König Radi wird 75

Der legendäre Torwart der Löwen war schon in den 60er Jahren Entertainer auf dem Fußball-Platz.
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Gibt seine Loge in der Arena auf: Petar Radenkovic
dpa Gibt seine Loge in der Arena auf: Petar Radenkovic

MÜNCHEN - Der legendäre Torwart der Löwen war schon in den 60er Jahren Entertainer auf dem Fußball-Platz.

Er war schon eine schillernde Figur zu einer Zeit, als die Fußball-Bundesliga noch in schwarz-weiß über die Bildschirme flimmerte und das Tor eckige Holzpfosten hatte. Vieles kam fast antik daher, als Petar Radenkovic in den 60er Jahren mit dem TSV 1860 München deutscher Meister und Pokalsieger wurde. Zwischen dem Sport und der Unterhaltung gab es noch kaum Schnittstellen – der Serbe aber schaffte den perfekten Spagat.

Er war Fußball spielender Sänger, er war singender Fußballspieler – und modelte gleichzeitig. Als Torwart wie als Showman gedieh „Radi“ zur personifizierten Extravaganz. Seitdem sind Jahrzehnte vergangen, und Radenkovic wurde zum Chefkritiker der Löwen, was er auch noch lange bleiben will. An diesem Donnerstag wird er 75 Jahre alt.

Mit seiner Meinung hat sich der gebürtige Jugoslawe in all' den Jahren nie zurückgehalten, was ihm viel Zuspruch und noch mehr Schulterklopfer von den Anhängern einbrachte. Radenkovic' Töne aber sind leiser geworden in den letzten Monaten. Der Jüngste ist er zwar nicht mehr, seine neue Zurückhaltung in Münchens Medienlandschaft hat aber weniger mit seinem Alter zu tun.

Radenkovic ist recht zufrieden mit der Lage beim Zweitligisten, mit dem er sieben Jahre Erfolg um Erfolg errungen hatte. Mit Kritik hielt er sich nie zurück, wetterte gegen Trainer wie Vorstände. Jetzt aber, sagt Radenkovic, könne alles gut werden: „Ich habe große Hoffnung, dass unter Sportdirektor Stevic und Trainer Lienen ein erfolgreicher Weg eingeschlagen wird.“

Sein „Traumjob“ blieb ihm gleichwohl bis heute verwehrt: In einem Proficlub als Sportdirektor das Sagen zu haben. Am liebsten natürlich bei 1860. „Es ist schade, dass ich nie in irgendeiner Funktion im Fußball tätig gewesen bin.“ Ihm blieb eine derartige Chance womöglich auch deshalb verwehrt, weil er auch nach der Karriere immer als der bunte Vogel von damals dahergekommen ist – obwohl die Haare nach und nach grau und die Falten im Gesicht mehr geworden sind.

Die Liebe zu seinem Club ist nie gewichen. „1860 ist nicht irgendeine Fußball-Mannschaft in Deutschland. 1860 ist etwas Besonderes, ein Name“, betont Radenkovic. Heute ist er nur noch Fan der Löwen, dafür berät er den serbischen Fußball-Verband. Ansonsten lief nicht alles rund in der Vergangenheit. Radenkovic hatte mal eine Kneipe und zeitweise sogar ein Hotel – jeweils mit mäßigem Erfolg.

Zur aktiven Zeit war das noch anders. Radenkovic machte selbst das Spielfeld zu seiner Bühne, als er mit dem Ball am Fuß nicht selten wilde Ausflüge bis hinein in die gegnerische Hälfte unternahm. Die Fans jubelten, die Trainer fluchten. „Radi“ aber behielt meistens die Oberhand: 1966 zettelte er eine Revolte gegen Trainer Max Merkel an, weil der ihn mit der Verpflichtung eines weiteren Torwarts unter Druck gesetzt hatte.

Merkel musste gehen, fand aber danach gar noch lobende Worte für Radenkovic: „Der Radi hat mich Jahre meines Lebens gekostet, ein Original, heute möchte ich sogar behaupten, ein Genie zwischen den Pfosten“, sagte Merkel Jahre später. „Ich war eine Kreation von modernem Torwart“, erklärt Radenkovic selbst, den ein gutes Stellungsspiel und starke Reflexe auszeichneten. „Ich hätte womöglich vom Auftreten her besser in die heutige Zeit gepasst.“

 Mit dem Schlager „Bin i Radi, bin i König“ sang er sich in die Herzen seiner Fans – und dank 400 000 verkaufter Platten sogar auf Rang 5 der Hitparade. Radenkovic wurde zum ersten Popstar der jungen Bundesliga, sah gut aus, holte das Maximum aus seinen Möglichkeiten heraus. Als Liedermacher, Model, Werbefigur.

Und Fußballer. 215 Mal lief er für die Löwen in der 1. Liga auf. 1964 wurde er mit ihnen DFB-Pokalsieger, zwei Jahre später Meister. 1965 war viel Pech dabei, als 1860 erst im Europacup-Endspiel an West Ham United scheiterte. Es wäre der Höhepunkt dieser unkonventionellen Sportlerkarriere gewesen.

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