt. Note 5

Die Löwen sollen eine eigene Marke werden – und den Nachwuchs aus der Region anziehen. Was Aufsichtsratsboss Otto Steiner vorhat, erklärt er hier

München - Zuletzt waren es acht Bayern. Eine Zahl, die sie beim TSV 1860 ziemlich stolz macht. Vielleicht würden sie sogar noch mehr einsetzen, aber erst mal soll das genügen, man sieht sich ja erst am Anfang eines neuen Zeitalters. Was die Löwen mit Beginn dieser Saison, also im Jahr eins nach ihrer spektakulären Rettung vor dem Bankrott, allmählich angehen, nennt ihr Aufsichtsratsboss Otto Steiner „unsere einzige richtige Chance”. Und eigentlich klingt die Idee ja auch ganz vielversprechend: Weil die Sechzger aufgrund ihres Sparkurses ihre Ausgaben massiv kürzen mussten und darum mehr denn je auf eigene Jugendspieler angewiesen waren, will man nun aus der Not eine Tugend machen.

„Es geht darum, diese hohe Zahl an jungen Spielern aus München oder der Umgebung für eine eigene Identität, für ein hohes Maß an Identifikation und letztlich auch für eine gezielte Markenbildung zu nutzen”, erklärt Steiner, der betont: „Gegen den großen Konkurrenten in der Stadt, der für viele Millionen Weltstars kauft, können und wollen wir sowieso nicht an-stinken. Wir wollen kein FC Bayern light sein, sondern die jungen, wilden Münchner Löwen zu einer eigenen Marken ausbauen.”

Zahlenmäßig sind die Löwen für diese Zukunftsvisionen schon auf dem richtigen Weg. Denn aktuell stammen von den 29 Spielern im Kader ganze 16 aus Bayern. Sportchef Florian Hinterberger sagt dazu: „Das ist eine ziemlich beachtliche Zahl. Allein schon aus unseren finanziellen Zwängen heraus wollen und müssen wir ja mit jungen und am besten eigenen Leuten arbeiten. Das entspricht unserer Linie, dem gemeinsamen Konzept. Dass wir nicht allzu viel Multikulti drin haben wollen, hat aber auch damit zu tun, dass jeder den Trainer verstehen soll. Über das Wort kann man viel erreichen.”

Zwar räumt auch Aufsichtsratschef Steiner ein, dass „ein paar erfahrene Spieler für den Gesamterfolg unabdingbar sind” und doch präzisiert er seine Vorstellungen noch konkreter: „Im Idealfall kann man dann bei uns einen Jungen aus Perlach, Giesing oder Gern im Stadion sehen, der wiederum seine Freunde als neue Fans mitbringt. So ergäbe sich ein Kreislauf, der uns ein ganz eigenes Profil ermöglichen würde.” Deswegen überrascht es auch nicht, dass Löwen-Geschäftsführer Robert Schäfer den jungen Christopher Schindler als „perfektes Modell für diese Idee” bezeichnet. Denn der Abwehrspieler stammt aus Perlach, kam im Kindesalter zum TSV 1860, ihm gelang in der vergangenen Saison der Sprung zu den Profis, und jetzt ist er dort im Alter von 21 Jahren bereits Stammspieler. „Es ist ein Riesenschritt, dass wir solche Spieler nicht mehr sofort verkaufen müssen”, erklärt Schäfer. „Das tut schon ein bisschen weh, wenn man sieht, dass wir einen Moritz Leitner für Dortmund ausgebildet haben und Kevin Volland an Hoffenheim abgeben müssen.”

Bleibt nur die Frage, wie es die Löwen schaffen wollen, ihre eigenen Talente bekannter zu machen – schließlich lässt sich Erfolg nicht einplanen. „Wir wollen im Stadtleben mehr teilnehmen, sichtbarer werden, werblich stärker auftreten.” Deutlicher will Schäfer zwar nicht werden, doch Steiner hat bereits konkrete Ziele: „Es ist gemeinsam mit dem Investor angedacht, die jungen und wilden Löwen mit der Hilfe von Promotion-Agenturen bekannter zu machen. Wir müssen jetzt, also unmittelbar nach der Vereinsrettung, die Chance nutzen, ein neues Image aufzubauen.”

Als Vorbilder nennt TV-Produzent Steiner zum einen das öffentliche Auftreten des FC St. Pauli, bei dem es „auch als Nicht-Fan Spaß mach, durch den Fanartikelkatalog zu blättern”. Und zum anderen die einstigen Kinospots des 1. FC Köln, deren Wappen-Tier, der Geißbock, dafür gezielt genutzt worden ist. „Wenn man bedenkt, dass unser Löwe viel sexier und geiler als so gut wie alle anderen Vereinsmaskottchen oder -Wappen ist, haben wir dabei noch viel Nachholbedarf. Wir haben bereits vor fünf, sechs Jahren mal über Kino-Konzepte nachgedacht, aber nie etwas umgesetzt. Es wird höchste Zeit, das jetzt nachzuholen.”

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