"Bisschen anders vorgestellt": Volland bereut sein Gastro-Projekt
Was prasselte im vergangenen Sommer nicht alles auf Kevin Volland ein. Selfie hier, Autogramm da, Interview dort. Das Ja-Wort zu seiner Jugendliebe, dem TSV 1860, produzierte bundesweit Schlagzeilen. Wochenlang herrschte Ausnahmezustand in Giesing. Irgendwo klar, dass sich der Stürmer nach dem x-ten öffentlichen Auftritt dachte: Ich bin ein Star – holt mich hier raus!
Volland musste sich an die Dritte Liga anpassen
"Das war schon echt extrem viel", sagte der 33-Jährige, als ihn die AZ im Teamhotel der Löwen auf den irren Hype um seine Person anspricht. "Dass das deutschlandweit ein Thema wird, hatte ich so nicht auf dem Schirm." Volland ist froh, dass es zuletzt ruhiger um ihn wurde. Die ersten Monate bei Sechzig haben viel Energie gekostet. Schon bevor die eigentliche Prüfung startete: sich an seine neue fußballerische Umgebung, den Drittliga-Dschungel, anzupassen.
Selbst für einen Akteur, der sich auf der internationalen Fußballerbühne bewiesen hat, ungewohnt. "Es ist alles ein wenig anders als in der Bundesliga", betont Volland. Das Spieltempo ist langsamer. "Ich habe mehr Zeit in meinen Aktionen und muss sie nicht mehr mit dem ersten oder zweiten Kontakt lösen." Auch hat er auf einmal nahezu jede Woche einen Manndecker, einen Blutegel, der ihm den Freiraum nimmt, am Hals. Die Partien erinnern ihn an Spiele in der ersten Runde im DFB-Pokal.
Es ist alles ein wenig anders als in der Bundesliga.
TSV 1860: Vollands Körper ist von der neuen Spielklasse gezeichnet
"Man hat schon gemerkt, dass viele Mannschaften in der Hinrunde gegen uns ein paar Prozent mehr herausgeholt haben", sagt der gebürtige Allgäuer. Sein Körper ist nach einem halben Jahr in der neuen Spielklasse gezeichnet. Eine fette Narbe am rechten Knie aus dem Spiel gegen Viktoria Köln (2:2), vor wenigen Wochen dann ein gequetschter Meniskus und eine angerissene Kapsel im Knie in der Partie gegen den FC Ingolstadt (2:1). Im gehobenen Fußballeralter wird ihm noch einmal einiges abverlangt.
Doch Volland hat schnell gelernt, zurückzuschlagen. Das zeigt sein Kartenkonto nach der Hinrunde. Schon zweimal, wenn auch im Spiel gegen den FCI strittig, kassierte der Angreifer die Ampelkarte. Dazu kommen vier Gelbe Karten. "Ich bin nicht der schmächtige Techniker, der überall herumdribbelt und liegenbleibt, sondern ich rausche auch in die Zweikämpfe", fasst es Volland zusammen. Mittlerweile fühlt er sich aber in der Dritten Liga wohl: "Ich habe wieder den Rhythmus und das Selbstverständnis bekommen."

Volland stuft Level von Sechzig im oberen Mittelfeld ein
Sein aktuelles Niveau stuft er im oberen Mittelfeld ein, so wie das seines Herzensklubs. "Vielleicht sogar noch ein bisschen höher." In der Rückrunde will Volland deshalb nochmal mit dem TSV 1860 oben angreifen. "Ich bin echt froh, dass wir noch auf Schlagdistanz sind und zu den Verfolgern gehören", sagt der ehemalige Nationalspieler. Volland glaubt, dass Sechzig diese Rolle liegt. Sollte er es mit dem Löwen allerdings nicht aus den Wirren des Drittliga-Dschungels schaffen und Drittligakönig werden, will er nicht abbrechen. Immerhin hat Volland bei Sechzig einen Vertrag bis 2027.
Außer sein Körper macht ihm einen Strich durch die Rechnung. "Ich bin schon jeden Tag auf der Massagebank und werde behandelt", so der gebürtige Marktoberdorfer: "Das wird auch nicht mehr besser." Wenn er sich irgendwann quälen muss, so Volland, "macht es für den Verein und mich keinen Sinn mehr, weiterzuspielen". Wann das der Fall sein wird, kann er aber nicht einschätzen. Pläne für seine Zeit nach der Spielerlaufbahn hat Volland schon.
Ich bin schon jeden Tag auf der Massagebank und werde behandelt.
Sechzig-Routinier will nach der Karriere lange Urlaube machen
Die Karriere als Gastronom, Volland betreibt zusammen mit seinem Spezl Maxi Wuttge die Pizzeria "Piazza Italiana" in Kempten, möchte er nicht vorantreiben. "Das habe ich mir ein bisschen anders vorgestellt", gesteht der Löwe ein und lacht: "Für den Ertrag, der am Ende dabei herumkommt, und den Aufwand, den man das ganze Jahr hat, macht es keinen Spaß." Stattdessen will Volland erst einmal ein, zwei Jahre durchschnaufen, das nachholen, was ihm als Fußballprofi nie möglich war: Lange Skiurlaube und ein Trip nach Australien, allerdings nicht, um ins Dschungelcamp einzuziehen.
- Themen:

