Löwe Nsereko: „Viele verstehen nicht, dass sich Savio nicht meldet“

1860-Profi Nsereko bleibt verschollen, doch Bosse und Kollegen reagieren nun gereizt.
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Savio Nsereko hält sich weiter versteckt.
M.i.S./Bernd Feil Savio Nsereko hält sich weiter versteckt.

1860-Profi Nsereko bleibt verschollen, doch Bosse und Kollegen reagieren nun gereizt.

MÜNCHEN Die Suche nach Savio Nsereko geht weiter! Auch am Mittwochmorgen tauchte der 21-Jährige nicht am Trainingsgelände des TSV 1860 auf. Der junge Löwen-Stürmer, dessen Bruder vergangene Woche in Uganda verstorben sein soll, bleibt weiter verschollen. Doch so langsam reagieren Verantwortliche und Kollegen gereizt auf das leidige Thema.

Trainer Reiner Maurer meinte auf die Frage, ob er den Namen Nsereko überhaupt noch hören könne, fast gleichgültig: „Der spielt in meinen Planungen keine Rolle. Das ist nur noch ein Thema für die Geschäftsführung. Für mich nicht mehr." Wird Nsereko, so er denn wieder auftaucht, unter Trainer Maurer somit nie wieder für 1860 spielen? Entschieden hat sich der Chefcoach wohl noch nicht definitiv, doch er sagte: „Ich habe keine Lust mehr, das immer wieder durchzukauen.“ Und: „Du kannst nicht einfach sechs Tage irgendwo wegbleiben und nicht erreichbar sein."

Auch 1860-Sportdirektor Miki Stevic reagierte gestern verstimmt: „Ich bin müde, darüber zu sprechen. Ich bin noch nicht menschlich enttäuscht, weil noch keine Fakten auf dem Tisch liegen. Solange kann man nicht urteilen. Man muss immer entscheiden, ob jemand psychische Probleme hat oder ob jemand, aus Langeweile nicht zum Training kommt. Jeder reagiert auf seine Art und Weise. Ich habe ihn oft versucht aufzubauen.“

Am Dienstagabend fuhr der 1860-Sportdirektor sogar zu Nserekos Familie nach Allach. „Ich habe mit der Mama und der Schwester gesprochen und beide sagten mir, dass er am Montag kurz da war, aber dann wieder verschwunden ist“, so Stevic am Mittwoch. Mehr wüssten jedoch auch Mutter und Schwester des Profis nicht.

Dass Nserekos Verschwinden aktuell alle sportlichen Dinge überlagert, kommt zudem beim ein oder anderen Teamkollegen nicht gut an. Kapitän Daniel Bierofka meinte jedenfalls nur: „Hört mir auf mit dem Thema.“ Auch Stefan Buck winkte ab. Und Stürmer Benny Lauth befand: „Der Trainer hat klar gesagt, dass wir damit nichts zu tun haben. Für das Wochenende hätte der Spieler sowieso keine Rolle gespielt, von daher hat das mit uns nichts zu tun und stört uns nicht. Das wäre anders, wenn er jetzt schon fünf Tore gemacht hätte." Allerdings ergänzte Lauth: „Ich finde das alles nur schade."

„Wir wissen selber nicht, wo er ist", erklärte Alexander Ludwig, „so lange ist er ja auch nicht hier, dass wir wissen, wie er tickt. Wenn das mit dem Stiefbruder stimmt, dann ist das bitter. Dann kann man verstehen, dass er sich zurückzieht. Aber man kann trotzdem Bescheid sagen.“

Mate Ghvinianidze hingegen sagte: „Viele in der Mannschaft verstehen nicht, dass sich Savio nicht meldet. Ich bin traurig und mache mir große Sorgen. Ich habe ihn 20 Mal auf dem Handy angerufen.“ Der Georgier zählt zu Nserekos Freunden – und suchte nach einer Erklärung für dessen Verhalten: „Er schämt sich vielleicht, weil er einen Fehler gemacht hat und Fragen gestellt bekommt, wenn er wiederkommt. Aber ich stehe hinter ihm. Jeder hat eine zweite Chance verdient."

Einer, der in den letzten Monaten fast täglich mit Nsereko zusammen war, ist U-23-Spieler Ideal Iberdemaj. Der 19-Jährige sagte gestern zur AZ: „Ich weiß seit drei Monaten, dass Savio einen Bruder hat. Und dessen Tod hat mir Savios Schwester Immi bestätigt. Sie schickte mir am Dienstag eine SMS, dass sie sich Sorgen macht. Er hat sich zurückgezogen und hält sich bei einem Freund in München auf. Das Problem ist, dass nur Savio diesen engen Kontakt zum Bruder hatte. Savio braucht Zeit, bis er alles verarbeitet hat. Er kümmert sich momentan nicht um den Verein, er trauert nur um seinen Bruder.“

Reinhard Franke

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