Kurz: Job-Garantie per Telefon

Die Krise beim TSV 1860: Das Präsidium spricht Coach Marco Kurz das Vertrauen aus – nach einer Konferenzschaltung, die eine Stunde gedauert hat.
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Wie lange lässt ihn die Mannschaft noch im Stich? Zumindest hat das Präsidium Marco Kurz den Rücken gestärkt.
Philippe Ruiz Wie lange lässt ihn die Mannschaft noch im Stich? Zumindest hat das Präsidium Marco Kurz den Rücken gestärkt.

Die Krise beim TSV 1860: Das Präsidium spricht Coach Marco Kurz das Vertrauen aus – nach einer Konferenzschaltung, die eine Stunde gedauert hat.

MÜNCHEN Da stand er. Auf dem Trainingsplatz an der Grünwalder Straße. An ein Tor gelehnt. Marco Kurz, der Löwen-Coach, wirkte nachdenklich. Das 1:2 in Ahlen, die dritte Pleite in Serie, der schlechteste Saisonstart seit 47 Jahren – Kurz hatte ja auch genug zu grübeln. Und wenn er gewusst hätte, was Montag zu gleicher Zeit in der 1860-Geschäftsstelle geschah, wäre ihm wohl noch mulmiger gewesen. Denn dort wurde über seine Zukunft entschieden – per Telefon.

Doch das Ergebnis der einstündigen Telefonkonferenz am Montagvormittag zwischen Geschäftsführung und Präsidium, sechs Mann waren da zusammengeschaltet, fiel – angesichts der prekären Situation beim TSV 1860 – gut für ihn aus. Präsident Rainer Beeck, Vize Franz Maget, Vize Michael Hasenstab, Manager Stefan Reuter und die Prokuristen Markus Kern sowie Bernd Ingerling beschlossen: „Wir sind einstimmig der Meinung“, verrät Reuter, „dass wir an Marco Kurz festhalten.“ Eine Jobgarantie für den Trainer – quasi per Telefon. „Wir sind absolut überzeugt“, meint Reuter, „dass Marco das Schiff wieder flott machen wird.“ Muss er auch. Denn die Bilanz von Kurz im Kalenderjahr 2008 – 20 Spiele/nur zwei Siege – ist niederschmetternd. Der letzte Tabellenplatz ebenfalls. Reuters Entschuldigung für das enttäuschende Abschneiden: „Wir sind ein Verein, der gezwungen ist, kleine Schritte zu gehen. Da muss man auch mal Rückschläge verkraften.“

„Das Vertrauen ist enorm“

Die Stimmung im 1860-Umfeld ist jedoch auf einem Tiefpunkt. Das Problem an der Sache: Die Löwen-Bosse sind offenbar anderweitig gefordert. Auch deshalb wurde am Montag wohl nur telefoniert. Während Löwen-Vize Franz Maget als SPD-Spitzenkandidat im Wahlkampf steckt, urlaubt Präsident Rainer Beeck. Seine Sekretärin bei der Flughafen GmbH ließ via Telefon ausrichten, dass „Herr Beck erst wieder am 16. September zurückerwartet werde“. Einen Tag nach dem nächsten Löwen-Heimspiel gegen den MSV Duisburg, der Elf von Ex-Trainer Rudi Bommer.

Dass Kurz („Ich arbeite sehr akribisch und identifiziere mich total mit dem Verein“) bei den Löwen vorerst weiterarbeiten darf – er ist seit März 2007 im Amt – freut ihn ungemein: „Das Vertrauen ist enorm“, sagt der 39-Jährige Montag, „das zeigt, dass eine Wertschätzung da ist. Aber ich weiß natürlich auch, dass jetzt nur noch Ergebnisse zählen.“ Sollte Kurz aber auch gegen Duisburg verlieren, dürfte er nicht mehr zu halten sein.

"Es geht um 1860“

Um das zu verhindern, zieht Kurz jetzt das Training an. Der für heute geplante freie Tag ist gestrichen. „Wir werden diese Woche sehr intensiv arbeiten“, verspricht Kurz, „aber ich halte nach wie vor nichts davon, das Team kaputt zu trainieren.“ Kurz ist nach wie vor überzeugt, dass er der richtige Trainer ist – und 1860 auch wieder nach oben führt. „Ich bin von meiner Arbeit überzeugt, auch von mir. Es geht nicht darum, meinen Hintern zu retten. Es geht nicht um Marco Kurz und seinen Beruf. Es geht um 1860.“

Und danach brach der Trainer auch noch eine Lanze für Sportdirektor Reuter, der bei der 1:2-Pleite in Ahlen am Fan-Zaun als „Bayern-S...“ beschimpft wurde. „Es ist schon riesig“, sagte Kurz, „dass wir Spieler halten können, die von internationalen Vereinen gejagt werden.“ Was als Kompliment des Trainers zu werten ist – an die Adresse des Sportdirektors, der es geschafft hatte im Winter die Verträge der Bender-Zwillinge, die seit längerer Zeit im Fokus der englischen Premier League stehen, zu verlängern. In der größten Not hält man beim TSV 1860 eben zusammen.

Oliver Griss

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