Löwen 0:1! Blaues Zettel-Desaster

Löwen-Trainer Ewald Lienen scheitert mit dem Versuch, seine Spieler mitdenken zu lassen. Nach dem desolaten 0:1 gegen Lautern droht der Abstieg. Stevic duckt sich in der Trainerfrage weg
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Der K.o.-Treffer: JEndrisek schießt zum 1:0 für die Lauterer ein. Keeper Kiraly ist machtlos.
MIS Der K.o.-Treffer: JEndrisek schießt zum 1:0 für die Lauterer ein. Keeper Kiraly ist machtlos.

MÜNCHEN - Löwen-Trainer Ewald Lienen scheitert mit dem Versuch, seine Spieler mitdenken zu lassen. Nach dem desolaten 0:1 gegen Lautern droht der Abstieg. Stevic duckt sich in der Trainerfrage weg

Ewald Lienen ist in seinem zweiten Semester, was den TSV 1860 betrifft, im Mai hatte er die Blauen übernommen. Die Löwen zu begreifen ist tatsächlich eine Kunst, doch mitten in seiner ersten Hinrunde scheint ein vorzeitiger Abbruch des Studiums eine gar nicht mehr so abwegige Alternative. Mit 0:1 verloren die Sechziger am Sonntag das richtungsweisende Heimspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern – willkommen im Abstiegskampf. In der Zweitliga-Tabelle ist man nun 15. – nur zwei Punkte vom Relegationsplatz 16, belegt derzeit von Koblenz, entfernt.

Drei Semester Pädagogik hat Lienen studiert und letzte Woche kam ihm eine Idee: Er verteilte vor dem 0:3 im Pokal gegen Schalke Zettel und ließ die Spieler aufschreiben, was sie denn für persönliche Zielsetzungen haben. In der Mannschaftssitzung pappte er die Antworten auf eine Flipchart. Viel bei rumgekommen ist nicht – offenbar sind die Spieler so ratlos wie ihr Coach. Was sich auch am Sonntag gegen Lautern bewahrheitete.

Es war ein verdienter Sieg der Lauterer, besonders anstrengen musste sich die Elf von Ex-Trainer Marco Kurz aber nicht. Die Löwen waren desolat. „Wir haben die Schnauze voll“, riefen einige der Sechziger-Fans.

Die strittigste Szene der ersten Halbzeit: Als Mlapa sich über rechts bis an die Grundlinie im Strafraum durchsetzte und geschickt in die Mitte flankte, schob Lauth ein (17.). Das 1:0? Nein, das Schiedsrichter-Gespann hatte den Ball vor der Flanke im Aus gesehen – eine ganz enge Sache. Auch die TV-Zeitlupen konnten dies nicht zweifelsfrei klären. Pech für Sechzig.

In der Folge agierte Torhüter Gabor Kiraly eher so als wolle er sich noch kurzfristig für eine Rolle als Slapstick-Akrobat im Winterprogramm des Zirkus Krone bewerben. Mal Volleyballer, mal Hechtspringer. Schön anzuschauen – aber unnötig. Wie sein Fauxpas, der das 0:1 einleitete (32.). Kiralys Ausschuss mit links wurde zur flachen Gurke, die Lauterer nutzen die Gelegenheit und kombinierten den Ball ins Tor. Absender: Jendrisek mit der Picke.

Das Aufbäumen der Löwen war eher dem Feiertag angemessen. Freundlich bis friedlich. In ihrer Hilflosigkeit attackierten erst Lauth und in der zweiten Halbzeit Mlapa Lauterns Keeper Sippel per Ellbogen oder Schulter – viel mehr kam nicht. Die Lienen-Truppe war so erschreckend harmlos, Kiraly gab weiter den Kirmes-Keeper. Mal wehrte er einen Schuss äußerst riskant per Oberarm ab (39.), nach einer Stunde unterlief er eine Flanke. Lienen brachte Pappas und Biancucchi für Rösler (mit bösen Pfiffen verabschiedet) und Kaiser, wenig später noch Cooper für Mlapa. Half alles nichts. Auch der stürmende Kiraly in der Nachspielzeit.

Und Lienen – ist sein Job in Gefahr? Sportdirektor Micki Stevic nach Abpfiff: „In erster Linie müssen die Spieler die Antwort auf dem Platz geben. Sie entscheiden, in welche Richtung es geht.“ Nach unten und nun stehen zwei Auswärtsspiel in Folge an. Am Sonntag in Cottbus, dann bei Spitzenreiter Bielefeld. Düstere Aussichten.

jos/og.

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