Löwen: Big Eriksson is watching you

Vor dem Showdown in Giesing treffen sich das Löwen-Präsidium und Verwandte des Investors, um die Lage auszuloten. Ismaiks Wunschtrainer Eriksson könnte zunächst als sportlicher Berater einsteigen
| Filippo Cataldo
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Vor dem Showdown in Giesing treffen sich das Löwen-Präsidium und Verwandte des Investors, um die Lage auszuloten. Ismaiks Wunschtrainer Sven-Göran Eriksson könnte zunächst als sportlicher Berater einsteigen

MÜNCHEN Es muss ja nicht immer die Maximilianstraße sein. Galt bis jetzt das Karree rund um das Vier Jahreszeiten, Gucci, Prada, Armani und das Mandarin Oriental als bevorzugter Aufenthaltsort millionenschwerer München-Touristen aus der arabischen Welt, scheint sich die Grünwalder Straße nun mehr und mehr zum Hotspot für Besucher aus dem Morgenland zu entwickeln.

Montagvormittag jedenfalls erschien in Abdel Rahman Ismaik ein weiterer Vertreter der Familie von 1860-Investor Hasan Ismaik auf der Löwen-Bühne. In Abu Dhabi fungierte er als persönlicher Assistent des Investors. Zusammen mit seinem Cousin Noor Adnan Hasan Basha, schon einige Wochen in München und designierter Nachfolger des zurückgetretenen Investoren-Statthalters Hamada Iraki, begab er sich für 90 Minuten ins frühere Büro von Karl-Heinz Wildmoser. Dort wurde das Duo schon von 1860-Präsident Dieter Schneider und seinem Vize Franz Maget erwartet. Später ließen sich die zwei Jordanier Sushi in Bashas Büro im Geschäftsstellengebäude liefern.

Was wollte Ismaiks Bruder bei 1860? „Just a normal visit”, als ganz normalen Besuch bezeichnete Abdel Rahman sein spontanes Auftauchen in Giesing. Tatsächlich bildete er aber die Vorhut für den allseits erwarteten Showdown zwischen Ismaik und Schneider am Dienstag. Genauer: Er wollte ausloten, ob sich Ismaiks Kommen überhaupt lohnt.
Zum Spiel gegen Paderborn (17.30 Uhr) hat sich der Investor angesagt. Auch sein neuer Freund Sven-Göran Eriksson will sich mal wieder die Arbeit von Trainer Alexander Schmidt ansehen. Der frühere englische Nationalcoach geriert sich seit zwei Wochen als Löwen-Groupie, sein Auftauchen beim 2:2 in Berlin war das Vorspiel zum Showdown. Ob Ismaik am Dienstag kommen wird, ist offen. Zwar telefonierten während des Gesprächs sowohl Abdel Rahman als auch Schneider mit dem Investor, doch sie kamen zu unterschiedlichen Bewertungen. „Vielleicht”, sagte der Bruder, „Ich glaube, dass er kommt”, meinte Schneider.

Was will Ismaik? Der Jordanier möchte offenbar seine 1860-Anteile möglichst gewinnbringend verkaufen – und in Aussicht auf eine Wertsteigerung so schnell wie möglich in die Bundesliga aufsteigen. Lieber heute als morgen mit Eriksson als Trainer und Spielerkäufen in Millionenhöhe.  Nach AZ-Informationen soll er mit Eriksson längst alle Konditionen für dessen Installierung ausverhandelt und ihm das Engagement sogar versprochen haben. Nach AZ-Informationen soll er mit Eriksson längst alle Konditionen für dessen Installierung ausverhandelt und ihm ein Engagement sogar mehr als nur in Aussicht gestellt haben.Finanzieren würde er das ganze über Darlehensverträge. Die Schulden würde er wohl im Klub lassen. Ismaiks Haltung: Wer zahlt, schafft an.

Was sagen die Löwen? Da sind sie sich alle einig: Der aktuelle Kurs der schrittweisen Konsolidierung mit nur moderater Kreditaufnahme soll fortgeführt werden. „Das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen”, sagte Schneider auf die Frage, ob Eriksson am Dienstag schon als Cheftrainer vorgestellt werden soll. Auch sonst gab sich Schneider in der Sache hart. „Wir sind bisher davon ausgegangen, dass der Dreijahresplan, den wir gemeinsam diskutiert und entscheiden haben, gilt. „Der Plan trägt unsere 51-Prozent-Handschrift", sagte Schneider – und meinte: Wir haben das Sagen. Außerdem wollen die Löwen Ismaik zwingen, mindestens eine Bankbürgschaft über die ausgemachten 13,5 Millionen Euro Darlehenszahlungen für die kommenden zwei einhalb Jahre auszustellen. Damit würde sich Ismaiks Verhandlungsposition klar verstärken. Der Jordanier soll dies aber nach AZ-Informationen als Affront verstehen.

-Kann der Konflikt gelöst werden? Schneider baute Ismaik immerhin einige Brücken, damit der ohne totalen Gesichtsverlust aus der Sache herauskommen kann. „Der Fußball ist schnelllebig. Man kann immer über Justierungen reden”, sagte er. Und über Erikssons Besuch in Berlin meinte er: „Vielleicht wollte Ismaik sich einfach nur eine zweite Meinung einholen über den sportlichen Stellenwert der Mannschaft.” Eriksson könnte am Dienstag also als eine Art sportlicher Berater auftreten – und dies auch bis auf Weiteres bleiben. Bei einem Besuch in Abu Dhabi bei Ismaiks Familie sagte Eriksson dem Portal "7daysindubai" zufolge: "Ich möchte bei diesen Leuten sein" - und meinte Ismaik und dessen Familie. In welcher Funktion, ließ er offen. Für Schmidt würde dies bedeuten: Big Eriksson is watching you. Das würde das Arbeiten für Schmidt nicht erleichtern, könnte aber beiden Seiten etwas Zeit verschaffen. In der Winterpause könnte man dann die Situation neu bewerten. Und neue Fakten schaffen – indem Berater Eriksson sich selbst installieren lässt. Oder Ismaik, sollte Schmidt Erfolg haben, Abstand von seinem Vorhaben nimmt.

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