Linus Strasser: Ein Ski-Löwe als Bayern-Fan

Linus Strasser fährt für den TSV 1860, ist aber ein Fan der Roten. Bei der WM traut ihm sein Jugendtrainer alles zu: "Mit Felix auf Augenhöhe".
| Thomas Becker
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Im Stangenwald daheim: Linus Strasser macht in dieser Saison im Slalom von sich reden, aber im Riesenslalom kann er’s genauso gut, meint Jugendtrainer Mario Weinhandl.
dpa Im Stangenwald daheim: Linus Strasser macht in dieser Saison im Slalom von sich reden, aber im Riesenslalom kann er’s genauso gut, meint Jugendtrainer Mario Weinhandl.

München – Dass er da einen ganz besonderen Schüler im Skikurs hatte, war Mario Weinhandl sehr schnell klar. Der Aschauer war Vereinstrainer beim Kitzbüheler Skiclub, damals riefen so einige Münchner Familien an und fragten, ob Weinhandl sich nicht um ihren begabten Nachwuchs kümmern könne. Doch weil er wusste, „was da für ein Rattenschwanz dranhängt“, sagte Weinhandl jedes Mal ab. Bis eben dieser Lockenkopf kam.

„Linus war der Einzige, den ich genommen habe. Der fuhr mit sechs schon so gut, da konnte ich nicht nein sagen“, erinnert sich Weinhandl. 16 Jahre später ist Linus Strasser 22 – und WM-Teilnehmer. Und zwar einer, dem alles zuzutrauen ist. Meint sein Ex-Coach: „Rein vom Können und vom Tempo her, ist er für eine Überraschung gut. Wenn er es schafft, mit der vermehrten Medienpräsenz umzugehen, ist nach oben hin alles offen. Im Training ist er absolut auf Augenhöhe mit Felix Neureuther, im Slalom wie im Riesenslalom.“

Nicht übel für einen, der erst seit einem Jahr im Weltcup startet und vor fünf Wochen erstmals in die Punkteränge gefahren ist – zuletzt allerdings, beim Nachtslalom in Schladming, sogar sensationell bis auf Platz fünf.

Weinhandl beschreibt seinen Schützling so: geerdet, auch nach Erfolgen im Europacup nicht abgehoben, immer arbeitseifrig, eher ruhig und introvertiert. „Aber wenn’s zur Sache geht, ist er da. Dann erwacht in ihm die Eigenschaft des Siegenwollens. Das hat ihn schon als kleinen Bub ausgezeichnet.“

Weinhandl erinnert sich an eine Szene, als Strasser noch ein Pimpf war: „Es war sein zweites oder drittes Rennen. In dem Alter besichtigt man den Kurs noch in der Gruppe. Aber plötzlich war Linus weg und drei, vier Tore weiter unten. Ich fragte ihn, ob er es nicht nötig habe, zu besichtigen. Doch, doch, meinte er, aber er mache das lieber alleine, weil es ihn nervt, dass in der Gruppe nicht alle aufpassen. Und das mit sieben Jahren! Er war eben schon immer ein Rennfahrertyp.“

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Ein Skifahrer, der allerdings ziemlich weit weg von den Bergen aufwuchs. Strassers Elternhaus steht in Solln, im Münchner Süden. Zwar mieteten die Strassers stets ein Ferienhaus in Kitzbühel, doch um im Rennlauf wirklich voran zu kommen, musste Strasser junior viele Opfer bringen. Weinhandl sagt: „Was der alles auf sich genommen hat, um Skirennläufer zu werden! Es gab Phasen, wo er im Winter seine Eltern zwei, drei Monate lang überhaupt nicht gesehen hat – als 14-Jähriger.“

2011 machte Strasser sein Abitur am Skigymnasium in Berchtesgaden. „Danach haben wir uns definitiv öfter gesehen als unsere Familien“, erzählt Weinhandl. „Wenn ein Junger all das auf sich nimmt und ohne zu jammern durchzieht, dann will er das wirklich. Das ist ein Wesenszug, der mich immer an ihn glauben ließ. Und es ist brutal schön, ihn jetzt bei einer WM zu sehen.“

Die WM-Norm hat er erfüllt: „Damit ich mir nichts anhören muss“ Dorthin hätte ihn Männer-Coach Matthias Berthold auch ohne erfüllte Norm mitgenommen, was dem Lockenkopf gar nicht recht gewesen wäre. „So wollte ich nicht dabeisein“, sagte Strasser vor der WM, „ich wollte mir das Ding einfach erfahren, damit ich mir von niemandem etwas anhören muss.“ Muss er auch nicht. Als Fritz Dopfer wegen Rückenproblemen seine Teilnahme am Teamwettbewerb absagen musste, rückte der junge Strasser nach, schied allerdings an Neureuthers Seite schon in Runde eins gegen den späteren Silbermedaillengewinner Kanada aus. Halb so schlimm, glaubt Weinhandl. Der sieht seinen Schüler „im Riesenslalom definitiv so stark wie im Slalom. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis er da genauso durchstartet.“ Und was die Münchner Ski-Fans besonders freut: Strasser startet seit 1992 für den TSV 1860, ist einer von rund 40 Rennläufern der 1907 gegründeten Ski-Abteilung.

Zu den sogenannten Skilöwen zählen Größen wie die Abfahrts-Olympiasiegerin Marina Kiehl (1988) und Kombinations-Weltmeisterin Miriam Vogt (1993). Keine ganz schlechten Vorbilder. Hauptsache, er orientiert sich nicht am kickenden Personal des Vereins.

Die Gefahr besteht eher nicht: Strasser ist Bayern-Fan

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