Sechzigs Befreiungskrampf: "Die größte Chance des TSV 1860 seit vielen, vielen Jahren"

Die Trennung von Investor Hasan Ismaik kündigt 1860-Präsident Gernot Mang bei der Mitgliederversammlung nicht an, aber die baldige Insolvenz der KGaA an – zur Freude der Mitglieder, die eine neue Profi-GmbH durchwinken.
Matthias Eicher
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Die Anführer des weiß-blauen Befreiungskampfes: Präsident Gernot Mang (2.v.l) und seine Stellvertreter Peter Schaefer (l.) und Christian Dierl (2.v.r.), sowie Ex-Vize Heinz Schmidt.
Die Anführer des weiß-blauen Befreiungskampfes: Präsident Gernot Mang (2.v.l) und seine Stellvertreter Peter Schaefer (l.) und Christian Dierl (2.v.r.), sowie Ex-Vize Heinz Schmidt. © sampics

"Der Löwe befreit sich von seinen Fesseln und zeigt Zähne. Darum sage ich voller Stolz und mit voller Überzeugung: Wir sind der Verein!"

Mit diesen Worten beendete Oberlöwe Gernot Mang seine fast 40-minütige Rede, in denen sich nicht wenige Fans auch einen Durchbruch im vom e. V. ausgerufenen "Befreiungskampf" gegen Investor Hasan Ismaik gewünscht hätten.

"Wir verabschieden uns vom Investorenmodell der vergangenen 15 Jahre"

"Ich sage heute mit vollster Überzeugung: Das, was jetzt vor uns liegt, ist die größte Chance des TSV 1860 München seit vielen, vielen Jahren", erklärte der Präsident des TSV 1860 im Rahmen der Mitgliederversammlung im Zenith und setzte einen drauf: "Wir verabschieden uns vom Investorenmodell der vergangenen 15 Jahre." Damit sammelte der 57-Jährige tosenden Applaus unter über 1.000 anwesenden Mitgliedern ein, den erhofften Sieg verkünden konnte Mang allerdings nicht.

Auf das Angebot des e. V., Ismaiks Anteile durch eine "faire Ablöse im einstelligen Millionenbereich" zurückzukaufen, sei der Jordanier "nicht ernsthaft eingegangen", was Mang "sehr traurig" finde. Stattdessen habe der Oberlöwe "das Gefühl", dass Ismaik "seine Anteile lieber jemand anderem verkaufen will als dem e. V.". Auf AZ-Nachfrage meinte Mang später, ohne konkret zu werden: "An uns wurde herangetragen, dass Ismaik ein Angebot externer Geldgeber auf dem Tisch liegen hat." Kurzum: "Eine gütliche Trennung, vielleicht sogar die Märchenlösung, bei der Hasan Ismaik die Anteile in die Hände der Fans zurückgibt, ist damit in sehr weite Ferne gerückt."

Wird es eher ein weiß-blauer Befreiungskrampf?

Jahrelange juristische Auseinandersetzungen drohen

Laut Mang drohen nun jahrelange, juristische Auseinandersetzungen – und schon sehr bald das Ende der ausgegliederten Profifußballabteilung. "Nach aktuellem Stand wird die KGaA in der kommenden Woche Insolvenz anmelden müssen", erklärte Mang – und löste damit großen Jubel bei den anwesenden Mitgliedern aus. So etwas gibt’s auch nur bei 1860.

Wenig später starrten Geschäftsführer Manfred Paula und Aufsichtsrats-Chef Herbert Bergmaier, denen Mang für ihre Mühen dankte, gemeinsam in ein Handy. Ob man schon schaut, welche Karte die Ismaik-Seite als Nächstes spielt?

