"Körpersprache wie Geister": Löwen-Desaster in Cottbus lässt alle Träume platzen
Natürlich war das überhaupt nicht nett gewesen, was die Mannheimer Fans in der vergangenen Woche den Löwen hämisch ins Gesicht gesungen hatten: "Dritte Liga? Sechzig ist dabei!" Einen Spieltag später muss selbst der blaueste Fan zugeben: stimmt schon.
Nach der deutlichen 0:3-Auswärtsschlappe bei Energie Cottbus deutet nicht alles, aber doch sehr viel darauf hin, dass der TSV 1860 in der kommenden Saison das neunte Jahr in Folge in Liga drei zu Hause sein wird.
"Es ist noch nicht vorbei", hatte sich Coach Markus Kauczinski nach dem 1:1 im Heimspiel gegen Waldhof Mannheim noch in Zweckoptimismus geübt und vor dem Alles-oder-Nichts-Match beim Aufstiegskonkurrenten aus der Lausitz "heißes Herz" und "kühlen Kopf" gefordert. In Cottbus legt er vor dem Anpfiff noch mal nach: "Jetzt geht es für jeden um jeden Punkt", fasste der Coach den Aufstiegskampf auf den Weg in Liga zwei zusammen, den die Löwen zuletzt mit einem gewissen Werner Lorant erfolgreich bestritten hatten, woran sich aber wirklich nur noch Ältere erinnern können.
"Die fahren dann zwei Gänge runter, damit wir auch mal ins Spiel kommen"
Nach der ernüchternden Klatsche räumte Kauczinski nun ein: "Cottbus war heute einfach zu stark und hat hochverdient gewonnen. Wir waren in den Zweikämpfen nicht hart genug, haben kein Mittel gegen ihr Tempo gefunden und heute unsere Grenzen gesehen." Erklären könne er sich eine solche Leistung nicht, so der Coach, der angesichts von nun zehn Punkten Rückstand auf einen Aufstiegsplatz gar nicht mehr über diese Eventualität reden wollte.
Sein Kapitän fand noch krassere Worte für diesen so farblosen Auftritt der Sechzger. "Wir sind in der ersten Halbzeit überrannt worden", analysierte der in die Start-Elf zurückgekehrte Thore Jacobsen, "ich bin fassungslos. Die Körpersprache von jedem von uns: wie Geister."

Ganz anders die Gastgeber: "Die hatten heute das Messer zwischen den Zähnen", so der Kapitän, ehe er sarkastisch nachschob: "Die fahren dann zwei Gänge runter, damit wir auch mal ins Spiel kommen – das kann's natürlich nicht sein." Auch er mag zu den nur noch theoretischen Aufstiegschancen nichts mehr sagen. "Wenn wir so spielen, brauchen wir über nichts anderes zu reden."
Erik Engelhardt bedankt sich dreimal bei schlafmützigen Löwen
Dabei hatten die Löwen gegen Cottbus bei ihrem Charterflug ja eine durchaus ermutigende Statistik mitgebracht: 13 Siege bei sieben Niederlagen, darunter so herzhafte Triumphe wie das wilde 4:3 im Olympiastadion aus dem Jahr 2002, mit den Trainern Peter Pacult und Ede Geyer und Torschützen wie Benny Lauth und Paulo Rink. Verdammt lang her. Weiter weg von diesem Fußballfeiertag konnte die erste Halbzeit in Cottbus nun gar nicht sein.
Eine Halbzeit, für deren Beschreibung man im großen Fußballfloskelbuch schnell fündig wird: "Nicht den Hauch einer Chance" hatten die seltsam passiv wirkenden Löwen gegen die nahezu mühelos dominanten Hausherren, deren zwei Treffer in Durchgang eins fast mit Ansage fielen, und das auch noch beinahe identisch. Inkonsequente Defensivarbeit auf der linken Abwehrseite, Pass in die Mitte, wo jeweils Goalgetter Erik Engelhardt Danke sagte. Schon da war der Aufstiegstraum der Sechzger so gut wie ausgeträumt.
Dann patzt auch noch "Mister Zuverlässig" Dähne
In Halbzeit zwei sah es dann aus Münchner Sicht nicht mehr ganz so schlimm aus, was aber auch daran lag, dass nach dem dritten Treffer Engelhardts – mit freundlicher Unterstützung von TSV-Keeper Thomas Dähne – die Entscheidung praktisch schon nach 66 Minuten gefallen war.
Klar, zweimal (53., 74.) musste Cottbus noch auf der Linie klären, ein Mal traf der eingewechselte Florian Niederlechner den Pfosten (77.), ein Mal ballerte Maskenmann Sigurd Haugen die Kugel aus kürzester Distanz in den Cottbuser Nachthimmel (87.), aber all das änderte nichts daran, dass am Ende Cottbus-Coach Pele Wollitz recht behielt, der vorab angekündigt hatte: "Wenn wir unsere Wucht auf den Platz bringen, können wir in der Liga jeden schlagen."
Für diese Löwen hat es locker gereicht.