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Im Schwarzen-Peter-Spiel schoss Mang jedenfalls zurück: Das Vereinsoberhaupt widersprach der Ismaik-Darstellung über den "schwarzen Mittwoch" vehement. "Am Morgen des 3. Juni gab es einen vollständigen Vertragsentwurf, freigegeben vom Präsidium, vom Aufsichtsrat und insolvenzrechtlichen Betreuern der KGaA – und sofort abgelehnt, obwohl er 90 Prozent der Forderungen enthielt."

Walch verabschiedet sich mit einem Knall: Wirken der Ismaik-Seite "unverzeihlich"

Damit 1860 zumindest das Horror-Szenario Kreisliga abwenden kann, sollte unter Tagesordnungspunkt 13 eine neue Spielbetriebsgesellschaft gegründet werden. Die dafür nötige Dreiviertel-Mehrheit wurde locker erreicht, damit laut Vizepräsident Peter Schaefer "der Profifußball bei Sechzig weiterleben kann."

Mang dankte dafür: "Das gibt uns Rückenwind."

Hoch her ging es auch bei Nachwahlen für den Verwaltungsrat: Nicolai Walch verabschiedete sich mit Szenenapplaus – und mit einem Knall: Die Tage nach Ismaiks Darlehensvertragskündigung seien "die Hölle" gewesen, das Wirken der Ismaik-Seite "unverzeihlich". Der einstige Kult-Reporter Michael Graeter (85), zeichnete Sechzigs Niedergang nach und konterte Walch, den er als Brunnenvergifter" bezeichnete: "Sechzig muss wieder Sechzig werden, aber nicht mit solchen aufgeblasenen Vögeln."

Unwürdig, aber erwartbar inmitten der in Sachen Meinung homogenen Mitgliederversammlung: Graeter wurde Letzter und von den Ultras gnadenlos ausgepfiffen. Nicht besser erging es Jürgen Pusch, Initiator der Vereinigung "Weiß und blau für den TSV", der Kritik an der Kündigung des Kooperationsvertrags ohne sichtbaren Plan B übte – und ausgelacht wurde. Die neuen Kontrolleure Dominik Heckmaier (888 Stimmen), Jan Walla (862) und Uwe Seemann (598) dürften schnell feststellen, dass des Löwen "Fesseln" noch vorhanden sind – und der Befreiungskampf eine gewisse Gefahr birgt, sich die Zähne auszubeißen.

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  • shark vor 2 Stunden / Bewertung:

    Vor ca. 15 Jahren sagte ich,"Insolvenz anmelden und kein Investoreneinstieg" und wurde dafür übelst beschimpft.
    Jetzt kommte die Insovenz-15 Jahre vergeudet.-60 wäre heute mindestens in der 2.Liga.
    60 braucht einen kompletten Neuanfang.auch mit neuen Personen .
    Dieser Weg muss neu gefunden werden und zwar in offener, konstruktiver Diskussion.
    Die Personen des alten Verwaltungsrates solllten nach der Insolvenz komplett zurücktreten-desweiteren ist dieses Organ frundsätzlich in Frage zu stellen
    An Mang und Paula würde ich festhalten-Reisinger und Dr.Werner sollten mit einem Stadionverbot belegt werden

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  • Ostbayer vor 3 Stunden / Bewertung:

    Der Verein sollte sich vom professionellen Fußball verabschieden. Die Geschichte des Vereins hat gezeigt, dass man sich mit Fußball nicht auskennt und es nicht schafft tragfähige Strukturen zu schaffen.
    Der Vorstand sollte sich auf die anderen Abteilungen konzentrieren und diese aktiv fördern.
    Das Kapitel Fußball beim Turnverein ist tot.

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  • Benedikt vor 9 Stunden / Bewertung:

    Wollt ihr Brunnenvergifter sein? Oder keine Löwen mehr, weil sie gerade einen Befreiungskampf durchstehen müssen? Ich bin fest überzeugt, dass aus den Trümmern die Sechziger neu auferstehen werden und das Kasperltheater aus dem Orient sein Ende hat.

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